(Q) „Ich hatte tausend Leben und nahm nur eins - mit Cees Nooteboom unterwegs“

Cees Nooteboom (2011)
Cees Nooteboom (2011)

Dieses Seminar ist eine Hommage für den kürzlich verstorbenen niederländischen Autor Cees Nooteboom, der in Bremen kein Fremder ist; mehrmals war er hier gern gesehener Gast. Zugleich geht es um eine Einladung, Ausschnitte aus seinem Werk zu betrachten. Es gibt viel zu entdecken: für Sie, wenn Ihnen der Schriftsteller nicht fremd ist, aber auch zum neu kennenlernen und mit ihm „auf Reisen“ zu gehen.

„Der reisende Poet ist tot“ – so die Überschrift zu einem Nachruf zu Ehren dieses vielseitigen Autors: Poet, Essayist, nachdenklicher Zeitgenosse, Romanschriftsteller,
„Halbnomade“ nach eigener Aussage; in jüngeren Jahren seines Lebens auch journalistisch unterwegs …

Wenn er nicht reisend unterwegs war, lebte er in Amsterdam, in den Sommermonaten war er auf Menorca zuhause. Rüdiger Safranski war ein enger Freund und hat ihn mehrfach gewürdigt.

Wir werden mit Cees Nooteboom – in ausgewählten Texten – unterwegs sein, der „das Reisen“ gleichgesetzt hat mit „in Bewegung“ lebenslang; so hat er eine Aussage des arabischen Philosphen Ibn Al-Arabí mit größter Wertschätzung zitiert: Weil das Prinzip der Existenz die Bewegung ist, kann es darin keinen Stillstand geben ... Würde es zum Stillstand kommen, käme das Sein an ein Ende ... so hört das Reisen niemals auf, nicht in der höheren und in der niederen Welt ... all dies ist zweifelsfrei eine Reise für jedes menschliche Dasein. (zitiert nach: „Nootebooms Hotel“ sowie „The Secrets of Voyaging“ von Ibn Al-Arabí)

Wir werden den Autor begleiten in Amsterdam und auf Menorca, auf manchem „Umweg nach Santiago“ (diesen „Umwegen“ hat er einen eigenen Band gewidmet); in Venedig (die Faszination für dieses fragile Gebilde ist in jedem seiner Texte spürbar) und wir werden auch mit ihm in einer fremden Welt – pilgernd – unterwegs sein: in Japan von Tempel zu Tempel. Berlin hat er nicht nur als Gast bereist, sondern auch mehrfach dort gelebt – auch im November 1989, pendelnd zwischen den Welten Ost und West. (Das Romanwerk bedarf einer gesonderten Würdigung und wird hier ausgeklammert.)

Jeder Termin wird beginnen mit einer kurzen Lesung zum jeweiligen thematischen Schwerpunkt des Tages. (Ich bin sehr dankbar, Cees Nooteboom persönlich gekannt zu haben; vor drei Jahren zu seinem 90. Geburtstag hatte ich eine Lesung angeboten, bereits zu seinem 80. Geburtstag eine Semesterveranstaltung mit dem Titel: „Der Weg ist begonnen, vollende die Reise“.)
 

In diesem Seminar werden wir

  • meditative Texte von ihm über das Reisen lesen und erörtern, auch mit dem oben erwähnten Ausgangspunkt des arabischen Philosophen, wie in „Nootebooms Hotel“ fast als eine Präambel zitiert;
  • mit ihm unterwegs sein an ausgewählten Orten, die ihn immer wieder angezogen und zum Schreiben herausgefordert haben;
  • einen Film mit ihm und über ihn ansehen und diskutieren;
  • kürzere Texte, die Rüdiger Safranski ausgewählt hat – mit dem Titel „Ich hatte tausend Leben und nahm nur eins“, diskutieren;
  • nachdenkliche Gedichte kennen lernen und betrachten, die er während der Pandemie geschrieben hat mit dem Titel „Abschied“;
  • Zeitgenossen und Nachbarn Cees Nooteboom (u.a. in Berlin von 1989) zur Kenntnis nehmen;
  • miteinander betrachten, wie der Autor Zeit/Lebenszeit und Vergänglichkeit, Er-leben in geschichtlicher Zeit immer wieder neu verortet und mit so etwas wie einem archäologischen Blick in vergangene Zeiten vermessen kann.

 

Jede/r von Ihnen ist eingeladen, vorhandene eigene Leseerfahrungen mit anderen zu teilen und zu kommentieren, was Ihnen dieser „reisende Poet“ mitteilen kann.
 


Dozentin:  Barbara Hoffmann-Gabel, M.A., Supervisorin

Termine:   4 x mittwochs

  • 02.09., 09.09., 16.09., 23.09.2026

Zeit:    10:00 (s.t.) bis 12:00 Uhr

Entgelt:    55,- Euro

Veranstaltungsart:   in Präsenz (Zentralbereich, Akademie, Raum B 0660) 

Hinweis:   Teilnehmerbegrenzung: 24 Personen

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