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Veranstaltungsverzeichnis

Lehrveranstaltungen SoSe 2021

Philosophie, B.A.

Veranstaltungen anzeigen: alle | in englischer Sprache | für ältere Erwachsene | mit Nachhaltigkeitszielen

Modul B2 Logik

VAKTitel der VeranstaltungDozentIn
09-30-B2-1BEinführung in die formale Logik
Introduction to formal logic

Vorlesung

Termine:
wöchentlich Mi 14:00 - 16:00 (2 SWS)

Die Vorlesung führt in die Klassische Logik (Aussagenlogik und Prädikatenlogik erster Stufe) und ihre hauptsächlichen Darstellungsformen (semantischer und axiomatischer Aufbau, System des natürlichen Schließens), die Metatheorie der Logik sowie Grundideen nichtklassischer Logiken ein. Neben der Vermittlung formaler Fähigkeiten werden auch philosophische Aspekte der Logik und ihrer Anwendungen eine Rolle spielen. Der Besuch der begleitenden Tutorien wird dringend empfohlen. Außerdem sind Übungsblätter zu bearbeiten.

Dr. Frank Kannetzky

Modul B3 Einführung in die Theoretische Philosophie

VAKTitel der VeranstaltungDozentIn
09-30-B3-002BDavid Hume: Untersuchung über den menschlichen Verstand
David Hume: An Enquiry concerning human understanding

Seminar

Termine:
wöchentlich Mi 16:00 - 18:00 (2 SWS)

David Hume gilt als ein Wegbereiter sowohl der kritischen Philosophie als auch des Empirismus, zugleich als radikaler Skeptiker und Irrationalist (Russell nennt ihn den „Zerstörer der Vernunft“), manche sehen in ihm einen frühen Pragmatisten.

Hume sieht in der Erfahrung das Sinnkriterium schlechthin und den Maßstab der Kritik überzogener Ansprüche der Vernunft, aber er sieht zugleich, dass Erfahrungswissen nicht aus der Erfahrung begründet werden kann. Seine „naturalistische“ Lösung des Problems ist umstritten, das Problem selbst nicht, vielmehr muss jede Erkenntnistheorie seit Hume dazu Stellung beziehen.

Anhand der „Untersuchung“ führt das Seminar exemplarisch in zentrale Fragen der theoretischen Philosophie ein:
Was sind sinnvolle Aussagen?
Was sind Arten und Quellen des Wissens?
Gibt es sicheres Wissen?
Was sind seine Kriterien?
Wie können philosophische Entwürfe beurteilt werden?
Können religiöse Überzeugungen gerechtfertigt werden?

Dr. Frank Kannetzky
09-30-T1-021AEdmund Husserl: Cartesianische Meditationen
Edmund Husserl: Cartesian Meditations

Seminar

Termine:
wöchentlich Do 14:00 - 16:00 (2 SWS)

In diesem Seminar lesen wir gemeinsam die „Cartesianischen Meditationen“. Dieses Spätwerk des Philosophen Edmund Husserl geht auf zwei Vorträge aus dem Jahre 1929 zurück und bietet eine breite und gut zugängliche Einführung in die Phänomenologie.
Wie der Titel des Buches andeutet, entwickelt Husserl seine Position in Anlehnung an Descartes (insbesondere das sog. Cogito-Argument). Dies führt ihn dann – anders als Descartes – auf Ermöglichungsgründe unserer Erfahrung in Form von intentionalen Grundstrukturen des transzendentalen Egos und insbesondere auch zum Begriff und zur Rolle von Intersubjektivität.

Prof. Dr. Dr. Norman Sieroka

Modul B4 Einführung in die Praktische Philosophie

VAKTitel der VeranstaltungDozentIn
09-30-B4-008BAdam Smith: Theorie der ethischen Gefühle
Adam Smith: Theory of Moral Sentiments

Seminar

Termine:
wöchentlich Mo 16:00 - 18:00 (2 SWS)

