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Ben Marzeion an wichtiger Studie über Meeresspiegelanstieg beteiligt

Wenn der Ausstoß von Treibhausgasen nicht weltweit entschlossen gesenkt wird, steigt der Meeresspiegel bis zum Ende des Jahrhunderts wahrscheinlich um 50 bis 130 Zentimeter an. Das ist Ergebnis einer neuen Studie, die am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) erstellt wurde.

Ben Marzeion, seit September 2015 Professor am Institut für Geographie der Universität Bremen, war an der aufwändigen Forschungsarbeit beteiligt. Ihre Ergebnisse sind global so bedeutend, dass sie jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences oft he United States of America“, kurz PNAS, veröffentlicht wurde. Die Zeitschrift der Akademie der Wissenschaften der USA ist eine der meistzitierten in der wissenschaftlichen Community und Marzeion einer der Autoren des Artikels.

Robuste Risikoabschätzung

In der Studie werden erstmals die zwei wichtigsten Methoden zur Abschätzung des Meeresspiegelanstiegs kombiniert, so dass die Ergebnisse verlässlich sind und eine so genannte „robuste Risikoabschätzung“ erstellt werden konnte. Die Wissenschaftler nutzten prozessbasierte Computersimulationen, die den Beitrag schmelzender Gletscher, den Masseverlust der Eisschilde und die thermische Expansion des Meerwassers errechnen. Wärmeres Wasser nimmt nämlich gemäß den physikalischen Gesetzen mehr Platz ein als kaltes. Diese Simulationen sind sehr zeitaufwändig. Als Alternative wurden auch statistische Analysen verwendet, die leichter und schneller zu erstellen sind. Die Berechnungsmethode ist einfacher reproduzierbar, so dass viele Simulationsdurchläufe möglich sind, um die Wahrscheinlichkeit des Meeresspiegelanstiegs zu errechnen.

Dringend notwendig: Treibhausgase reduzieren

Der Meeresspiegelanstieg der Zukunft kann nicht auf eine einzelne Zahl heruntergebrochen werden, er wird durch eine Spanne ausgedrückt, die zunächst vielleicht groß erscheint. „Diese Spanne ermöglicht uns eine Risikoabschätzung“, sagt Ben Marzeion von der Universität Bremen. „Küstenplaner sollten sowohl vernünftige Einschätzungen zum schlimmsten wie auch zum günstigsten möglichen Fall haben, um Chancen und Kosten abwägen zu können. Die beste verfügbare Wissenschaft wird nun zusammengeführt, um gemeinsame Unsicherheitsspannen beim künftigen Meeresspiegel zu bestimmen. Treibhausgase zu reduzieren gibt uns die Möglichkeit, eine weitere Beschleunigung des Meeresspiegelanstiegs zu verhindern.“ Wenn die Ziele des jüngsten Abkommens von Paris eingehalten würden, dann sei aber immer noch mit einem Meeresspiegelanstieg von 20 bis 60 Zentimetern bis 2100 zu rechnen, sagt Marzeion.

In 3000 Jahren stieg Meeresspiegel nie schneller als jetzt

Interessant ist vor diesem Hintergrund eine zweite Studie, die jetzt ebenfalls veröffentlicht wurde. Daraus geht hervor, dass in den vergangenen 3000 Jahren der Meeresspiegel nie schneller gestiegen ist als im letzten Jahrhundert.

Wichtige Informationen für Küstenplaner

Professor Ben Marzeion, der Ozeanographie in Kiel studiert hat und an der Universität Bergen in Norwegen promoviert wurde, beschäftigt sich an der Universität Bremen insbesondere mit der Bedeutung der Gletscherschmelze für regionale Meeresspiegelveränderungen. Weiterhin untersucht er den Einfluss von Gletschern auf die Wasserverfügbarkeit, die je nach den Bedürfnissen der lokalen Bevölkerung regional sehr große Unterschiede haben kann. In Bezug auf die aktuelle Studie zum Meeresspiegelanstieg unterstreicht er die soziale Bedeutung. Küstenplaner erhalten wichtige Hintergrundinformationen zum Beispiel für Deichbau und langfristige Siedlungsentwicklung.

Weitere Informationen:
Universität Bremen
Fachbereich Sozialwissenschaften
Ben Marzeion
Professor für Klimageographie
Tel.: 0421 218 67170
E-Mail: ben.marzeionprotect me ?!uni-bremenprotect me ?!.de
www.marzeion.info

Mann mit technischen Geräten auf einem Gletscher, dden er untersucht
Feldarbeiten auf dem Gletscher Shallap in der Cordillera Blanca, Peru. Schmelzende Gletscher wie dieser tragen stark zum Meeresspiegelanstieg bei.