(C) Transformation eines antiken Bildes - von Athen über Neapel und Potsdam bis Oldenburg

Muse im Kreis von Göttern
Muse im Kreis von Göttern

Der Maler Johann Heinrich Wilhelm Tischbein publizierte ab 1789, die Vasensammlung des britischen Gesandten in Neapel William Hamilton mittels Kupferstiche. Darunter ist eine attische Vase des 4. Jh. v. Chr., die den singenden und musizierenden Gott Apollon im Kreise anderer Figuren zeigt. Gemeint ist der Mythos vom musikalischen Wettkampf zwischen Apollon und dem Satyr Marsyas. 
Die Forschungen zeigen, dieses Bild eine verblüffende Rezeptions- bzw. Transformationsgeschichte hatte, wodurch es schon in der Antike sowie im 18. und 19. Jh. immer wieder in neue Kontexte gerückt und mit aktuellen Bedeutungen versehen wurde.

  1. Athen: Bereits seit Ende des 5. Jh. spielt das Thema auf Vasen eine Rolle. Hintergrund ist die Debatte um die Form von Musikaufführungen, den Wert von Instrumenten und die Erziehung der Jugend, angestoßen durch Damon, Perikles‘ Lehrer und politischer Agitator, der sich so unbeliebt macht, dass er verbannt wird. Erst danach bewirkt Perikles einen Ausgleich, der sich in den Bildern spiegelt.
    4. Jh. v. Chr.: Unser Vasenbild hat der Maler von einem Werkstatt-Genossen 'geklaut‘ – das bessere Vorbild ist erhalten - und entsprechend einer anderen Mythenvariante und einer anderen Käuferorientierung abgewandelt. Auch gibt es kulturpolitische Veränderungen, die Apollon jetzt im Musikergewand passender erscheinen lassen.
  2. Neapel: Schon vor Tischbein hat wahrscheinlich Jacques-Louis David 1779 die Vase gesehen und sie später für sein Gemälde „Paris und Helena“ (1788) verwendet.   - Der Kommentator der Vasenkataloge Hamiltons, Andrej Italinsky, interpretiert die Szene nicht als Wettkampf, sondern als Erscheinung des gerechten Apollon auf dem Olymp. Beide Ideen werden Tischbein formal als auch inhaltlich beeinflussen.
  3. Potsdam: Die Brüder Franz und Louis Catel nehmen die Vasenbilder der Hamilton-Kataloge als Vorlage für die Raumdekoration im sogenannten Etrurischen Kabinett (1802-1804) im Stadtschloss von Potsdam – nicht ohne das Apollon-Vasenbild mehrfach umzugestalten. Hintergrund ist die Bedrohung durch Napoleon.
  4. Oldenburg: Nach den Befreiungskriegen macht Tischbein 1819 das Apollon-Marsyas-Vasenbild zum Kern seiner Idyllen-Bilder im Schloss von Oldenburg (zu denen Goethe zum Teil Gedichte schrieb). Das kleine Ölgemälde spiegelt seine Homer-Begeisterung als auch die Idyllen-Theorie der Zeit. Die Figuren erhalten zum Teil neue Namen, Apollon steht nun u.a. für Frieden.
  5. Tischbeins Kupferstiche wurden seit Anfang des 19. Jh. von Keramik-Manufakturen als Designvorlagen genutzt. So transponierte man um 1870 Tischbeins Kupferstich des Apollon-Vasenbildes zurück auf den Körper einer Prunkvase. Die Figurenanordnung ist stark verändert, denn hier geht es um Paris und den Trojanischen Krieg.
     

Dozentin:    Dr. Luise Seemann

Termine:  5 Termine

  • Montag, 31.08.2026
  • Freitag,  04.09.2026
  • Montag,  07.09.2026
  • Freitag,   11.09.2026
  • Montag,  14.09.2026
     

Zeit:        10:00 (s.t.) bis 11:30 Uhr

Entgelt:    55,- Euro

Veranstaltungsart: hybrid, in Präsenz (Zentralbereich, Akademie, Raum B 1300) oder wahlweise Online-Teilnahme

Hinweis:   Teilnehmerbegrenzung: 20 Personen in Präsenz

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