In seinem moralphilosophischen Hauptwerk, „Theorie der ethischen Gefühle“ (Theory of Moral Sentiments), begründet Adam Smith die Ethik auf dem Gefühl der Sympathie, das Menschen füreinander hegen können. Smith ergänzt seine Begründung durch das Konzept des ‚unparteiischen Beobachters‘, das u. a. erklärt, wie wir zu moralischen Urteilen gelangen und gelangen sollen.
Im Seminar wird es zum einen darum gehen, wie Smith Sympathie und das Konzept des unparteiischen Beobachters in Beziehung setzt. Zum anderen soll die darüber hinaus reichende Frage betrachtet werden, ob oder wie sich die Theorie der ethischen Gefühle mit Smiths ökonomischem Hauptwerk, „Der Wohlstand der Nationen: Eine Untersuchung seiner Natur und seiner Ursachen" (An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations), vereinbaren lässt. Hierfür werden Textauszüge aus „Der Wohlstand der Nationen“ bereitgestellt.
Das Seminar hat zum Ziel, Sie mit zentralen Begriffen der Ethik von Adam Smith bekannt zu machen. Zu ihnen gehören u. a. ‚Altruismus‘ und ‚Egoismus‘, ‚Sympathie‘ oder ‚Empathie‘, ‚moralisches Urteil‘ und ‚Unparteilichkeit‘. Darüber hinaus lernen Sie das Konzept der ‚unsichtbaren Hand‘ kennen, das Smith in seiner ökonomischen Theorie entwickelt. Sie erhalten damit Einblick in einen der großen Ethikentwürfe der europäischen Aufklärung und Ausblick auf eine Frage, die auch heute noch aktuell ist: Sind Ethik und Ökonomie miteinander vereinbar?

Das Seminar ist lektüreintensiv. Vor- und Nachbereitung der Seminartermine ist erforderlich, um den Stoff bewältigen zu können. Berücksichtigen Sie dies bitte bei Ihrer Entscheidung, sich für das Seminar einzutragen. Außerdem ist es empfehlenswert, die Textgrundlage für dieses Seminar zu erwerben.

Literatur:
Textgrundlage
Adam Smith (2010): Theorie der ethischen Gefühle. Auf der Grundlage der Übersetzung von Walther Eckstein neu herausgegeben von Horst D. Brandt. Felix Meiner Verlag: Hamburg

Felix Engel

Modul B5 Einführung in die Geschichte der Philosophie

VAKTitel der VeranstaltungDozentIn
09-30-B5-B-IIRingvorlesung: Einführung in die Geschichte der Philosophie II
Lecture series: Introduction to the History of Philosophy, Part II

Vorlesung

Termine:
wöchentlich Fr 10:00 - 12:00 (2 SWS)

Die Ringvorlesung bietet einen Überblick über grundlegende Fragestellungen und Positionen aus der Geschichte der Philosophie sowie über Lebenswerke bedeutender Autoren vom deutschen Idealismus bis zur Gegenwart. (Thematisch ist die Vorlesung zurzeit auf westeuropäische Philosophie begrenzt.)
Zudem zeigt die Vorlesung beispielhaft das besondere Verhältnis der Philosophie zu ihrer eigenen Geschichte auf. Anders als etwa in den Natur- und Technikwissenschaften ist hier der methodische und inhaltliche Bezug zu historischen Positionen selbst ein systematischer Beitrag zur Philosophie. Auch dies wird in der Vorlesung (teils explizit, teils implizit) thematisiert.

Die Vorlesung und die zugehörigen Tutorien bilden das Modul B 5 (Einführung in die Geschichte der Philosophie), das durch eine mündliche Prüfung (20 Min.) zu Themen aus beiden Teilen der Ringvorlesung abgeschlossen wird. Die Prüfung findet am Ende des Sommersemesters und zu Beginn des Wintersemesters statt. Die Teilnahme an der Modulprüfung erfordert eine kontinuierliche und intensive Vor- und Nachbereitung der Sitzungen schon während der Vorlesungszeit. Diese wird durch die zum Modul gehörenden Tutorien unterstützt. Hier werden durch unbenotete Schreibübungen in verschiedenen Formaten nicht nur die Inhalte der Vorlesung repetiert, sondern auch Fertigkeiten in der Erstellung von Texten erlernt. Die Schreibübungen sind verpflichtend.

Die Ringvorlesung kann auch von TeilnehmerInnen anderer Fächer im Rahmen der General Studies oder aus Interesse belegt werden. (Dann entfällt die obligatorische Abgabe der Schreibübungen.)

