Was tun, wenn ich merke, dass ich oder jemand anderes süchtig bin/ist?

Das Eingeständnis, dass man selbst ein Problem mit dem Konsum von Subsstanzen oder mit bestimmten Verhaltensweisen hat, ist ein erster und sehr wichtiger Schritt! Sucht ist eine Erkrankung und keine Schwäche oder persönliches Versagen- auch, wenn es sich manchmal anders anfühlt. 

Das Gespräch mit einer vertrauten Person ist hilfreich, um sich zu sortieren, das Problem zu benennen und um Unterstützung zu bekommen.

Mit Hilfe einer Beratungsstelle oder durch das Gespräch mit dem Hausarzt kann die Situation besser eingeschätzt werden. Von hier aus können auch weitere Schritte geplant und organisiert werden, wie z.B. der Besuch einer Selbsthilfegruppe, die Teilnahme an einem Beratungsangebot oder an einer Psychotherapie. Mit professioneller Hilfe kann bei Bedarf auch der Aufenthalt in einem Entzugskrankenhaus oder in einer Klinik zur Langzeitentwöhnung geplant und beantragt werden.

Die Betriebliche Suchtprävention der Universität Bremen steht Ihnen beratend und unterstützend zur Seite.

 

Wenn die Vermutung besteht, dass eine andere Person des sozialen Umfelds süchtiges Verhalten zeigt, ist es gut, dieses Verhalten zunächst zu beobachten und nicht zu urteilen. Ergeben sich Hinweise auf das Vorliegen einer Abhängigkeitserkrankung, sollte das Gespräch zu der Person gesucht werden. Die Ansprache richtet sich nach der Beziehung zu der betroffenen Person. Wenn Sie sich unsicher sind, können Sie sich zur Unterstützung auch an die Betriebliche Suchtprävention der Universität Bremen oder an eine andere Beratungsstelle wenden.

Wichtig ist, aus der eigenen Perspektive heraus zu sprechen, die eigenen Beobachtungen ohne Wertung oder Interpretation zu schildern und die Sorge um die Person in den Vordergrund zu stellen. Vorwürfe, Bewertungen oder Urteile sollten vermieden werden. 

Da Abhängigkeitserkrankungen immer noch ein Tabuthema sind und bei den Betroffenen oft mit Schuld- und Schamgefühlen einhergehen, ist ein abwehrendes Verhalten sowie das Verleugnen oder Bagatellisieren der Problematik durchaus nicht ungewöhnlich. In diesem Fall lassen Sie der Person Zeit und Raum, das Gespräch zu verarbeiten und machen gleichzeitig deutlich, dass Sie weiterhin ansprechbar sind. Andernfalls können Sie der Person Unterstützung anbieten, indem Sie Informationen zu Hilfsangeboten bereitstellen oder diese zu einem Arzt, einer Selbsthilfegruppe oder einer Beratungsstelle begleiten. 

Vergessen Sie dabei bitte nicht: Sie können Hilfe leisten und Unterstützung bieten, die Entscheidung und die Verantwortung liegt jedoch bei der betroffenen Person. Seien Sie nicht enttäuscht, wütend oder traurig, wenn Ihre Angebote nicht den gewünschten Erfolg erzielen. Achten Sie im Sinne der Selbstfürsorge darauf, die eigenen Grenzen zu wahren. Sollten Sie unsicher sein oder sich mit der Situation überfordert fühlen, scheuen Sie sich nicht, ihrerseits professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen.

Abhängigkeitserkrankungen sind gut behandelbar. Ein frühzeitiges Erkennen und eine frühzeitige Behandlung ersparen lange Leidenswege und erhöhen die Chance auf eine erfolgreiche Heilung! 

Aktualisiert von: A. Freter