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Palmen in der Antarktis

Klimaforscher können aus vergangenen Warmzeiten Erkenntnisse für das zukünftige Klima ableiten. Nun hat ein Wissenschaftler-Team, dem auch Dr. Ursula Röhl vom MARUM der Uni Bremen angehört, in Bohrkernen aus der Antarktis erstmalig Klimazeugen aus einer Warmphase vor rund 52 Millionen Jahren zu Tage gefördert. Die neue Studie belegt, dass damals an der Küste der Antarktis Palmen wuchsen. Anfang August erscheint die Studie in der Fachzeitschrift Nature.

Vor rund 52 Millionen Jahren war die Konzentration des Treibhausgases CO2 in der Atmosphäre mehr als doppelt so hoch wie heute. „Wenn der derzeitige CO2-Ausstoß durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe ungehindert voranschreitet, werden atmosphärische CO2-Konzentrationen, wie sie damals herrschten, wahrscheinlich in wenigen hundert Jahren erreicht sein“, erläutert Prof. Jörg Pross, Paläoklimatologe an der Goethe-Universität Frankfurt und Mitglied des Biodiversität- und Klima-Forschungszentrums (BiK-F). Dr. Ursula Röhl, Meeresgeologin am MARUM, ergänzt: „Mit der Erforschung früherer, natürlicher Klimaerwärmungen wächst unser Wissen über die Mechanismen und Prozesse im Klimasystem. Das trägt enorm dazu bei, dass wir die heutige, vom Menschen verursachte Erderwärmung besser verstehen.“ Aktuelle Klima-Modellierungen weisen darauf hin, dass die zukünftige Klimaerwärmung in den hohen Breiten, also in der Nähe der Pole, besonders drastisch ausfallen wird.

Die analysierten Sedimentproben aus Bohrkernen vom Meeresgrund, die vor der Küste des antarktischen Wilkes-Landes im Rahmen des Integrated Ocean Drilling Program (IODP) gewonnen wurden sind zwischen 53 und 46 Millionen Jahre alt. Die enthaltenen Pollen und Sporen zeigen, dass an den Küstenregionen der Antarktis vor 52 Millionen Jahren offenbar extrem frostempfindliche Pflanzen wie Palmen und Vorläufer der heutigen Affenbrotbäume wuchsen.

Die Auswertungen der Wissenschaftler ergeben, dass damals an den antarktischen Küsten selbst im Winter milde 10 Grad Celsius herrschten – trotz dreimonatiger Polarnacht. Im Inneren des Kontinents hingegen war es merklich kühler, hier wuchs ein gemäßigter Regenwald mit Südbuchen und Araukarien, wie er heute in Neuseeland vorkommt. Zusätzliche Belege für extrem milde Temperaturen lieferte die Analyse organischer Verbindungen, die von Bodenbakterien produziert wurden. Diese Mikroorganismen besiedelten damals die küstennahen Böden von Wilkes-Land.

Die ungekürzte Pressemitteilung finden Sie hier.

Weitere Informationen:
Albert Gerdes
MARUM-Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: +49 421 218-65540
Email: agerdesprotect me ?!marumprotect me ?!.de

Sabine Wendler
LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F),
Pressereferentin
Tel.: +49 69 7542-1838
Email: sabine.wendlerprotect me ?!senckenbergprotect me ?!.de

Mikroskopische Aufnahme eines Pollenkorns
Pollenkorn einer Palme, die vor 52 Millionen Jahren an der Küste des Wilkes-Landes wuchs und als Indiz für nahezu tropische Klimaverhältnisse gilt. Größe: 48 x 25 Tausendstel Millimeter.