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(V) Die deutschen Kolonien - eine fast vergessene Epoche deutscher Geschichte holt uns gerade ein.

Deutscher Kolonialherr mit Einheimischen um 1885.
Deutscher Kolonialherr mit Einheimischen um 1885.

Dekolonisierung – Provenienz – Restitution – unversehens ist ein Kapitel der Geschichte aus dem historischen Dämmerlicht ins öffentliche Bewusstsein gedrungen, das in der deutschen Vergangenheitsbewältigung kaum eine Rolle gespielt hat. Dass das Deutsche Reich spät aber nachdrücklich seinen „Platz an der Sonne“ eingefordert und wie die anderen Kolonialmächte des 19./20. Jahrhunderts tiefe Spuren der Verwüstung in den kolonisierten Weltregionen hinterlassen hat, ist lange weitgehend ignoriert worden. Schließlich hatte Deutschland seine Kolonien bald wieder verloren, und im Übrigen gab es einen gewissen stillschweigenden Konsens darüber, dass Deutschland eigentlich eine gute Kolonialmacht gewesen sei, damals.

Das ändert sich gerade. Nicht zuletzt die Debatten um das Humboldt-Forum und die Frage, wem die Kulturschätze in den Völkerkundemuseen denn gehören und wie im 21. Jahrhundert ‚die Welt‘ angemessen darzustellen sei, haben eine neue Aufmerksamkeit für die Stimmen aus den früheren europäischen Kolonien mit ihren Forderungen nach Dekolonisierung, nach Rückgabe geraubter Kulturgüter, nach Wieder-gutmachungen und nach Anerkennung kolonialer Leidensgeschichten unter der deutschen Kolonial-herrschaft geschaffen.

Diese Forderungen sind nicht das einzige Band zwischen uns und den ehemaligen Kolonien. Das ganze Ausmaß dessen, was wir als Globalisierung bezeichnen, hat seinen Ursprung in dem imperialistischen Griff Europas nach Weltreichen und Weltbeherrschung;  die einstigen kolonialen Metropolen und die Regionen, die heute als Staaten mit ihrem kolonialen Erbe zu kämpfen haben, sind in den heutigen Strukturen der „Einen Welt“ miteinander verknotet.

Was dieses koloniale Erbe ist, das b e i d e Seiten, Nord und Süd, verändert hat, soll ein Blick in die Geschichte der deutschen Kolonien in Afrika erhellen.

Togo, Kamerun, Tanzania („Deutsch-Ostafrika“) und Namibia („Deutsch-Südwest“) gehören heute zu den ärmsten Ländern der Welt. Die kolonialen Wurzeln der Probleme, mit denen sie heute zu kämpfen haben, werden unter verschiedenen Aspekten beleuchtet:

  • die christliche Missionierung wird am Beispiel Togo dargestellt, dort war (und ist) die Bremer „Norddeutsche Missionsgesellschaft“ aktiv;
  • wer die Profiteure des Kolonialismus waren, lässt sich in Kamerun gut illustrieren;
  • das dunkle Kapitel des kolonialen Völkermords und Hannah Arendts Thesen über die kolonialen Ursprünge des Totalitarismus wird anhand der Geschichte von „Deutsch-Südwest“ erörtert;
  • auch „Deutsch-Ostafrika“ steht unter dem Zeichen ganz unterschiedlicher Formen von  Gewalt als kolonialem Herrschaftsinstrument, aber auch der Gegenwehr der Kolonisierten („Maji Maji-Aufstand“).

Eine etwas andere Geschichte hat die Kolonialgründung „Kiautschau“ in China. Sie erklärt die Bedeutung des Kolonialismus für die Selbsterfindung des jungen Deutschen Reiches als Nationalstaat und moderner Industriemacht.

Die Veranstaltung ist eine Wiederholung der Veranstaltung aus dem Vortragsprogramm Frühjahr 2020. Die Teilnehmer/-innen, die bereits einen Teil der Veranstaltung vor der Corona-Schließung der Uni belegt haben, können auch die letzten fehlenden Sitzungen gegen einen reduzierten Beitrag belegen.


Dozentin:    Dr. Helga Rathjen

Termine:    
5 x freitags         
02.10. + 09.10. + 16.10. + 23.10. + 30.10.2020

Zeit:        12:00 (s.t.) bis 13:30 Uhr

Entgelt:    35.- Euro

Veranstaltungsart:    Online-Seminarreihe

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