(ZE) Deutschester aller Deutschen: Friedrich Wilhelm Foerster (1869-1966)
Pädagoge, Ethiker, Politiker und Verkünder alter Wahrheiten

Eine Flut von Schmähungen und Verleumdungen ergoss sich seit 1914 über Friedrich Wilhelm Foerster, den „bestgehassten und am ausgiebigsten beschimpften Mann Deutschlands“ – u. a. verunglimpft als „Vaterlandsverräter“, „Lump und Lügner“, „Nestbeschmutzer“, „Staatsfeind Nr. 1“, „Denunziant“, „Wahrheitsfanatiker“, „Deutschenhasser“ und „übelstes Stinkgewächs am Giftbaum des deutschen Pazifismus“. Was aber hat das mit der deutschen Geschichte und Gegenwart zu tun?
Keiner hat im 20. Jahrhundert klarer und konsequenter den von ihm als Pädagoge bereits vor 1914 erlangten Weltruhm eingesetzt und vor dem preußisch-deutschen Militarismus und Nationalismus sowie vor autoritärem und völkischem Denken gewarnt. Als zentrale deutsche Friedens- und Gewissensstimme, als moralischer und politischer Mahner im Kaiserreich, in der Weimarer Republik, im Exil nach 1933 und in der Bonner Republik stellt er eine unvergleichliche Größe dar. Als Ethiker und politischer Aufklärer ist Foerster die überragende Schlüsselfigur für jene weithin verdrängte deutsche Tradition, die für Frieden, Völkerverständigung, Aussöhnung mit Frankreich und Polen, soziale Gerechtigkeit und Freiheit steht – gegen Krieg, Macht- und Weltpolitik, Intoleranz, Obrigkeitsdenken, Antisemitismus und Militärgeist. Seine Gegner haben ihn nach 1945 wegen seiner demokratisch-friedensorientierten Haltung und seines Verlangens nach einer Abkehr von der Politik, die zum Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie zum Holocaust geführt hat, massiv angefeindet, marginalisiert und vergessen gemacht. Warum? Wegen seines Widerspruchs gegen eine deutsche „Weltpolitik ohne Weltgewissen“, die sich auf Waffen und Rüstung, Kriegstüchtigkeit und Gewaltgeist stützt.
Foerster ist relevant und als Vorkämpfer eines „realistischen Pazifismus“ aktuell geblieben. Sein Wirken und seine Interpretation des deutschen Geschichtsverlaufs von 1871 bis 1945 und darüber hinaus eröffnen einen völlig anderen Zugang zum Verständnis der heutigen deutschen Politik und Erinnerungskultur, als es gang und gäbe ist.
Dozent: Helmut Donat
Termine: 6 x donnerstags
- 27.08., 03.09., 10.09., 17.09., 24.09., 01.10.2026
Zeit: 14:00 (s.t.) bis 15:30 Uhr
Entgelt: 60,- Euro
Veranstaltungsart: hybrid, in Präsenz (Zentralbereich, Akademie, Raum B 1300) oder wahlweise Online-Teilnahme
Hinweis: Teilnehmerbegrenzung: 50 Personen in Präsenz

