An dem Workshop mit dem Titel „Research Perspectives on the Black European Archive: Materialities, Medialities, Aesthetics“ nahmen rund 30 Personen aus mehr als zehn Ländern und unterschiedlichen Disziplinen teil, darunter Forschende, Archivar:innen, Kulturschaffende und Aktivist:innen. Den Workshop organisierte Julia Borst (Professorin in der Romanistik und Principal Investigator des ERC Starting Grants AFROEUROPECYBERSPACE, Universität Bremen) mit Dr. Francesca Aiuti (Universität Macerata) sowie Dr. Sandra Folie und Dr. Gianna Zocco (Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung, Berlin). Er fand Ende Februar im Tagungs- und Kongresszentrum Schloss Herrenhausen in Hannover statt und wurde von der VolkswagenStiftung gefördert.
Der Workshop verband aktuelle Herausforderungen archivarischer Praxis mit dem wachsenden Forschungsfeld der Afroeuropean/African European Studies. Dieses beschäftigt sich unter anderem mit Quellen zu afrikanischer und afroeuropäischer Geschichte, doch in der Praxis ergeben sich vielfältige Herausforderungen. „In europäischen Archiven finden sich hauptsächlich Quellen, die afrikanische und afroeuropäische Geschichte aus westlicher und kolonialer Sicht darstellen“, berichtet Julia Borst von den Gesprächen in Hannover. Quellen, die die Perspektiven Schwarzer Menschen dokumentieren, werden hingegen meist marginalisiert beziehungsweise in Archiven bereitgestellt, die aus Initiativen der Community hervorgegangen sind und häufig unterfinanziert sind. Insbesondere historische Quellen sind häufig nur schwer zugänglich oder mit problematischen Metadaten versehen, die koloniale Machtasymmetrien fortschreiben.
Allerdings sind im Zuge der Digitalisierung neben den klassischen Archiven auch neue Wissensspeicher entstanden, zum Beispiel Websites, Blogs und Social Media-Kanäle. Diese sind freier zugänglich und ermöglichen, sich aktiv zu beteiligen und Wissen aus unterschiedlichsten Perspektiven beizusteuern. Darüber hinaus wurden im Workshop Literatur und Kunst als zentrale Formen des Archivierens und Vermitteln von Wissen und Geschichte jenseits traditioneller archivarischer Praktiken beleuchtet. Gleichzeitig widmete sich der Workshop Fragen der epistemischen Gerechtigkeit und der Positionalität der Forschenden, die zu Schwarzen europäischen Archiven arbeiten. In diesem Kontext wurde kritisch diskutiert, wem das Wissen in diesen Archiven gehört und wie Forschung zu diesen Archiven sich stets selbstreflektierend mit der Frage nach epistemischer Aneignung und Gerechtigkeit auseinandersetzen muss.
Zu solchen Herausforderungen und neuen Entwicklungen tauschten sich die Teilnehmenden aus. Ziel des Workshops war es, einen Raum für den Austausch zwischen akademischer Forschung, institutioneller Archivpraxis und community-basierten Initiativen in einem transnationalen Kontext zu schaffen.
Fragen beantwortet:
Julia Borst
Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften
Universität Bremen
Telefon: +49 421 218-68424
E-Mail: borstprotect me ?!uni-bremenprotect me ?!.de

