(ZU) Die russische Lackmalerei

Russische Lackmalerei
Russische Lackmalerei

In der Zarenzeit gab es in Russland eine Reihe von Dörfern, die sich auf Ikonenmalerei spezialisiert hatten. Zu ihnen gehörte u.a. Palech. Die Ikonen von dort waren im Zarenreich sehr begehrt. Das änderte sich jedoch nach der Oktoberrevolution. Nun wurden keine Kirchen mehr gebaut. Man riss vielmehr eine Menge von ihnen ab. Also wurden keine Ikonen mehr gebraucht. Ja Ikonenmalen war verboten.  Also verlegten sich die Ikonenmaler auf Lackarbeiten mit säkularen Themen.

Da die Ikonenmaler für ihren Broterwerb eine andere Arbeit benötigten, entwickelte sich die Handwerkskunst, dekorative Schachteln aus Pappmache herzustellen, zu lackieren und mit kunstvollen Miniaturbildern zu bemalen. Die Bildmotive waren oft Szenen aus russischen Volksmärchen.

Lackarbeiten wurden in Russland aber schon im 18. Jhd. gefertigt, denn am Zarenhof begeisterte man sich für den „chinesischen Stil", mit dem man die Innenräume ausstattete. Hinzu kam die Mode des Tabakschnupfens Ende des 18 und Anfang des 19. Jhdt.  Nun gingen lackierte Tabakdosen aus Pappmache weg wie warme Semmeln. Also erstanden um Moskaus und St. Petersburg zahlreiche Werkstätten, die Lackerzeugnisse herstellten. Über den Handel mit China gelangten zahlreiche Gebrauchsgegenstände im chinesischen Stil ins Zarenreich. Bereits unter Zar Alexei I. (1629-1676) wurden einige Räume des Palastes in Kolomenskoje im „Chinesischen Stil“ ausgestattet.

Peter der Große besuchte bei seiner Holandreise große Manufakturen und kaufte eine Anzahl von Möbel mit Lackmalereien. Er lud ausländische Lackmaler nach Russland ein und schickte russische Malschüler zur Ausbildung ins Ausland. In der russischen Kunstakademie wurden ab 1757 Künstler in Lackkunst unterrichtet. 

Das Dorf Fedeskino bei Moskau ist das älteste von vier Kunstzentren russischer Miniatur-Lackmalerei auf Pappmarhe, die dort seit 1795 gepflegt wurde. Zudem weiteren Zentren zählte u. a. das ursprüngliche Ikonenmalerdorf Palech.
 


Dozent:      Wilhelm Tacke

Termin:     Donnerstag, 24.09.2026

Zeit:           16:00 (s.t.) bis 17:30 Uhr

Entgelt:         20,- Euro

Veranstaltungsart: hybrid: in Präsenz (Zentralbereich, Akademie, Raum B 0770) oder wahlweise Online-Teilnahme

Hinweis:   Teilnehmerbegrenzung: 50 Personen in Präsenz

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