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Zugängliche digitale Lehre

Tipps für Lehrende

Ein digitales Lehrangebot ist – auch in Zeiten, wo keine Corona-Pandemie grassiert – grundsätzlich ein wertvolles Format für eine diverse, inklusive Lehre. Insbesondere Studierende mit einer Beeinträchtigung können von der digitalen Lehre profitieren. Sie birgt jedoch auch Herausforderungen für diese Zielgruppe, weswegen wir Sie als Lehrende bitten, auch in dieser besonderen Situation trotz des hohen Stress-Niveaus, das Sie jetzt alle haben, die Zugänglichkeit der digitalen Lehre im Auge zu behalten. Hier geht es insbesondere um die Zugänglichkeit für Studierenden mit Hör- oder Sehbeeinträchtigung, aber z.B. auch für Studierende mit einer Mobilitätseinschränkung (insbesondere in Hinblick auf das Mitschreiben), Beeinträchtigungen durch ADHS, Lese-Rechtschreib-Störung, psychischen Erkrankung oder Beeinträchtigungen durch Medikamenteneinnahme.

Bedenken Sie: Maßnahmen, die Sie für einer Erhöhung der Zugänglichkeit der digitalen Lehre ergreifen können, kommen allen Studierenden zu Gute, die sich in der Corona-Pandemie auf neue Lehr- und Lernformate einstellen müssen!

Allgemein

  1. Fragen Sie zu Beginn einer Veranstaltung eventuelle besondere Bedarfe bei Ihren Studierenden ab. Weisen Sie auf Beratungsangebote der KIS und der kivi hin.
  2. Formulieren Sie Anforderungen und Arbeitsanweisungen sehr genau. Auch Rückfragemöglichkeiten zu Ihren Lehrveranstaltungen und Materialien sind wichtig. Reagieren Sie sensibel auf Nachfragen und Bitten von Studierenden.
  3. Für Studierende, die Schwierigkeiten mit Selbststrukturierung haben, ist es wichtig, dass Sie die Struktur und die zeitliche und logische Abläufe genau erläutern.
  4. Aufgabenstellungen können Sie gerne mit Zeitangabe machen: Wie lange sollte man für diese Aufgabe an Zeit aufwenden (Orientierung an CP). Bei verschiedenen Beeinträchtigungen „verlieren“ sich Studierende in Aufgaben und können teilweise nicht erkennen, dass die Aufgabe als „kleine“ Aufgabe gedacht war. Eine Gewichtung eines Arbeitsauftrags sollte deshalb nicht fehlen.
  5. Texte, die gescannt werden, müssen lesbar sein und sollten auf ihre Lesbarkeit kontrolliert werden. Da gescannte Texte nicht mit Screenreadern gelesen werden können (es sei denn der Scanner hat eine Texterkennung), sind diese nicht barrierefrei. Es sollte also darauf geachtet werden, dass möglichst keine Scans verwendet werden, da selbst bei Texterkennung Bilder nachgetagged werden müssten.
  6. Falls Sie Lehrveranstaltungen mit Webkonferenzen und anderen Präsenzformaten abhalten, ist es - auch wegen unterschiedlichen technischen Ausstattungen der Studierenden - wichtig, alternative Möglichkeiten der Teilnahme (z.B. Aufzeichnung dieser Sitzungen) und Leistungserbringung anzubieten.
  7. Für Studierende mit Beeinträchtigung kann es schwierig sein, 60 Minuten am Stück am PC zu sitzen. Grundsätzlich sind mehrere kleine Lehreinheiten geeigneter.

Vorlesungen und Seminare in der digitalen Lehre

  1. Achten Sie bei Vorlesungsaufzeichnungen auf sehr gute Ton- und Bildqualität sowie einen störungsfreien Hintergrund.
  2. Nutzen Sie das Prinzip der Kommunikation über zwei Sinneskanäle, z.B. Sehen UND Hören: Informationen die gesehen werden, sollten auch gehört werden können und umgekehrt.

  3. Viele Studierende können nicht gleichzeitig zuhören und mitschreiben und sind darauf angewiesen, dass Sie zusätzlich zu aufgezeichneten Lehrveranstaltungen auch eine schriftliche Ausarbeitung (z.B. Skripte, Vorlesungsnotizen, schriftlich entwickeltes „Tafelbild“ o.ä.) rechtzeitig zur Verfügung stellen.

  4. Lassen Sie die Online-Angebote (aufgezeichnete Vorlesungen und Skripte/Notizen) mindestens bis zur Prüfung und Nachprüfung online.

  5. Vorlesungsaufzeichnungen können Sie mit allen Präsentations- und Begleitmaterialien synchronisieren. Achten Sie bei der Produktion darauf, bildliche Darstellungen in den Folien zu erläutern und deutlich zu sprechen (mlecture.uni-bremen.de/ml/). Nutzen Sie die Möglichkeit der Untertitelung oder Audiodeskription der Videos (bik-fuer-alle.de/leitfaden-barrierefreie-online-videos.html).

  6. Nehmen Sie Ihre Onlineveranstaltung (teilweise und wenn die Situation es zulässt) im Studio auf und bereiten Sie Ihre Präsentationsmaterialien barrierefrei auf (egs.zmml.uni-bremen.de und e-lecture.uni-bremen.de).

  7. Grundsätzlich bietet die Lernplattform Stud.IP Ihnen die Möglichkeit, alle Veranstaltungsinformationen und -materialien wie Vorlesungsfolien, Veranstaltungsskripte, Literaturlisten usw. den Studierenden zur Verfügung zu stellen. Bereiten Sie die Dokumente entsprechend der Hinweise zur Erstellung barrierefreier Dokumente auf. 