Lernziele:

• Kenntnis grundlegender Fragestellungen, Positionen und Autoren aus der Geschichte der Philosophie von der vorsokratischen Antike bis zur Gegenwart
• Einbettung dieser Fragestellungen und Positionen in einen historischen Kontext und Nachvollzug, warum und wie sich Fragestellungen historisch gewandelt haben (Einordnungskompetenz)
• Reflektierte Stellungnahme zum systematischen Verhältnis der Philosophie zu ihrer eigenen Geschichte
• Erwerb von Schreibkompetenzen (Coaching zum Verfassen kurzer philosophischer Stellungnahmen)

Prof. Dr. Dagmar Hella Borchers
Dr. Svantje Guinebert
Catherine Herbin
Dr. Frank Kannetzky
Eike Kroner
Prof. Dr. Georg Mohr
Prof. Dr. Dr. Norman Sieroka
Anne Christina Thaeder

Modul P1 Moral: Begründung und Argumentation

VAKTitel der VeranstaltungDozentIn
09-30-P1-010AErich Fromm: Haben oder Sein
Erich Fromm: To Have or to Be

Seminar

Termine:
wöchentlich Mo 12:00 - 14:00 (2 SWS)

„Die Menschen sollen nicht so viel nachdenken, was sie tun sollen, sie sollen vielmehr bedenken, was sie sind.“ Erich Fromm stellt dieses Zitat von Meister Eckhart programmatisch Haben oder Sein voran. In diesem späten Werk fasst er seine Gedanken über zwei Arten des Seins gut lesbar zusammen: Es ist die Haltung des Habens, die, sofern sie Oberhand gewinnt, in der Gesellschaft und im Einzelnen zum Elend führt. Wird ein Mensch dagegen von der Haltung des Seins bestimmt, kann er seine Fähigkeiten zwanglos entfalten und echte innere Aktivität entwickeln, die selten ohne gesellschaftliche Folgen bleibt.

In diesem Seminar werden wir gemeinsam den Ausführungen Fromms in Haben oder Sein folgen, sie aber ggf. durch andere Schriften ergänzen.

Literatur: Die Texte werden über Stud.IP bereitgestellt.

Anne Christina Thaeder

Modul T1 Erkenntnis, Sprache, Wirklichkeit

VAKTitel der VeranstaltungDozentIn
09-30-T1-021AEdmund Husserl: Cartesianische Meditationen
Edmund Husserl: Cartesian Meditations

Seminar

Termine:
wöchentlich Do 14:00 - 16:00 (2 SWS)

In diesem Seminar lesen wir gemeinsam die „Cartesianischen Meditationen“. Dieses Spätwerk des Philosophen Edmund Husserl geht auf zwei Vorträge aus dem Jahre 1929 zurück und bietet eine breite und gut zugängliche Einführung in die Phänomenologie.
Wie der Titel des Buches andeutet, entwickelt Husserl seine Position in Anlehnung an Descartes (insbesondere das sog. Cogito-Argument). Dies führt ihn dann – anders als Descartes – auf Ermöglichungsgründe unserer Erfahrung in Form von intentionalen Grundstrukturen des transzendentalen Egos und insbesondere auch zum Begriff und zur Rolle von Intersubjektivität.

Prof. Dr. Dr. Norman Sieroka

Modul T2 Wissenschaft, Methode, Natur

VAKTitel der VeranstaltungDozentIn
09-30-T2-012A / 09-30-TS-011SWann ist etwas eine Wissenschaft? Bonaventura, Thomas von Aquin und Wilhelm von Ockham über die Wissenschaftlichkeit der Theologie
When does something become science? Bonaventure, Thomas Aquinas and William of Ockham on the scientific character of theology.

Seminar

Termine:
wöchentlich Do 14:00 - 16:00 (2 SWS)

