Mitbetroffenheit und Co-Abhängigkeit

Eine Abhängigkeitserkrankung betrifft häufig nicht nur die süchtige Person selbst, sondern wirkt sich auch auf das soziale Umfeld, insbesondere auf nahestehende Personen wie Angehörige, Partner:innen und Freund:innen aus.

Co-Abhängigkeit, ein komplexes psychologisches Konstrukt, welches erstmals im Zusammenhang mit Angehörigen alkoholkranker Personen diskutiert wurde. Es ist aber auch bei anderen Suchtformen zu beobachten. 

Merkmale sind ein dysfunktionale Beziehungsmuster, bei dem die Co-abhängige bzw. mitbetroffene Person die eigenen Bedürfnisse, Gefühle und Wünsche hinter denen einer anderen Person zurückstellt. Auch (Inter-)aktionen, die das süchtige Verhalten eher verstärken, sind kennzeichnend.

Co-abhängige bzw. mitbetroffene Personen haben dabei die Tendenz, sich verantwortlich für das Wohlbefinden des/der Süchtigen zu fühlen. Dies führt oft zum Versuch, die Kontrolle über Gefühle, Verhalten und Entscheidungen des Süchtigen zu übernehmen.

Außerdem neigen Co-abhängige bzw. mitbetroffene Menschen dazu, Konflikte mit der süchtigen Person zu vermeiden und so problematische Verhaltensweisen wie z.B. süchtiges Trinken zu tolerieren und zu bagatellisieren. 

Co-Abhängiges Verhalten muss nicht zwangsläufig im Zusammenhang mit einer Suchterkrankung stehen. Es führt bei den Betroffenen in den meisten Fällen zu einem hohen Leidensdruck

Sorgen, tägliche Belastungen, emotionale Erschöpfung, Verminderung des Selbstwertgefühls, Unzufriedenheit mit der eigenen Lebenssituation bis hin zu Existenzängsten sind einige der möglichen Folgen. 

Inzwischen gibt es zum Glück viele Initiativen und Selbsthilfegruppen, in denen Menschen, die von Co-Abhängigkeit bzw. der Suchterkrankung einer anderen Person (mit-)betroffen sind, Rat und Unterstützung finden. Auch die Betriebliche Suchtprävention der Uni Bremen kann Sie hierzu beraten und unterstützen.

Aktualisiert von: A. Freter