Mit der Liebe ist das so eine Sache: Sie zerfällt nicht nur in verschiedene Gefühlsfacetten und wechselt ihr (sprachliches) In-Erscheinung-Treten im Laufe der Zeit, sondern sie lässt sich auch – in inner- wie außertextlichen Welten – auf unterschiedlichen ‚universelleren‘ Ebenen ansiedeln. Bevor man sich fragt, welche Gewänder Literatur und Medien für Kinder und Jugendliche für Gefühlszustände im Allgemeinen und für die Liebe im Speziellen maßgeschneidert hat, und welche Emotionalisierungsangebote dabei strategisch angelegt, im Textverlauf entfaltet und letztlich leserseitig möglicherweise angenommen werden, ist zunächst eine intensionale und extensionale begriffliche Gegenstandsbestimmung der Spielarten der Liebe angezeigt. Unter dem umbrella term der Liebe wimmelt es nämlich nur so von Heterogenität und obwohl sich Liebe in einer alltagssprachlichen Begriffsannäherung zunächst intensional als „starke, im Gefühl begründete Zuneigung zu einem [nahestehenden] Menschen“ (DUDEN) umschreiben oder als „innige Sympathie […] mit einer Person, die Freude an der Gegenwart, Existenz, den Eigenschaften, dem Glücke dieser“ (Eisler 1904) definieren lässt, ist die extensionale Dimension weit gefächert: Wird überhaupt ein Mensch geliebt? Oder vielmehr ein Gegenstand, ein Tier, die Natur oder Gott? Vielleicht eher ein Konzept oder eine Idee?
Für alle diese Facetten halten Literatur und Medien für Kinder und Jugendliche spannende Beispiele bereit – aber auch ein Blick in die Verhandlung von Erotik wird Teil des Seminars sein, denn nicht nur All-age-Erzählungen verhandeln Sinnlichkeit und körperliche Anziehung flächendeckend, wobei die Grenzziehung zur ‚platonischen‘ Liebe nicht immer trennscharf ausgestaltet ist. Dabei stehen im Seminar weniger Fragen nach der Altersgemäßheit im Zentrum, sondern wir werden medienspezifisch die Formen und Funktionen von Liebe & Erotik herausarbeiten, die in zeitgenössischen Artefakten vorliegen.