(O) Die Lyrikerin Ingeborg Bachmann (1926-1973)
Sterben ist es nicht. Aufstehen ist das Wort.

Die österreichische Dichterin Ingeborg Bachmann, deren Geburtstag sich in diesem Jahr zum 100.Male jährt, war eine der bekanntesten und meistgelesenen Lyrikerinnen in der deutschen Nachkriegsliteratur. Mit einem Preis der Gruppe 47 und ihrem ersten Gedichtband „Die gestundete Zeit“ 1953 wurde sie in der BRD schlagartig berühmt. „Ihre Verse sind hart im Klang, kühn und bizarr, doch niemals unorganisch in den Bildern, getragen von einer radikalen Illusionslosigkeit, aber auch von einer noblen, kraftvollen Schicksalsbereitschaft“, so heißt es im Klappentext dieses ersten Buches.
Als sie sich In den 60er Jahren entschloss, keine Gedichte mehr zu schreiben, sondern sich fast ausschließlich der Prosa zuzuwenden, stieß sie auf viel Unverständnis. Marcel Reich-Ranicky bezeichnete sie als „gefallene Lyrikerin“.
Inzwischen hat es viele neuere Perspektiven und Beurteilungen ihres lyrischen Werks gegeben. Im Jahre 2000 gaben I. Bachmanns Geschwister ihre nachgelassenen Gedichte heraus („Ich weiß keine bessere Welt“, Piper Verlag), die in ihrer Bruchstückhaftigkeit und Unvollkommenheit „verstörend direkt“ und „ungeschickt wie im Rausch hingeschrieben“ wirken (Süddt.Ztg.6.10.2000). Seitdem hat man mehr als bisher nach den autobiografischen Hintergründen ihres Werkes fragen und auf die tragische Lebensgeschichte und die seelische Not der Autorin hinweisen können, was dem Bild und dem Wirken der Dichterin nicht unbedingt gutgetan hat.
So sind vor allem immer wieder ihre Liebesbeziehungen zu Paul Celan und Max Frisch in den Fokus der Rezensenten und in die Öffentlichkeit geraten und haben nicht unwesentlich zu dem verstörenden Bild der Dichterin beigetragen. Erst im Jahre 2008 wurden die Briefwechsel mit Paul Celan („Herzzeit“ im Suhrkamp-Verlag) und im Jahre 1922 mit Max Frisch („Wir haben es nicht gut gemacht“, Piper/Suhrkamp) herausgegeben, die ein differenzierteres Bild auf die Dichterin werfen.
Wir werden uns in diesem Seminar ausschließlich auf die Lyrik bzw. das lyrische Schreiben von Ingeborg Bachmann konzentrieren und die Frage zu klären versuchen, wie weit uns ihre Lyrik heute auch noch etwas zu sagen hat. Wer ist diese Ingeborg Bachmann für den Einzelnen, für den Leser und Rezeptierten ihrer Gedichte? Inwieweit appelliert ihre Lyrik an die Subjektivität von Dichter und Leser und wie lässt sich Poesie grundsätzlich erfahrbar machen als Kraftquelle für den Dichter wie für seinen Leser?
Für das Seminar werde ich eine Auswahl ihrer Gedichte zur Verfügung stellen, empfehle aber auch gerne die Ausgabe „Sämtliche Gedichte“ von Ingeborg Bachmann (Piper Verlag) und ihre frühen Erzählungen „Das 30.Jahr“.
Dozentin: Ulrike Marie Hille
Termine: 3 x donnerstags
- 27.08., 03.09., 10.09.2026
Zeit: 10:00 (s.t.) bis 11:30 Uhr
Entgelt: 45,- Euro
Veranstaltungsart: hybrid, in Präsenz (Akademie, Raum B 0770) oder wahlweise Online-Teilnahme
Hinweis: Teilnehmerbegrenzung: 50 Personen in Präsenz

