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Perfekt Einparken: Studierende programmieren Modellauto

Wer den OptiCar einparken sieht, wird neidisch. Zack, zack, zwei rasante Schläge, und der Flitzer sitzt passgenau in der Parklücke. Das Modellauto im Maßstab 1:8 fährt ohne Fernbedienung. Ultraschallsensoren und Mini-Kameras sind seine Sinne, den Rest haben fünf Studierende der Technomathematik programmiert. Bei einem Wettbewerb in Ingolstadt traten sie gegen neun andere Teams an und belegten einen für Erstteilnehmer beachtlichen vierten Platz.

„Das Auto kann nur, was man ihm sagt, man muss es durch den Code intelligent werden lassen“, erläutert der Sprecher des OptiCar-Teams, Andreas Cobus. Die fünf Studierenden haben sechs Monate lang daran getüftelt, damit es autonom auf seine Umgebung reagieren kann. Wie alles begann? Professor Christof Büskens, Leiter der Arbeitsgruppe „Optimierung und Optimale Steuerung“ am Zentrum für Technomathematik der Universität Bremen, hat seine Studierenden auf den Wettbewerb „Audi Autonomous Driving Cup“ in Ingolstadt hingewiesen. „Wir haben uns zwei Wochen lang zusammengesetzt und ein Konzept für eine Softwarestruktur für ein autonomes Fahrzeug ausgearbeitet“, sagt Matthias Rick, einer der fünf hoch motivierten Technomathematiker. Der Jubel war groß, als Audi den Zuschlag gab, denn die Bremer waren nicht die einzigen, die auf den Parcours drängten. Andreas Cobus und Alexander Probst konnten dann nach Ingolstadt fahren und zwei jeweils 2.000 Euro teure, hochgerüstete Modellautos in Empfang nehmen.

Sonntags, abends, quasi immer

Na klar, kam der Spieltrieb durch, als sie die blauen Modelle vom Typ Q5 ausgepackt hatten. Die Programmierung hatte dann aber einige Klippen. „Wir hatten vorher noch nie mit Bildverarbeitung zu tun“, sagt Niels Backfisch, auch hätten sie lange gebraucht, um sich in den von Audi vorgegebenen Code reinzufinden. Da wäre es hilfreicher gewesen, Informatiker im Team zu haben. Aber sie haben auch das geschafft. „Wir sind Joachim Clemens von der kognitiven Neuroinformatik sehr dankbar“, sagt Cobus. Er habe ihnen mit seinen Erfahrungen vom RoboCup helfen können. Dann entwickelten alle eine Art Sucht, wie Niels Backfisch lächelnd zugibt. Die Details mussten programmiert werden. „Sonntags, auch an Adventssonntagen, in den Weihnachtsferien, ständig waren wir damit beschäftigt“, beschreibt Matthias Rick den Zeitaufwand. Teamsprecher Andreas Cobus, als einziger der fünf noch im Bachelor, gibt unumwunden zu, dass sein Leben in dieser Zeit „Hälfte Auto, Hälfte Studium“ war. 20 Prozent der Arbeit sei Programmierung gewesen, der Rest Tests mit dem „Opti“, wie sie ihn nennen. Er musste für alle Eventualitäten fit gemacht werden. Verkehrsschilder lesen, Hindernisse auf der Straße erkennen, sich an Kreuzungen vorschriftsmäßig verhalten…

Angebot: Nachfolgende Studierende für Wettbewerb fit machen

Dann kam der spannende Wettbewerb in Ingolstadt am 22. März. Dass direkt hinter einer scharfen Kurve eine Kreuzung war, hatte niemand geahnt. Optis Geistesgegenwart reichte nicht aus, er sauste drüber. „Würde uns nicht noch einmal passieren“, resümiert Backfisch. Deshalb haben die fünf jetzt auch einen Plan. Sie hoffen, dass Audi den Wettbewerb – im März dieses Jahres war es der zweite seiner Art – auch im nächsten Jahr wiederholen wird. Dann wollen sie ein Team aus Bremer Studierenden coachen. „Zwei Informatiker sollten auf alle Fälle dabei sein“, sagt Cobus. Wer also Interesse hat, kann sich schon jetzt bei ihm melden. Die Autos musste das Team leider in Ingolstadt lassen.

Bindeglied in interdisziplinären Teams

Eine Frage bleibt noch: Was ist Technomathematik genau? „Industriemathematik“, übersetzt Backfisch und beschreibt Mathematik mit einem technischen Fokus. „Mathematik ist das Latein der Natur- und Ingenieurswissenschaften, die Sprache in der gearbeitet wird. Wir Mathematiker sind in interdisziplinären Teams das Bindeglied zwischen Forschung und Anwendung“. Um ihre Zukunft brauchen sich die engagierten Studierenden wohl keine Sorgen zu machen. Audi hat schon Themen für Masterarbeiten angeboten.

Kontakt:
Andreas Cobus
acobusprotect me ?!math.uni-bremenprotect me ?!.de

Gruppenbild mit vier Studenten und einer Studentin
Das Team OptiCar (von links): Andreas Cobus, Teamsprecher, Matthias Rick, Laura Sommer, Niels Backfisch und Alexander Probst. Laura Sommer und Alexander Probst waren bei dem Gespräch nicht dabei, da sie gerade im Ausland sind.