Transdisziplinarität

  • Transdisziplinarität

    Lehre im Dialog mit Gesellschaft, Wirtschaft und Praxis

Transdisziplinäre Didaktik: Gemeinsam lernen, Zukunft gestalten

Wie lassen sich die großen Herausforderungen unserer Zeit verstehen und gestalten? Klimawandel, Urbanisierung, Migration sind komplex und oft schwer zu durchschauen. Sie werfen Fragen auf, auf die es keine einfachen Antworten gibt, die interdisziplinär gelöst werden könnten - hier setzt transdisziplinäre Didaktik an.

In transdisziplinären Lehr- und Lernprojekten arbeiten Studierende, Lehrende und gesellschaftliche Akteur:innen gemeinsam an realen Fragestellungen. Es entsteht ein offener, kooperativer Lernprozess, in dem verschiedene Erfahrungen, Hintergründe und Wissensformen ausdrücklich willkommen sind. Im Austausch zwischen wissenschaftlichen und lebensweltlichen Perspektiven werden Probleme gemeinsam besser verstanden, diskutiert und neue Lösungsansätze entwickelt.

Studierende lernen dabei, unterschiedliche Wissensquellen zu erkennen, zu unterscheiden und gezielt für konkrete Fragestellungen zu nutzen. Sie entwickeln ein Gespür dafür, welches Wissen in welcher Situation hilfreich ist – und wie sich diese Perspektiven sinnvoll in ihr Studium einbinden lassen. Gleichzeitig reflektieren sie ihre Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und erproben Wege, eigene Lernerfahrungen verständlich zu teilen.

Es werden drei Phasen für einen transdisziplinären Forschungsprozess in der transdisziplinären Bildung unterschieden:

  • Phase A umfasst die gemeinsame Problemformulierung und den Aufbau eines kooperativen Lern/Forschungsteams.
  • Phase B beinhaltet die gemeinsame Erarbeitung von lösungsorientiertem und übertragbarem Wissen durch einen co-kreativen Prozess des Lernens und Forschens
  • Phase C dient der Reintegration und Anwendung des gemeinsam erarbeiteten Wissens.

Die didaktischen Formate sind vielfältig: Sie reichen von Projektwerkstätten und Reallaboren über Service-Learning bis hin zu explorativer studentischer Forschung – häufig in enger Zusammenarbeit mit regionalen Partner:innen aus Stadt, Zivilgesellschaft und Wirtschaft.

Transdisziplinäre Didaktik schafft Räume, in denen Wissen eher gemeinsam entwickelt als vermittelt wird – zwischen Wissenschaft, Praxis und Gesellschaft.

 

Reallabor als Experimentierraum

Ein Reallabor ist ein Experimentierraum , in dem Wissenschaft und gesellschaftliche Akteur:innen gemeinsam an Lösungen für aktuelle Herausforderungen arbeiten. Es verbindet Forschung und Praxis, wodurch neue Ansatz direkt im Alltag getestet und weiterentwickelt werden können. Dabei verfolgen Reallabore zwei zentrale Ziele: Zum einen sollen sie Wissen über und für Transformationen generieren und zum anderen zielen sie darauf ab, gesellschaftlicheTransformationsprozesse aktiv mitzugestalten. Beispiele finden sich im Projekt „BreGos“ der Universität Bremen oder im „Quartier Zukunft – Labor Stadt“ am Karlsruher Institut für Technologie.

Reallabore zeichnen sich durch mehrere zentrale Merkmale aus (vgl. Parodi, Steglich 2021):

  • Forschungsorientierung: Entwicklung von (Transformations-)Wissen

  • Transformativität und Gestaltung: Konkrete praktische Beiträge zur nachhaltigen gesellschaftlichen Transformation

  • Normativität und Nachhaltigkeit: Orientierung am Leitbild nachhaltiger Entwicklung und Sichtbarkeit der jeweiligen Normen

  • Transdisziplinarität und Partizipation: Zusammenarbeit und Co-Design von Wissenschaft und gesellschaftlichen Akteur:innen

  • Zivilgesellschaftliche Orientierung: Einbindung von Bürger:innen und zivilgesellschaftlichen Akteur:innen

  • Modellcharakter: Übertragbarkeit von Ergebnissen auf andere Kontexte

  • Langfristigkeit: Begleitung von Transformationsprozessen über längere Zeiträume (Jahrzehnte)

  • Laborcharakter und Experimentierraum: Erprobung neuer Ansätze unter realen Bedingungen (Experimente)

  • Bildung: Stark verdichtete Lernräume

 

Welche Rolle spielen Reallabore in der Hochschullehre?

Reallabore bieten einen praxisnahen Lernraum für Studierende, in dem sie aktiv an realen Fragestellungen mitarbeiten können. Statt ausschließlich theoretisch zu lernen, sammeln sie Erfahrungen in transdisziplinärer Zusammenarbeit, Projektarbeit und im Umgang mit gesellschaftlichen Akteur:innen. Dadurch werden nicht nur fachliche, sondern auch methodische und soziale Kompetenzen entwickelt. Grundsätzlich dienen Reallabore zur Durchführung und Verstetigung wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Lernens, weshalb sie auch als didaktische Lernräume verstanden werden. Die möglichen Lern- und Lernformate sind dabei vielfältig. Sie umfassen unter anderem Selbst- und Gruppenexperimente, Projektseminare und Service Learning sowie Vorträge, Schulungen und Praxis- oder Szenarien-Workshops. Auch erfahrungsorientierte Formate oder spielerische Ansätze wie Plan- und Lernspiele können eingesetzt werden.

