(ZE) Verfolgt, verdrängt, vergessen – große deutsche Pazifisten

Friedrich Wilhelm Foerster
Friedrich Wilhelm Foerster

Zwei Weltkriege sind von deutschem Boden ausgegangen. Und doch gibt es auch in der jüngeren deutschen Geschichte Traditionen, Gruppierungen und Personen, die dem blutigen Wahnsinn die Gefolgschaft versagt haben. Das ist weder eine erstaunliche noch eine zufällige Tatsache. Wo große Teile eines Volkes der Unmoral verfallen, dort wachsen Charaktere heran, die sich der militaristischen Verseuchung und säbelrasselnden Knechtseligkeit entziehen. 

Im Meer der geistigen und sittlichen Verrohung bilden sie gleichsam Inseln, weit davon entfernt, bloße Stätten der Zuflucht zu sein. Dem korrespondiert der Entwurf einer friedfertigen Perspektive, die in unüberwindbarem Gegensatz zu der Auffassung steht, dass die Gewalt eine überragende Triebfeder der Geschichte darstelle und der rüstungsschwangere Wille zur Wehrbereitschaft ein Garant des Friedens sei.

Die bedeutendsten Gestalten, die eindringlich ihre Stimme erhoben und vor dem Rückfall in die Barbarei gewarnt haben, kamen aus den Reihen der Friedensbewegung und den ihr nahestehenden Persönlichkeiten. Sie war es vor allem, die, dem Erbe der alten deutschen Kultur und den fortschrittlichen Errungenschaften des europäischen Bürgertums aufs engste verbunden, den Kriegsplanern, Stimmungsmachern und Schreibtischtätern entgegentrat. Zu ihnen gehörten neben vielen anderen die Friedensnobelpreisträger Alfred Hermann Fried und Ludwig Quidde, der Sozialist Eduard Bernstein und der Theologe und Pfarrer Otto Umfrid, der Marineoffizier Hans Paasche und der Pädagoge Friedrich Wilhelm Foerster. Sie sowie alle ehrenhaften Persönlichkeiten und friedliebenden Gruppen sind stets von den weltgeschichtlichen Entscheidungen und Festlegungen der Nation ferngehalten und ins Abseits geschoben worden.

An sie und ihre Einsichten ist heute umso mehr anzuknüpfen und damit einer erinnerungswürdigen Tradition Geltung zu verschaffen, mit der jeder Deutsche sich auch nach Auschwitz identifizieren kann – ohne in Gefahr zu geraten, jemanden zu würdigen, von dem sich irgendwann doch herausstellt, dass er dem Mainstream der Ja-Sager und Mitläufer gefolgt ist. 
 


Dozent:   Helmut Donat

Termine:    6 x donnerstags

  • 12.02., 19.02., 26.02., 05.03., 12.03., 19.03.2026

Zeit:    14:00 (s.t.) bis 15:30 Uhr, am 19.03.2026 von 15:00 (s.t.) bis 16:30 Uhr

Entgelt:    60,- Euro

Veranstaltungsart: hybrid, in Präsenz (Akademie, Raum B 0770) oder wahlweise Online-Teilnahme

Hinweis:     Teilnehmerbegrenzung: 50 Personen in Präsenz

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