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Der Auskunftsfreudige

Für Dr. Roy Karadag ist heute ein besonderer Tag. „Meine kleine Tochter krabbelt“, freut sich der Vater in Elternzeit. Bis Ende August 2019 wird der Politikwissenschaftler seine Aufgaben im Institut für Interkulturelle und Internationale Studien (InIIS) nur noch eingeschränkt wahrnehmen können. Eine selbst gestellte aber doch: Roy Karadag bietet mit Unterstützung aus seinem Team seit einem Jahr politische Sprechstunden für Bürgerinnen und Bürger an.

„Fürs Lesen bezahlt“

Ohne bürokratische Hürden - eine Anmeldung per E-Mail oder ein Telefonat genügen. Einzelne Interessierte sind schon aus der Stadt in sein Büro im Unicom vorgedrungen. „Auch eine kleine Schülergruppe war da, die mir Fragen zu ihrer Projektarbeit über globalen Handel gestellt hat.“ Gespräche über politische Themen seien für viele Menschen heikel, ist der Wissenschaftler überzeugt. „Sie haben Angst, sich mit Unwissen und Unerfahrenheit zu exponieren.“ Er selbst werde ja fürs Lesen bezahlt. Er könne im persönlichen Gespräch manches erklären, individuell auf Fragesteller eingehen.

Wissen weitergeben

Mit großer Selbstverständlich sieht es Roy Karadag als seine Pflicht an, Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben und sein Wissen weiterzugeben. Tagesschau, Deutschlandradio, WDR, Hessischer Rundfunk, Wirtschaftswoche, taz und Kölner Stadtanzeiger: Dieser Mann ist auf eine unaufgeregte Art in den Medien präsent. Seine Spezialthemen sind Islam, Konflikte im Nahen Osten, die Türkei. Erst kürzlich hat er in einem Polizeilehrgang in Münster darüber gesprochen, warum das Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei so angespannt ist.

Wunsch: Politiksprechstunde in der Stadt

„Ich habe mich schon in der Lehre breit aufgestellt: Religion, Nation, Öl, Krieg, Gewalt“, illustriert er seinen Anspruch, ein guter Welterklärer zu sein. Das Beratungs-und Gesprächsformat, also den Wissenstransfer mit der Stadtgesellschaft, möchte er noch verfeinern. Politikwissenschaftlichen Beratungsdienst am Telefon könne er sich ebenso vorstellen wie eine Sprechstunde in der Stadt, vielleicht in einer Stadtbibliothek mit Kaffee und Keksen. „Es gibt in ganz Deutschland kein sozialwissenschaftliches Institut, das so etwas macht. Die Zeit muss man sich nehmen“, sagt der 39-Jährige überzeugt.

"Ein heikles Land“

Der engagierte Hochschullehrer ist mit einer Hälfte seiner Stelle Geschäftsführer des InIIS. „Vom Bürostuhl bis hin zur Organisation von Veranstaltungen bin ich zuständig“, lächelt er. Die andere Hälfte seiner Arbeitszeit gehört dem DFG-Sonderforschungsbereich „Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik“. Im Teilbereich: „Transnationale Wohlfahrt: Aufstieg, Niedergang und Renaissance von Sozialpolitik in Afrika“ untersucht er Ägypten. „Bildungswesen, Gesundheit und Nahrungsmittelsubventionen“, nennt er seine Schwerpunkte. Ende vergangenen Jahres war Karadag zweimal in Kairo, um vor Ort zu recherchieren und Kontakte zu knüpfen. „Ein heikles Land“, lautet seine bündige Einschätzung. „Menschen werden verfolgt, es geht autokratischer und unfreier zu als jemals vorher.“ Das ägyptische Arabisch zu verstehen, falle ihm schwer. Mit dem Syrischen sei das für ihn leichter, sagt Roy Karadag, der in Kiel aufgewachsen ist und dessen Eltern aus Südostanatolien nach Deutschland gekommen sind.

Fehlender Karneval

Siegfried und Roy oder Roy Black? Welche Prominenz war Vorbild für seinen eher seltenen Namen? „Meine Eltern haben einfach den westlichsten Vornamen genommen, den sie finden konnten“, lacht der Wissenschaftler. Er hat in Tübingen studiert und am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln promoviert. An Bremen, wo er 2011 eine Stelle im Institut bekam, schätzt er die lokale Identität. Da könne man die Stadt sogar mit Köln vergleichen, letztere sei aber eindeutig seine Lieblingsstadt. „Der Karneval fehlt mir hier schon sehr, obwohl ich Protestant bin“.

Fragen beantwortet:

Dr. Roy Karadag
Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Universität Bremen
Tel.: +49 421 218-67468
E-Mail: karadag@uni-bremen.de
 

 

Mann steht vor Bücherregal und lächelt
Bietet politische Sprechstunden auf dem Campus an: Dr. Roy Karadag