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„Ethisch verantwortungsvolle Wissenschaft“

Bei einer digitalen Feierstunde hat Professorin Julia Borst den Heinz Maier-Leibnitz-Preis erhalten. Es ist der wichtigste Preis für den Forschungsnachwuchs in Deutschland. Die Romanistin gilt als Vorbild einer dialogbezogenen, ethisch verantwortungsvollen Wissenschaft.

Ausgezeichnet wurden am 4. Mai 2021 insgesamt zehn Forscherinnen und Forscher von deutschen Hochschulen. „Dr. Julia Borst forscht in der romanistischen Literaturwissenschaft – mit außerordentlichem Gespür für bislang kaum wahrgenommene Themen“, sagte die Wissenschaftlerin Ute Berns vom Institut für Anglistik und Amerikanistik der Universität Hamburg in ihrer Laudatio. „Autorinnen und Autoren, deren künstlerische, kulturelle und politische Bedeutung sie in hochintelligenten Analysen erschließt und über ihr Fach hinaus sichtbar macht“, so Ute Berns. „Die Gutachterinnen und Gutachter des Heinz Maier-Leibnitz-Preises verknüpfen mit Frau Borsts Forschung und Initiativen nicht nur große Hoffnungen für die weitere Entwicklung der Romanistik in Deutschland, sondern sprechen auch vom „Vorbild einer dialogbezogenen, ethisch verantwortungsvollen Wissenschaft“. Julia Borst pflege mit zahlreichen Kontakten und Vortragsreisen insbesondere nach Afrika und in die Karibik lebendige, hochproduktive Forschungskooperationen und betreibe zudem Kulturaustausch durch die Unterstützung von Autorenlesungen.

„Diese Auszeichnung spornt mich an“

Julia Borst fühlt sich durch den Heinz Maier-Leibnitz Preis in ihrer Arbeit und ihren Forschungsschwerpunkten einmal mehr bestätigt. „Diese Auszeichnung spornt mich an, den von mir eingeschlagenen Weg weiter zu gehen, immer wieder neu die Erkenntnisse und Denkstrukturen zu hinterfragen, in denen wir uns bewegen, und mich weiterhin für die Themen zu engagieren, die mir am Herzen liegen“, sagt sie. „Natürlich hoffe ich gleichzeitig, dass der Preis mir auch dabei hilft, langfristig eine feste Anstellung an einer Universität zu finden.“

„Ich freue mich sehr für Frau Borst und die Universität Bremen über diese hohe Auszeichnung“, sagt der Rektor der Universität Bremen, Professor Bernd Scholz-Reiter. „Sie hat sich einen exzellenten Namen als international sichtbare Expertin für Diaspora-Forschung gemacht. Die hohe Relevanz und Qualität ihrer Forschung zu postkolonialen Literaturen und Kulturen, ihre innovativen Forschungsansätze und ihr wissenschaftliches Ethos zeichnen sie besonders aus.“ Die Nominierung von Frau Borst zeige auch, dass die strategische Unterstützung der Geisteswissenschaften über substantielle Mittel aus dem Zukunftskonzept der Universität Bremen in der Exzellenzinitiative für die Verbundforschungsplattform „Worlds of Contradiction“ Früchte trage, so der Rektor.