  8. Lehrende haben keinen Einfluss auf die Barrierefreiheit von Stud.IP. Bieten Sie Studierenden, die aufgrund einer Beeinträchtigung Schwierigkeiten mit der Lernplattform Stud.IP und damit mit der Abgabe haben, an über andere Wege ihre Arbeitsaufträge einzureichen (z.B. Seafile, E-Mail o.ä.).  

  9. Tipps und weiterführende Informationen zur Konzeption barrierefreier digitale Lehrangebote finden Sie hier: www.e-teaching.org/didaktik/konzeption/barrierefreiheit

Barrierefreie Dokumente

PDF-Dateien werden im Studienalltag häufig genutzt. Für Menschen mit Sehbeeinträchtigung oder Legasthenie sind solche Dateien nur mit Hilfe sogenannter Screenreader (Umwandlung von Text- in verbale Informationen) zu erfassen. Sind PDF-Dokumente nicht barrierefrei gestaltet, sind die Dateien vom Screenreader häufig nicht verständlich erfassbar.

Die Aktion Mensch hat sich mit dem Thema Erstellung barrierefreier PDF-Dateien auseinandergesetzt und eine Checkliste erstellt. Es handelt sich um eine kurze Einführung in die Erstellung barrierefreier PDF-Dokumente. Behandelt werden typische Fälle von PDF-Dateien und wie diese für eine Vielzahl von Nutzergruppen zugänglich aufbereitet werden können. Diese Checkliste können Sie unter folgendem Link abrufen: www.einfach-fuer-alle.de/artikel/checkliste-barrierefreie-pdf/

Erste Hinweise für die Erstellung barrierefreier PDF-Dokumente:

  1. Dokumente sollten klar strukturiert werden, damit Screenreader sie ausreichend auswerten können. Dazu gehört die konsequente Nutzung von Formatvorlagen vor allem bei der Zuweisung und hierarchischen Gliederung von Überschriften, aber auch bei Listen, Aufzählungen, Fußnoten, Tabellen etc. (so genannte „Tags“).
  2. Dokumente sollen linear aufgebaut sein und Seitenumbrüche enthalten statt aufeinanderfolgenden Leerzeilen, die das Ende eines Kapitels/Abschnittes nur undeutlich erkennbar machen.
  3. In Texte soll die Umfließfunktion aktiviert sein. Damit wird die Anordnung von Textblöcken je nach Textvergrößerung am Bildschirm so verändert, dass unabhängig von der eingestellten Vergrößerungsstufe der Text stets komplett im Fenster sichtbar bleibt.
  4. Querverweise im Text und Links sollten aktiviert sein.
  5. Verwenden Sie keine farbigen Hintergründe und Texthinterlegungen.
  6. Verwenden Sie keinen selbstgezeichneten Tabellen, sie werden vom Screenreader nicht als solche erkannt.
  7. Grafiken sollten einen erläuternden Alternativtext im Dokument haben.
  8. Grafiken sollten mit der Option "Zeilenumbruch: Mit Text in Zeile" eingebunden werden.
  9. Vermeiden Sie in Ihrem Dokument die manuelle oder auch automatische Worttrennung. Beim Umwandeln Ihres Dokumentes nach PDF werden diese meist nicht korrekt umgesetzt. 
  10. Wenn Sie farbige Überschriften oder Textbestandteile verwenden, achten Sie auf ausreichende Kontraste (mindestens 4.5:1).
  11. Unter Datei "Dokument prüfen" können Sie in Word das Dokument auf Barrierefreiheit prüfen.

Um PDF-Dokumente barrierefrei zu gestalten, gibt es gut verständliche Anleitungen der TU Dresden, die ausführlich erklären, welche Schritte nötig sind um aus Word oder Powerpoint eine einwandfreie PDF-Datei zu erstellen.

Anleitung zur Erstellung barrierefreier PDF Dokumente aus Word: https://elvis.inf.tu-dresden.de/dokumente/upload/737e1_anleitungword_2013.pdf?menuid=44

Anleitung zur Erstellung barrierefreier PDF Dokumente aus Powerpoint: https://elvis.inf.tu-dresden.de/dokumente/upload/01473_anleitungpowerpoint_2013.pdf?menuid=45

Barrierefreie Powerpoint-Präsentationen

Von passend eingesetzten Powerpoint-Präsentationen können alle Studierenden profitieren. Sie visualisieren die Themen der Veranstaltung und helfen dabei, den Vorlesungen oder Seminaren besser folgen zu können. Insbesondere für Studierende mit einer Hörbeeinträchtigung ist es wichtig, diesen visuellen Aspekt während der Veranstaltung nutzen zu können. Aber auch Studierende mit Sehbeeinträchtigung können davon profitieren, vorausgesetzt die Präsentationen werden rechtzeitig zur Verfügung gestellt. Dann können sie sich mit der geeigneten Software auf die Veranstaltung vorbereiten.

Erste Hinweise für barrierefreie Power-Point-Präsentationen:

  1. Gliederungen und Überschriften auf jeder Folie
  2. Verwendung eines klaren Schriftbildes und einer kontrastreichen Akzentuierung
  3. Vermeidung der Farbkombination Rot/Grün
  4. Auf einer Folie maximal drei bis vier Aussagen anführen
  5. Diagramme/Bilder/Zitate zusätzlich verbalisieren