(U) Die Kraft der Verzauberung – Nachdenken über die Phantasie: Cornelia Funke / Bruno Bettelheim / Dietmar Kamper
Eine Veranstaltung im thematischen Zusammenhang mit der Ausstellung „Magie“ im Überseemuseum Bremen

Der Psychologe und Professor für Erziehungswissenschaft Bruno Bettelheim formulierte schon 1980 sehr klar: „Kinder brauchen Märchen“. In seinen Ausführungen macht er deutlich, dass Kinder besser lernen müssen, sich selbst zu verstehen, damit sie auch Empathie für andere entwickeln. Mit Hilfe von Märchen wird das Kind in Geschichten hineingezogen, die immer auch einen Konflikt enthalten, der gelöst wird. „Dabei formt das Kind unbewusste Inhalte zu bewussten Phantasien, die es ihm dann ermöglichen, sich mit diesem Inhalt auseinanderzusetzen. (…) Form und Gestalt der Märchen bieten dem Kind Bilder an, nach denen es seine Tagträume ausbilden und seinem Leben eine bessere Orientierung geben kann.“ Bettelheim, Kinder brauchen Märchen 1980.
Nach den Märchen kommen Kinder- und Jugendbücher, die selbst gelesen oder gehört werden können. Hier nun kommt Cornelia Funke ins Spiel, die Meisterin der Spannung, der Sprache, der Bilder. Sie führt die jungen (oder auch älteren) Lesenden in einen Kosmos der Freundschaften, der Feindschaften, der Abenteuer in fremden Welten. Es sind durchaus fürchterliche Momente, die dort geschildert werden, aber sie haben kathartische Wirkung. Die Helden ihrer Bücher gehen durch Initiationsrituale, werden geprüft und geschüttelt; erleben schließlich das, was die psychologische Literatur „Resilienz“ nennt, also die Fähigkeit, das Leben zu bewältigen durch Selbstwirksamkeit, Akzeptanz, Optimismus, Problemlösung, Zielorientierung, Selbstwahrnehmung, und der Fähigkeit, Krisen zu überstehen. Die Schilderungen des Furchterregenden haben eine sinnvolle Zielsetzung, sie benennen Ängste, materialisieren sie, führen sie aus der Gestaltlosigkeit heraus. Damit muss die Angst nicht abgewehrt, sondern kann ins Auge genommen und bewältigt werden. Cornelia Funke baut ganz nebenbei ohne erhobenen Zeigefinger ökologische Themen ein, hinterfragt die Welt der Erwachsenen mit ihren gierigen Praktiken die Welt des Lebendigen zu unterwerfen. Die Lektüre ist lustvoll und hinterlässt eine gereifte Leserschaft, die auch noch in die Wunderwelt der Sprache eingetaucht ist. Die Teilnehmer*innen des Seminars werden in die Zauberwelten von Cornelia Funke gelotst, werden selbst nochmals in ihr jugendliches Staunen versetzt, indem sie Teile der dreiteiligen Drachensaga hören.
Mit Dietmar Kamper kommt ein Philosoph ins Spiel, der sich mehr als 30 Jahre am Thema Phantasie abgearbeitet hat. Das Denken des Immateriellen ist sein Arbeitsfeld, das er tief durchfurcht hat. Dem cartesianischen Denken versetzt dieser Philosoph in der Kampftechnik ostasiatischer Manier – Aikido – diverse Taumler, fordert die Ratio zum Tanz auf. Ein Text aus dem von Christoph Wulf herausgegebenen Buch – „Vom Menschen. Handbuch historische Phantasie“ wird den Semarteilnehmer*innen zur Verfügung gestellt und thematisiert.
Spätestens dieser Text baut die Brücke zum Thema „Magie“ im Überseemuseum. Die Ausstellung wird gemeinsam besucht.
Literatur:
Bruno Bettelheim, Kinder brauchen Märchen, München 1980
Cornelia Funke, Drachenreiter, Bd. I – III Hamburg 2016
Dietmar Kamper, Phantasie, in: Christoph Wulf, Vom Menschen, Handbuch Historische Anthropologie Weinheim/ Basel 1997
Verena Kast, Das Mädchen im Sternenkleid und andere Befreiungsbeschichten, Padmos-Verlag 2022
Dozentin: Dr. Monika Thiele
Termine: 6 x montags
- 09.02., 16.02., 23.02., 02.03., 09.03., 16.03.2026
Zeit: 12:00 (s.t.) bis 13:30 Uhr
Entgelt: 60,- Euro
Veranstaltungsart/ -ort: hybrid, in Präsenz (Akademie, Raum B 0660) oder wahlweise Online-Teilnahme
Hinweis: Teilnehmerbegrenzung: 40 Personen in Präsenz
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