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Schwerhörigkeit im Kindesalter – mit schwerwiegenden Folgen?

Neues DFG-Projekt erforscht den „Spracherwerb bei schwerhörigen Kindern“

Viele Kinder kommen mit einer Schwerhörigkeit infolge einer Innenohrschwerhörigkeit (Schallempfindungsstörung) beider Ohren zur Welt. Ein intaktes Gehör aber ist für den Spracherwerb erforderlich. Diese Voraussetzung ist für die betroffenen Kinder nicht gegeben, auch wenn das Hören durch ein im Laufe der Kindheit angepasstes Hörgerät unterstützt und optimiert wird. Obwohl diese Schwerhörigkeit zu den häufigsten Schädigungen im Kindesalter zählt, ist bislang kaum untersucht, wie der Spracherwerb dieser Kinder verläuft. Dieser Frage geht die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit 350.000 Euro geförderte Studie „Spracherwerb bei schwerhörigen Kindern“ nach, die jetzt startet und auf drei Jahre angelegt ist. Es handelt sich um ein Kooperationsprojekt der Universität Bremen und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE),

unter der Leitung der Bremer Professorin Monika Rothweiler, Fachbereich Erziehungs- und Bildungswissenschaften, dem Direktor der Poliklinik für Hör-, Stimm- und Sprachheilkunde am UKE, Professor Markus Hess, sowie der Linguistik-Professorin Martina Penke von der Universität Gent. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin bzw wissenschaftlicher Mitarbeiter sind Eva Wimmer (Linguistin) und Johannes Hennies (Hörgeschädigtenpädagoge und Gebärdensprachlinguist) im Projekt tätig.

Ein großes Problem im Hinblick auf die apparative Versorgung von Kindern mit mittelgradiger Schwerhörigkeit ist, dass bei vielen dieser Kinder die Hörstörung erst spät, also im zweiten bis vierten Lebensjahr, entdeckt wird. Die ersten Lebensjahre sind für den Spracherwerb jedoch entscheidend und bis Ende des dritten Lebensjahres sollte der Spracherwerb in seinen Kernaspekten bereits abgeschlossen sein. Daher sind für diese Kinder gravierende Konsequenzen für die sprachliche Entwicklung zu erwarten. Bisherigen Studien zufolge führt die Schwerhörigkeit zu einer erheblich verzögerten Sprachentwicklung.

Führt eine nicht frühzeitig apparativ versorgte Hörstörung bei Kindern aber tatsächlich zu einer Störung der sprachlichen Entwicklung, zu Defiziten, die nicht mehr aufgeholt werden können? Die Folgen solcher Sprachentwicklungsstörungen können sich ein Leben lang fortsetzen und sich im Bildungs- und Berufserfolg niederschlagen. Welchen Einfluss hat der Zeitpunkt der Diagnose, der apparativen Versorgung und der sprachlichen Frühförderung auf den Spracherwerb? Diese Frage ist von aktueller gesundheitspolitischer Relevanz: Diskutiert wird die Kosten-Nutzen-Bilanz eines flächendeckenden Neugeborenen-Hörscreenings, mit dem man Hörstörungen bereits in den ersten Lebenstagen identifizieren kann. Ein solches Hörscreening wurde bislang nur in einigen Modellregionen wie Hamburg (2002) eingeführt. Hier werden seit Jahren schwerhörige Kinder früh identifiziert, mit Hörgeräten versorgt und früh sprachlich gefördert, während zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen erst seit Januar 2009 bei allen Neugeborenen ein Hörscreening als Leistung gesetzlicher Krankenkassen durchgeführt wird. Die DFG-Studie wird bei 3- und 4-jährigen Kindern – sowohl mit früher als auch mit später Diagnose – untersuchen, ob die Entwicklung ausgewählter sprachlicher Bereiche, insbesondere der Grammatik, von der Schwerhörigkeit betroffen ist und in welchem Umfang eine frühe Versorgung einen ungestörten Spracherwerb ermöglicht.

 

Wetere Informationen:
Universität Bremen
Fachbereich Erziehungs- und Bildungswissenschaften
Prof. Dr. Monika Rothweiler
Eva Wimmer (wiss. Mitarbeiterin)

Tel. 0421-218-69309
rothweilerprotect me ?!uni-bremenprotect me ?!.de