Engagement für bislang wenig sichtbare Forschungsgebiete

Julia Borst ist an der Universität Bremen zweite Sprecherin des Instituts für postkoloniale und transkulturelle Studien (INPUTS) und Gründungsmitglied der Bremer Forschungsgruppe „Digitale Diaspora: vorgestellte Gemeinschaften im digitalen Raum“ der interdisziplinären Verbundforschungsinitiative Worlds of Contradiction. Von 2015 bis 2021 war die Romanistin Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Arbeitsgruppe von Professorin Gisela Febel im Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften der Universität Bremen. Seit April 2021 vertritt sie an der Universität Bremen die Professur für „Frankoromanistik: Literaturwissenschaft“. Unter anderem beschäftigt sich die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin in ihrer Forschung aus postkolonialer Perspektive mit französisch- und spanischsprachigen Literaturen aus der Karibik, Afrika und Europa jenseits eines westlichen Kanons. Die Wissenschaftlerin macht dabei die kulturellen und humanitären Implikationen der Literaturen, die sie untersucht, sichtbar und verschafft den Autorinnen und Autoren sowie ihren Themen Respekt und Sichtbarkeit. Aktuell leitet Julia Borst zum Beispiel ein DFG-Forschungsprojekt, in dem spanischsprachige Literaturen von Autorinnen und Autoren afrikanischer Herkunft und die Frage afrodiasporischer Gemeinschaften in Europa im Mittelpunkt stehen. In anderen Projekten setzt sie sich mit der Darstellung von Gewalt und Trauma im haitianischen Gegenwartsroman und mit der literarischen Aufarbeitung des Holocausts in neueren Romanen des Globalen Südens auseinander. Julia Borst hat an der Universität Freiburg studiert und wurde an der Universität Hamburg promoviert.

Bereits mehrere Auszeichnungen erhalten

Die Romanistin wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. So erhielt Julia Borst 2019 den Sibylle Kalkhof-Rose Akademie-Preis für Geisteswissenschaften (Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz). Auch in der Lehre ist die 40-Jährige engagiert: So gewann sie 2016 mit der ehemaligen Bremer Romanistin und Privatdozentin Dr. Natascha Ueckmann den Berninghausenpreis der Universität Bremen für einen gemeinsamen Studientag und eine Lehrveranstaltung zu Haiti. Julia Borst studierte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau die Fächer Romanische Philologie und Wirtschaftspolitik und promovierte an der Universität Hamburg im Fach Romanische Philologie / Literaturwissenschaft.

Glückwünsche von Bremens Senatorin

„Anlässlich der Verleihung des Heinz Maier-Leibnitz-Preises gratuliere ich Frau Borst“, sagt die Senatorin für Wissenschaft und Häfen, Dr. Claudia Schilling „Mit ihr erhält eine höchst engagierte Forscherin die wichtigste Auszeichnung für den wissenschaftlichen Nachwuchs in Deutschland. Mit ihrer Forschung an der Schnittstelle zwischen Literatur- und Kulturwissenschaften leistet sie einen bedeutenden Beitrag zu hochaktuellen Themen wie postkolonialen Kulturen, Holocaust und Diaspora.“

Informationen zum Heinz Maier-Leibnitz-Preis

Als Anerkennung und zugleich als Ansporn, ihre wissenschaftliche Laufbahn geradlinig fortzusetzen, wird der Heinz Maier-Leibnitz-Preis seit 1977 jährlich an hervorragende junge Forscherinnen und Forscher verliehen. Benannt nach dem Atomphysiker und früheren DFG-Präsidenten – in dessen Amtszeit er erstmals vergeben wurde – gilt der Preis nicht nur als der wichtigste seiner Art für den Forschungsnachwuchs in Deutschland. In einer Umfrage der Zeitschrift „bild der wissenschaft“ wählten die großen Forschungsorganisationen den Heinz Maier-Leibnitz-Preis zum drittwichtigsten Wissenschaftspreis in Deutschland überhaupt – nach dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der DFG und dem Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten.

Weitere Informationen:

Sehen Sie ein Video von der DFG über Professorin Julia Borst: https://youtu.be/UQXlaBt1s9c

www.dfg.de/gefoerderte_projekte/wissenschaftliche_preise/leibnitz-preis/2021/borst/index.html   
https://www.uni-bremen.de/fb-10/fachbereich/wissenschaftlerinnen-wissenschaftler/professorinnen-und-professoren/prof-dr-phil-julia-borst

Fragen beantwortet:

Prof. Dr. Julia Borst (Vertretungsprofessur für „Frankoromanistik: Literaturwissenschaft“)
Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften
Universität Bremen
Telefon. +49 421 218-68424
E-Mail: borstprotect me ?!uni-bremenprotect me ?!.de

 

Portrait einer jungen Frau
Professorin Julia Borst, Romanistin der Universität Bremen, hat den Heinz Maier-Leibnitz-Preis 2021 erhalten.