Philipp Wagner beschäftigt sich in seiner Forschung mit besonderen chemischen Verbindungen, die nur ganz kurz existieren und deshalb schwer zu untersuchen sind. Um diese „Zwischenstufen“ besser zu verstehen, kombiniert er verschiedene Methoden: Er stellt die Verbindungen im Labor gezielt her, berechnet ihre Eigenschaften am Computer und „fängt“ sie bei extrem niedrigen Temperaturen ein, um sie anhand ihrer Wechselwirkung mit Licht genauer zu analysieren. Auf diese Weise kann er ungewöhnliche Moleküle greifbar machen, die sonst kaum nachweisbar wären. Seine Arbeit hilft dabei, chemische Reaktionen im Detail zu verstehen, und kann so zu neuen Erkenntnissen über grundlegende Vorgänge in der Chemie führen.
Philipp Wagner studierte Chemie an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Dort absolvierte er auch seine Promotion in der Arbeitsgruppe von Professor Peter Schreiner, gefördert durch ein Doktorandenstipendium des Fonds der Chemischen Industrie. In seiner Doktorarbeit untersuchte er, wie sich sehr grundlegende physikalische Effekte, zum Beispiel, dass Teilchen manchmal scheinbar „durch Wände hindurchgehen“ können oder dass sich Moleküle durch winzige Anziehungskräfte gegenseitig beeinflussen, auf chemische Reaktionen auswirken.
Im Anschluss forschte er als Feodor Lynen-Stipendiat an der University of Georgia in der Arbeitsgruppe von Prof. Michael Duncan. Dort untersuchte er, wie bestimmte geladene Moleküle (Ionen) auseinanderbrechen, wenn man sie mit Licht bestrahlt. Im Jahr 2018 startete er seine unabhängige Karriere und leitete eine Nachwuchsgruppe am Institut für Organische Chemie der Universität Tübingen. Diese Position wurde durch ein Liebig-Stipendium des Fonds der Chemischen Industrie ermöglicht.