Aussagen, deren Wahrheitsgarantie nur darin liegt, dass eine anonyme Instanz sie autoritativ behauptet, sind wohl kaum ›wissenschaftlich‹ zu nennen. Erst recht sollte man skeptisch werden, wenn diese Instanz auch noch meint, die vollkommene Wahrheit selbst zu sein, die diese von ihr selbst getätigten Behauptungen legitimiert. Mit solchen Aussagen scheint es allerdings die Disziplin der Theologie zu tun zu haben – in Gestalt einer sogenannten Offenbarung, die Glaubenssätze formuliert.
Theologischen Aussagen über Glaubensinhalte den Charakter der Wissenschaftlichkeit zusprechen zu können, ist also weder heutzutage selbstverständlich noch war es dies in den akademischen Diskussionen des Mittelalters.
Angesichts dieser Frage, ob die Theologie eine Wissenschaft sei, diskutieren zahlreiche mittelalterliche Texte das allgemeine wissenschaftstheoretische Problem, welche Bedingungen eine Lehre überhaupt erfüllen muss, um als Wissenschaft gelten zu können.
Von dieser grundlegenden Konzeption von Wissenschaftlichkeit hängt dann schließlich die Antwort auf die Frage nach dem Verhältnis von Wissenschaft und Theologie ab.
Drei mittelalterliche Positionen zu dieser Frage wollen wir im Seminar etwas näher unter die Lupe nehmen: Während Thomas von Aquin († 1274) versucht, die Theologie im Rahmen der aristotelischen Wissenschaftstheorie in das System der Wissenschaften durch die Zuweisung von Kompetenzbereichen einzubetten, macht sein direkter Konkurrent Bonaventura († 1274) sie dagegen zu einer ›Über-Wissenschaft‹, auf die sich alle anderen Wissenschaften zurückführen lassen. Wilhelm von Ockham († ca. 1347) hingegen spricht ihr im Rahmen seiner nominalistischen Hintergrundtheorie den Charakter einer Wissenschaft ab.
Nach einer kurzen Einführung in den philosophiehistorischen und geistesgeschichtlichen Kontext des 13. und 14. Jahrhunderts sollen diese drei Positionen im Seminar diskutiert und dabei ihre wissenschaftstheoretischen sowie metaphysischen Prämissen analysiert und bewertet werden.

Ziel des Seminars ist es, durch die Vermittlung philosophiehistorischer Kenntnisse den allgemeinen Begriff der Wissenschaft und seine Abhängigkeit von metaphysischen ›Vorentscheidungen‹ präziser zu fassen.
Besondere Vorkenntnisse sind nicht vonnöten, die Bereitschaft zur vorbereitenden Lektüre (wöchentlich etwa 10 Seiten) wird allerdings vorausgesetzt.

Die zu lesenden Texte werden als Dateien zur Verfügung gestellt.
Das Seminar findet (voraussichtlich) digital via Zoom statt, eventuell mit Selbststudiums-Anteilen.

René Engelmann
09-M52-01-01Philosophie der Zeit
Philosophy of Time

Vorlesung

Termine:
wöchentlich Do 10:00 - 12:00 (2 SWS)

Zeit ist eine fundamentale Dimension, in der wir uns sowohl als biologisch-physikalische wie auch als geistige Wesen bewegen. Zeit durchzieht unser Dasein in verschiedenen Erscheinungsformen – unter anderem als physikalische Zeit, als wahrgenommene Zeit, als gesellschaftlich-intersubjektive Zeit und als historische Zeit. Dementsprechend war und ist das Thema Zeit immer wieder der Gegenstand von grundlegenden Diskussionen in unterschiedlichen philosophischen Teildisziplinen – von Metaphysik über Wissenschaftsphilosophie und Philosophie des Geistes bis hin zu Philosophiegeschichtsschreibung und Ethik.
Im Kurs werden die wichtigsten zeitspezifischen Fragestellungen dieser verschiedenen philosophischen Teildisziplinen und deren Querverbindungen behandelt. In diesem Sinne bietet der Kurs auch einen allgemeinen Überblick über die Philosophie. Behandelt wird u.a.: die Existenz von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft; die Möglichkeit von Zeitreisen; die Konstitution unseres Zeitbewusstseins und dessen mögliche neurophysiologische Gegenstücke; zeitliche Vorurteile in unserer Lebensführung ("lieber heut' als morgen"); Verantwortung gegenüber zukünftigen und vergangenen Generationen.


Literatur:

Der Kurs orientiert sich an folgender Monographie, deren Anschaffung empfohlen wird:

- Sieroka, N. 2018. Philosophie der Zeit – Grundlagen und Perspektiven (Reihe C.H.Beck Wissen). München: Beck-Verlag (ISBN 978-3-4067-2787-0) 128 S., 9.95€ (Taschenbuch), 7.99€ (Kindle/ebook).

