Was macht ein gutes Leben in einer zutiefst mediatisierten Gesellschaft aus und wie können Medien dazu beitragen, dass Menschen sich zugehörig, handlungsfähig und politisch wirksam fühlen? Diesen Fragen geht Emilija Gagrčin in ihrer Forschung nach. Sie untersucht, wie Menschen im Kontext multipler Krisen ihr Verhältnis zur Gesellschaft erfahren, deuten und gemeinsam gestalten, und welche Rolle Medien dabei spielen. Im Zentrum steht die Frage, unter welchen sozialen, normativen und infrastrukturellen Bedingungen politische Vorstellungskraft und Teilhabe entstehen und unter welchen nicht.
Bevor sie an die Universität Bremen kam, war Emilija Gagrčin Marie Skłodowska-Curie Postdoctoral Fellow an der Universität Bergen, wo sie im Projekt RESDEM am Beispiel lokaler Konflikte rund um Windkraftausbau in Baden-Württemberg untersuchte, wie Polarisierung demokratische Teilhabe prägt. Zuvor forschte sie an der Universität Mannheim und promovierte an der Freien Universität Berlin und dem Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft.
Am Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung (ZeMKI) sieht sie eine besonders gute Passung für ihre Forschung: „In der deutschen Kommunikationswissenschaft, die eher quantitativ geprägt ist, ist das ZeMKI ein besonderer Ort. Hier wird vorgemacht, wie man durch qualitative und Mixed-Methods-Ansätze Theoriearbeit vorantreiben kann, und zwar in großen Forschungsverbünden und mit internationaler Sichtbarkeit." Zu diesen Verbünden gehört etwa die von DFG und FWF geförderte Forschungsgruppe „Communicative AI" (ComAI), die am ZeMKI koordiniert wird. In Bremen wird Gagrčin das Modul Qualitative Methoden übernehmen und leitet am ZeMKI das neu gegründete GLaMS Lab (Good Life & Media Society).
Für ihre Forschung wurde sie 2025 von der Königlich Norwegischen Gesellschaft der Wissenschaften und der Literatur (DKNVS) mit dem Nachwuchsforscherinnenpreis in den Sozial- und Geisteswissenschaften ausgezeichnet. Darüber hinaus engagiert sie sich als Vorsitzende des Young Scholars Network der European Communication Research and Education Association (YECREA) für die Stärkung von Wissenschaftler:innen in frühen Karrierephasen.