 

Was braucht ein Reallabor in der Lehre?

Ein funktionierendes Reallabor braucht vor allem die enge Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteur:innen aus Wissenschaft, Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Ebenso wichtig sind ausreichend Zeit und Ressourcen, da Transformationsprozesse langfristig angelegt sind. Reale Experimentierräume, belastbare Netzwerke und gegenseitiges Vertrauen bilden die Grundlage, um neue Ideen unter realen Bedingungen zu erproben.

Was ist Service Learning?

Service Learning ist ein Lehr- und Lernkonzept, das akademisches Lernen mit gesellschaftlichem Engagement verbindet. Studierende erwerben dabei praktische Erfahrungen in Nonprofit-Organisationen und bringen diese reflektiert in ihr Studium ein. Ziel ist es, fachliches Wissen zu vertiefen, soziale Kompetenzen zu stärken und Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen.

Service Learning lässt sich dabei in drei Dimensionen systematisieren (vgl. Backhaus-Maul Jahr, 2021):

  • Sachliche Dimension: Unterscheidung zwischen fachspezifischen und fachübergreifenden Ansätzen, wobei je nach Schwerpunkt fachliche Inhalte oder das gesellschaftliche Engagement im Vordergrund stehen

  • Zeitliche Dimension: Angebote können kurz-, mittel-, oder langfirtsig angelegt sein sowie verpflichtend oder freiwillig erfolgen

  • Soziale Dimension: Service Learning richtet sich an unterschiedliche Zielgruppen, sowohl auf Seiten der Studierenden (z.B. verschiedene Fachrichtungen oder Studienphasen) als auch in der Zivilgesellschaft (z.B. Kinder, ältere Menschen, Umweltinitiativen)
     

Welche Rolle spielt Service Learning in der Hochschullehre?

Service Learning verbindet fachliches Lernen mit gesellschaftlichen Engagement und kann curricular eingebunden sein. Zentrale Elemente sind reale Bedarfe, die Verknüpfung von Theorie und Praxis . Dabei werden transdisziplinäre Perspektiven aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft verbunden. Darüber hinaus fördert Service Learning die kritische Reflexion praktischer Erfahrungen im Kontext theoretischer Inhalte und stärkt individuelle Lernerfolge, etwa beim Übertragen akademischen Wissens auf die Tätigkeit. Es wird empfohlen den Eigenwert des freiwilligen Engagements stark hervorzuheben.
 

Was braucht Service Learning in der Lehre?

Für die erfolgreiche Umsetzung von Service Learning formuliert das Hochschulnetzwerk Bildung durch Verantwortung (HBdV) im Jahr 2020 zehn zentrale Qualitätskriterien: Wichtig sind die Orientierung an realen gesellschaftlichen Bedarf, die Verbindung von Engagement mit curricularen Inhalten und die Reflexion der Erfahrungen. Außerdem sollten Strukturen geschaffen werden, die langfristiges Engagement und die fachliche wie persönliche Entwicklung der Studierenden fördern.

 

Weitere Qualitätskriterien:

Gesellschaftlicher Bedarf: Projekte und Maßnahmen entstehen aus realen gesellschaftlichen Problemen und Aufgaben und zielen auf einen konkreten Nutzen für den Einzelnen, eine Gruppe oder die Gesellschaft ab.

Definierte Ziele: Alle Beteiligten definieren gemeinsame Ziele, auf die kooperativ hingearbeitet wird und die zum Abschluss auf ihre Erreichung hin überprüft werden. 

Service Learning ist Bestandteil des Studiums: Service Learning ist strukturell und inhaltlich in das Studium eingebunden und mit den Lernzielen des Studiums verknüpft.

Kompetenzerwerb der Studierenden: Studierende erwerben im Service Learning je nach inhaltlicher und didaktischer Gestaltung durch die Lehrenden und Non-Profit-Organisationen persönliche, soziale, fachliche und berufliche Kompetenzen.

Lernen in fremden Lebenswelten: Studierende lernen und handeln außerhalb des eigenen Hochschul- und Studienkosmos.

Kooperation der Beteiligten: Alle Beteiligten wirken gemeinsam an der Planung, Vorbereitung und Ausgestaltung von Service Learning mit.

Reflexion: Die Beteiligten reflektieren fachlich und wissenschaftlich angeleitet ihre Erfahrungen im Service Learning.

Begleitung der Studierenden: Studierende werden bei der Planung und Durchführung von Service-Learning-Projekten unterstützt und begleitet.

Evaluation und Qualitätsentwicklung: Service-Learning-Projekte beinhalten Maßnahmen zur Evaluation, insbesondere zur Qualitätssicherung und -entwicklung.

Anerkennung und Würdigung: Das Engagement und die Leistungen der beteiligten Akteure werden im Service Learning und insbesondere zum Abschluss anerkannt und gewürdigt.

Quelle: Hochschulnetzwerk Bildung durch Verantwortung/Redaktionsgruppe Qualität

Kontakt

Franziska Richter

Referat Lehre und Studium

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