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Korallenbleiche: Riff erholt sich schneller als gedacht

Hohe Wassertemperaturen führten 2015/2016 zu einer globalen Korallenbleiche. Eine Studie unter Leitung der Abteilung Marine Ökologie der Universität Bremen zeigt jetzt: Korallenriffe können sich von solchen Katastrophen schneller erholen als bisher gedacht – wenn der Mensch sie in Ruhe lässt.

„Diese Erholungsgeschwindigkeit gehört zu den schnellsten, die jemals für Riffe beobachtet wurde“, sagt Christian Wild, Leiter der Arbeitsgruppe „Marine Ökologie“. Anna Koester, Doktorandin der Arbeitsgruppe, ist Erstautorin einer Studie, die kürzlich in der Fachzeitschrift „Scientific Reports“ veröffentlicht wurde. Die Meeresökologin geht davon aus, dass die überraschend schnelle Erholung vor allem mit der besonderen Lage des Riffs zu tun hat: Das Forschungsteam untersuchte den Zustand der Korallen im Aldabra Atoll, einer kaum besiedelten und weit draußen im Indischen Ozean gelegenen Inselgruppe. „Dort spielen menschgemachte lokale Faktoren wie der Eintrag von Nährstoffen, die Meeresverschmutzung und die Überfischung so gut wie keine Rolle“, erläutert die Wissenschaftlerin. Das ideale Gebiet also, um herauszufinden, wie sich der Zustand geschädigter Riffe verändert, wenn sie keinen menschengemachten Stressfaktoren ausgesetzt sind.

Die Untersuchung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeigte: Die Riffe, die in der ausgedehnten Lagune des Aldabra Atolls liegen, erholten sich in weniger als vier Jahren von der globalen Korallenbleiche der Jahre 2015/2016. Damals waren bis zu zwei Drittel der Korallen beschädigt worden. Auch die Korallen auf der dem offenen Meer zugewandten Seite regenerierten sich schnell, wenn auch nicht ganz so rasch wie in der geschützten Lagune. „Sie sind der Strömung und den Wellen ausgesetzt, das scheint eine Rolle zu spielen“, sagt Koester. Deutlich langsamer ging es in tieferen Regionen voran: Im Gegensatz zu den Riffen im flachen Gewässer erholten sich die tiefer gelegenen Korallen nur schleppend.

Das Fazit von Koester und Wild: Wenn es gelingt, lokale Stressfaktoren wie den Eintrag von Nährstoffen entscheidend zu reduzieren, dann können sich Korallenriffe gut und schnell von einer Bleiche erholen und haben eine Chance, weiterzuleben. Trotzdem sei es essentiell, die Auslöser von Korallenbleichen, vor allem die Ozeanerwärmung, zu reduzieren. Denn nicht jedes Riff regeneriere sich gleich gut – vor allem in weniger geschützter Umgebung werde mehr Zeit benötigt. „Alle Modelle sagen voraus, dass die Frequenz von Korallenbleichen in Zukunft zunehmen wird“, betont Wild. Dann würden auch für die bis jetzt privilegierten Korallenriffe in der Lagune von Aldabra harte Zeiten anbrechen.

Weitere Informationen:

Studie: Koester A, Migani V, Bunbury N, Ford A, Sanchez C, Wild C (in press): Early trajectories of benthic coral reef communities following the 2015/16 coral bleaching event at remote Aldabra Atoll, Seychelles. Scientific Reports

Link zur Studie: https://www.nature.com/articles/s41598-020-74077-x

Link zur Arbeitsgruppe Marine Ökologie: https://www.uni-bremen.de/marine-ecology

www.uni-bremen.de

Fragen beantworten:

Anna Koester
Marine Ökologie
Fachbereich Biologie und Chemie
Universität Bremen
Tel.: +49 421 218- 63358
E-Mail: anna.koesterprotect me ?!uni-bremenprotect me ?!.de

Prof. Dr. Christian Wild
Marine Ökologie
Fachbereich Biologie und Chemie
Universität Bremen
Tel.: +49 421 218- 63367
E-Mail: christian.wildprotect me ?!uni-bremenprotect me ?!.de

Korallenbleiche eines Riffes bei Mahé, Seychellen.
Korallenbleiche eines Riffes bei Mahé, Seychellen. Durch ungewöhnlich warme Wassertemperaturen haben diese Korallen ihre Symbiosepartner, kleine Algen im Gewebe, verloren, die ihnen normalerweise durch Photosynthese Nährstoffe liefern. Damit verschwindet auch ein Großteil der Farbe und die Korallen erscheinen weiß. Eine Korallenbleiche kann zum Absterben ganzer Riffe führen.