Anlass des Besuchs war die aktuelle Auseinandersetzung mit der deutschen kolonialen Gewaltherrschaft in Kamerun und den historischen Verbindungen zwischen Tibati und Bremen. Das Überseemuseum zeigt hierzu ab dem 26. Juni die Ausstellung „TIBATI – BREMEN UND ZURÜCK. Vom kolonialen Raub zur Partnerschaft“. In ihr geht es um die Frage, wie koloniale Gewalt, geraubte Kulturgüter und Partnerschaftsprojekte zusammenhängen.
An der Universität Bremen wurde der Lamido von Mazi Sanda im Kurs „Of bees and men – an African perspective“ empfangen. Mazi Sanda ist Professor für Ökologie an der Universität Ngaoundéré, Kamerun, und aktuell als DAAD-Gastprofessor an der Universität Bremen. Die Studierenden hatten sich im Vorfeld intensiv mit Tibati, der Rolle traditioneller Autoritäten in Kamerun sowie Fragen nachhaltiger Landwirtschaft und Bienenhaltung beschäftigt. Im direkten Austausch mit dem Lamido konnten sie ihre Fragen stellen und Einblicke in gesellschaftliche und kulturelle Zusammenhänge in der Region gewinnen. Mazi Sanda organisierte den Besuch des Lamido an der Universität Bremen in Kooperation mit seinem Projektpartner Marko Rohlfs, Professor für Chemische Ökologie.
Im Anschluss begrüßte Mandy Boehnke, Konrektorin für Internationalität, wissenschaftliche Qualifizierung und Diversität, den Lamido gemeinsam mit Mazi Sanda, Marko Rohlfs sowie Ute Meyer, Internationalisierungsbeauftragte im Fachbereich Biologie / Chemie, im Rektorat der Universität Bremen. Der Besuch bot Gelegenheit, bestehende Kontakte zu vertiefen und die Zusammenarbeit zwischen Bremen, Tibati und Ngaoundéré weiter zu stärken.
„Der Besuch des Lamido Mohamadou Hadi Barkindo stellt einen weiteren Schritt in der Zusammenarbeit mit unseren Partnern aus Kamerun dar“, sagte Boehnke. „Die Universität Ngaoundéré ist eine von sechs strategischen Partnerhochschulen der Universität Bremen im Ausland. Das Engagement von Mazi Sanda spielt dabei eine wesentliche Rolle. Wir verstehen diesen Austausch als Beitrag zu einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit, die historische Verantwortung ernst nimmt und zugleich gemeinsame Perspektiven für Gegenwart und Zukunft entwickelt.“
Hintergrund: Der Lamido in Nordkamerun
Ein Lamido ist in Nordkamerun eine bedeutende traditionelle und religiöse Autorität innerhalb des Fulbe-Systems. Lamidos übernehmen vielfältige Aufgaben: Sie bewahren Traditionen und kulturelles Erbe, vermitteln zwischen lokaler Bevölkerung und staatlichen Strukturen. Lamidos wirken häufig an der Konfliktlösung mit und unterstützen gesellschaftliche Entwicklung in Bereichen wie Bildung, Gesundheit und Gemeinwesen. Damit nehmen sie eine wichtige Brückenfunktion zwischen gewachsenen lokalen Strukturen und moderner staatlicher Verwaltung ein.