Ergänzende Literatur wird zum Teil auf einer Lehrplattform zum Herunterladen bereitgestellt. Weitere Literaturhinweise folgen zu Beginn der Veranstaltung.

Prof. Dr. Dr. Norman Sieroka

Modul TS Philosophie der Naturwissenschaften (Spezialisierungsmodul Theoretische Philosophie)

VAKTitel der VeranstaltungDozentIn
09-30-T2-012A / 09-30-TS-011SWann ist etwas eine Wissenschaft? Bonaventura, Thomas von Aquin und Wilhelm von Ockham über die Wissenschaftlichkeit der Theologie
When does something become science? Bonaventure, Thomas Aquinas and William of Ockham on the scientific character of theology.

Seminar

Termine:
wöchentlich Do 14:00 - 16:00 (2 SWS)

Aussagen, deren Wahrheitsgarantie nur darin liegt, dass eine anonyme Instanz sie autoritativ behauptet, sind wohl kaum ›wissenschaftlich‹ zu nennen. Erst recht sollte man skeptisch werden, wenn diese Instanz auch noch meint, die vollkommene Wahrheit selbst zu sein, die diese von ihr selbst getätigten Behauptungen legitimiert. Mit solchen Aussagen scheint es allerdings die Disziplin der Theologie zu tun zu haben – in Gestalt einer sogenannten Offenbarung, die Glaubenssätze formuliert.
Theologischen Aussagen über Glaubensinhalte den Charakter der Wissenschaftlichkeit zusprechen zu können, ist also weder heutzutage selbstverständlich noch war es dies in den akademischen Diskussionen des Mittelalters.
Angesichts dieser Frage, ob die Theologie eine Wissenschaft sei, diskutieren zahlreiche mittelalterliche Texte das allgemeine wissenschaftstheoretische Problem, welche Bedingungen eine Lehre überhaupt erfüllen muss, um als Wissenschaft gelten zu können.
Von dieser grundlegenden Konzeption von Wissenschaftlichkeit hängt dann schließlich die Antwort auf die Frage nach dem Verhältnis von Wissenschaft und Theologie ab.
Drei mittelalterliche Positionen zu dieser Frage wollen wir im Seminar etwas näher unter die Lupe nehmen: Während Thomas von Aquin († 1274) versucht, die Theologie im Rahmen der aristotelischen Wissenschaftstheorie in das System der Wissenschaften durch die Zuweisung von Kompetenzbereichen einzubetten, macht sein direkter Konkurrent Bonaventura († 1274) sie dagegen zu einer ›Über-Wissenschaft‹, auf die sich alle anderen Wissenschaften zurückführen lassen. Wilhelm von Ockham († ca. 1347) hingegen spricht ihr im Rahmen seiner nominalistischen Hintergrundtheorie den Charakter einer Wissenschaft ab.
Nach einer kurzen Einführung in den philosophiehistorischen und geistesgeschichtlichen Kontext des 13. und 14. Jahrhunderts sollen diese drei Positionen im Seminar diskutiert und dabei ihre wissenschaftstheoretischen sowie metaphysischen Prämissen analysiert und bewertet werden.

Ziel des Seminars ist es, durch die Vermittlung philosophiehistorischer Kenntnisse den allgemeinen Begriff der Wissenschaft und seine Abhängigkeit von metaphysischen ›Vorentscheidungen‹ präziser zu fassen.
Besondere Vorkenntnisse sind nicht vonnöten, die Bereitschaft zur vorbereitenden Lektüre (wöchentlich etwa 10 Seiten) wird allerdings vorausgesetzt.

Die zu lesenden Texte werden als Dateien zur Verfügung gestellt.
Das Seminar findet (voraussichtlich) digital via Zoom statt, eventuell mit Selbststudiums-Anteilen.

René Engelmann
09-M52-03-09Die Kunst und die Künste: Themen zeitgenössischer Kunsttheorie
Art and Arts: Themes in Contemporary Theories of Art

Seminar

Termine:
wöchentlich Mo 18:00 - 20:00 (2 SWS)

Anlass und titelgebend für dieses Seminar ist die für Herbst 2021 geplante Veröffentlichung eines Kompendiums zur zeitgenössischen Kunstphilosophie: Die Kunst und die Künste: Ein Kompendium zur Kunsttheorie der Gegenwart. Die Herausgeber dieses Kompendiums sind überwiegend bekannte Philosophen für Ästhetik im deutschsprachigen Raum.

