Philosophie und Öffentlichkeit sind Begriffe, die sich wechselseitig aufeinander beziehen. Philosophie ohne Öffentlichkeit ist stumm und Öffentlichkeit ohne Philosophie bleibt dumm. Beide Sphären verhalten sich zueinander, wie kommunizierende Röhren – eine Veränderung in der anderen hat Auswirkungen auf die eine und umgekehrt.
Auch die Anforderungen in diesem Seminar wirken in beide Richtungen: In dem Modul, dem die Veranstaltung zugeordnet ist, sollen Beiträge von Bremer Philosophinnen und Philosophen in der Öffentlichkeit geplant, durchgeführt und reflektiert werden. Zugleich geht es um das Nachdenken darüber, wie die Öffentlichkeit sich aktuell verändert und welche Folgen diese Änderung für die Philosophie besitzt – sprich: um die Rolle der Intellektuellen.
Die öffentliche Sphäre entsteht mit der bürgerlichen Gesellschaft. Im Übergang vom feudalen System zu säkularen rechtsstaatlichen Verhältnissen etabliert sich ein Vertragsverhältnis, das in der Entwicklung der Warengesellschaft seine ökonomische Seite besitzt. Die Konstitution der bürgerlichen Öffentlichkeit, wie sie die englischen Pragmatiker Locke, Mills und Bentham und auf französischer Seite Rousseau, dem dann in Deutschland Kant nachfolgt, ist eng geknüpft an die Verhältnisse der Demokratie als Herrschaft des Volkes. Da die Demokratie als eine Art Fließgleichgewicht immer wieder neu hergestellt werden muss, bietet sich eine Reflexion auf die Grundverhältnisse der bürgerlichen Gesellschaft an. In den letzten beiden Semestern wurden entsprechende Theorien beispielsweise von J.-P. Sartre und Simone de Beauvoir, Achille Mbembe und Frantz Fanon oder Georg Simmel, Richard Sennett und Eva Illouz in diesem Sinne diskutiert. In diesem Semester soll es um die Grundlagen der Öffentlichkeitstheorie gehen, die aber durch die Kritik der aktuellen Entwicklung im Internet ergänzt werden soll. Anhand praktischer Beispiele sollen die Darstellung und die Möglichkeit öffentlicher Intellektueller diskutiert werden.
Literatur:
Mögliche zu behandelnde Texte sind etwa:
Thomas Hobbes, Leviathan (1651)
John Locke, Two Treatises of Government (1689)
Veith Selk, Demokratiedämmerung (2023)
Francesca Bria, United States of Palantier, Le Monde diplomatique (deutsche Ausgabe) November 2025, S. 1 u.14-15