Das gibt Anlass zu einer Bestandsaufnahme, die dieses Seminar leisten soll. Dabei geht es darum, die Konstellation der ästhetischen und kunstphilosophischen Theorieentwicklung der letzten zwei Jahrzehnte im deutschsprachigen Raum in den Blick zu nehmen, zu rekonstruieren und, wo möglich, zu bewerten. Das ist ein ehrgeiziges Unterfangen. Es erscheint aber nötig, möchte man sich im gegenwärtigen Diskurs über Ästhetik und Kunstphilosophie orientieren.

Es gibt mindestens drei nennenswerte Einflüsse aus der Philosophiegeschichte. Erstens den deutschen Idealismus (insb. Kant und Hegel), zweitens die Kritische Theorie (insb. Adorno), drittens die Ästhetik und Kunstphilosophie des 20. Jahrhunderts aus dem anglo-amerikanischen Sprachraum (z. B. Dewey und Beardsley, insb. aber auch zeitgenössische, wie Kivy oder Carroll).

Voraussetzung für dieses Seminar ist nicht, dass Sie sich mit allen einschlägigen Theorien auskennen. Empfohlen wird aber, dass Sie ein Verständnis für Grundlagenfragen der Ästhetik und Kunstphilosophie mitbringen. Auch eine Verortung der philosophiegeschichtlichen Einflüsse sollte für Sie nicht fremd sein.

Aus der folgenden (offenen) Liste der Literatur werden Auszüge bereitgestellt, die als Textgrundlage für das Seminar dienen:
Literatur:
1. Bertram, Georg W. (2005): Kunst: Eine philosophische Einführung. Stuttgart: Reclam Verlag
2. Bertram, Georg W. (2014): Kunst als menschliche Praxis: Eine Ästhetik. Frankfurt a. M.: Suhrkamp Verlag
3. Deines, Stefan; Liptow, Jasper; Seel, Martin (Hg.) (2013): Kunst und Erfahrung. Beiträge zu einer philosophischen Kontroverse. Frankfurt a. M.: Suhrkamp Verlag
4. Deines, Stefan; Wenning Mario (Hg.) (2016): Contemporary Perspectives on Film and Philosophy [Sondernummer der Zeitschrift Contemporary Aesthetics].
5. Feige, Daniel M. (2012): Kunst als Selbstverständigung. Münster: Mentis Verlag
6. Feige, Daniel M. (2014): Philosophie des Jazz. Frankfurt a. M.: Suhrkamp Verlag
7. Feige, Daniel M. (2015): Computerspiele: Eine Ästhetik. Frankfurt a. M.: Suhrkamp Verlag
8. Feige, Daniel M. (2018): Design: Eine philosophische Analyse. Frankfurt a. M.: Suhrkamp Verlag
9. Menke, Christoph; Küpper, Joachim (Hg.) (2003): Dimensionen ästhetischer Erfahrung, Frankfurt a. M.: Suhrkamp
10. Menke, Christoph (2005): Die Gegenwart der Tragödie, Frankfurt a. M.: Suhrkamp
11. Menke, Christoph (2013): Die Kraft der Kunst, Frankfurt a. M.: Suhrkamp
12. Seel, Martin (1997): Die Kunst der Entzweiung: Zum Begriff der ästhetischen Rationalität. Frankfurt a. M.: Suhrkamp Verlag
13. Seel, Martin (2003): Ästhetik des Erscheinens. Frankfurt a. M.: Suhrkamp Verlag
14. Seel, Martin (2007): Die Macht des Erscheinens: Texte zur Ästhetik. Frankfurt a. M.: Suhrkamp Verlag
15. Seel, Martin (2013): Die Künste des Kinos. Frankfurt a. M.: Fischer Verlag
16. Seel, Martin (2017): »Hollywood« ignorieren: Vom Kino. Frankfurt a. M.: Fischer Verlag
17. Wiesing, Lambert (2008): Die Sichtbarkeit des Bildes: Geschichte und Perspektiven der formalen Ästhetik, Frankfurt a. M. (u. a.): Campus Verlag

Felix Engel