Open Science Policy der Universität Bremen

Der Wortlaut der Open Science Policy der Universität Bremen findet sich auf dieser Webseite und steht rechts zum Download als PDF bereit.

Die Open Science Policy der Universität Bremen

Verabschiedet durch den Akademischen Senat der Universität Bremen am 21. Januar 2026

Die Universität Bremen ist eine forschungsstarke und weltoffene Universität, die exzellente Wissenschaft und verantwortungsbewusste Bildung in einer dynamischen und interdisziplinären Umgebung fördert. Durch ihre Forschungs-, Lehr- und Transferaktivitäten leistet sie wichtige Beiträge für die Gestaltung gesellschaftlicher Transformationsprozesse. Unser Leitbild, geprägt von dem Streben nach gesellschaftlicher Verantwortung, Nachhaltigkeit und Chancengerechtigkeit, bildet die Grundlage für die Entwicklung und Förderung einer Kultur der Offenheit und Transparenz in der Wissenschaft.

Die Universität Bremen sieht in Open Science eine Chance, die Qualität und Wirkung der Wissenschaft zu erhöhen. Mit dieser Open Science Policy bekräftigt die Universität ihr Engagement für eine Wissenschaft, die für Menschen in wissenschaftlichen und in anderen gesellschaftlichen Bereichen zugänglich ist, weil sie alle Elemente des wissenschaftlichen Prozesses transparent und nachvollziehbar gestaltet. So fördert die Universität den Austausch und die Zusammenarbeit der globalen wissenschaftlichen Gemeinschaft und mit der Gesellschaft, und treibt einen Kulturwandel in der Bewertung wissenschaftlicher Leistungen voran, der Open-Science-Praktiken systematisch würdigt.

Open Science dient der Universität dabei nicht als Selbstzweck, sondern als Instrument zur Verbesserung und Legitimation wissenschaftlicher Prozesse. Als integraler Bestandteil der Prinzipien guter wissenschaftlicher Praxis unterstreicht sie das Streben der Universität nach langfristig wirksamer Wissenschaft. Das Prinzip der Reziprozität – sowohl das Schaffen als auch das Nutzen offener Zugänge – wird hierbei gezielt als Katalysator für nachhaltige und kooperative Wissenschaft genutzt.

Diese durch den Akademischen Senat verabschiedete Open-Science-Policy artikuliert die Grundhaltung der Universität, bietet ihren Mitgliedern eine Orientierung und antizipiert weitere Empfehlungen und Handreichungen in einzelnen Handlungsfeldern von Open Science.

Die Universität Bremen verfolgt das Ziel, Open Science als leitendes Prinzip in allen Aspekten von Forschung, Lehre und Transfer, unter Berücksichtigung der Prinzipien der verantwortungsvollen Wissenschaft, zu verankern. Sie fordert ihre Wissenschaftler:innen zur Umsetzung der Open-Science-Prinzipien auf, um die langfristige Verfügbarkeit und praktische Nutzbarkeit wissenschaftlicher Ergebnisse für Akteur:innen innerhalb und außerhalb der Wissenschaft zu sichern. Konkrete Handlungsfelder sind:
Open Access: Offener Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen

Alle Forschenden der Universität Bremen sind dazu angehalten, ihre wissenschaftlichen Veröffentlichungen, wann immer möglich, als Open Access zu publizieren. Die Universität wirkt gemeinsam mit der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen (SuUB) auf die Umsetzung des Diamond-Open-Access-Standards hin. Zur Nachvollziehbarkeit des wissenschaftlichen Prozesses sollen auch technische Dokumentationen öffentlich zugänglich gemacht werden.

Open Data: FAIR-konforme Forschungsdaten

Forschungsdaten, die an der Universität Bremen erzeugt werden, sollen in Übereinstimmung mit den FAIR-Prinzipien (Findable, Accessible, Interoperable, Reusable) bereitgestellt werden und so einen Beitrag zu einem nachhaltigen Wissenschaftssystem leisten. Die Universität ermutigt ihre Mitglieder, ihre Daten unter Berücksichtigung ethischer, (datenschutz-)rechtlicher und sozialer Anforderungen so offen wie möglich und so geschlossen wie nötig zu halten.

Open Source Software: Offene Methoden und Reproduzierbarkeit

Transparente und nachvollziehbare Forschung ist ein Eckpfeiler wissenschaftlicher Integrität. Die Universität Bremen unterstützt die Veröffentlichung der Dokumentation von Forschungsprozessen, -methoden und Software-Codes, um die Reproduzierbarkeit, Replizierbarkeit und Nachvollziehbarkeit von Forschungsergebnissen zu gewährleisten. Die Universität fördert darüber hinaus den Einsatz verantwortungsvoller, transparenter und offener KI-Werkzeuge, die digitale Autonomie, freie Forschung und Lehre ermöglichen und die Unabhängigkeit von proprietären Systemen sichern.

Open Educational Resources: Offene Lehrinhalte und -methoden

Zur Stärkung einer offenen, partizipativen und nachhaltigen Bildungskultur fördert die Universität Bremen die Nutzung und Bereitstellung von Lehr- und Lernmaterialien unter offenen Lizenzen (OER) sowie Open Educational Practices (OEP).

Offene Forschungsinfrastruktur

Zugang zu Forschungsinfrastrukturen für Nutzer:innen aus Wissenschaft, Wirtschaft, öffentlicher Verwaltung oder anderen Bereichen der Gesellschaft kann innovative Forschung und Lehre befördern, zur Weiterentwicklung wissenschaftlicher Methoden beitragen und Kooperationen stärken. Dies umfasst beispielsweise Instrumente, Gerätschaften, Sammlungen, Archive oder Dateninfrastrukturen. Physische und digitale Infrastrukturen an der Universität Bremen sollen in diesem Sinne sichtbar und, wo möglich, zugänglich gemacht werden.

Open Transfer und Gesellschaft

Open Science erfordert eine inklusive Wissenschaftskultur. Die Universität Bremen engagiert sich dafür, gesellschaftlichen Akteur:innen den Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen und Ergebnissen zu erleichtern und die Beteiligung aller gesellschaftlichen Gruppen an wissenschaftlichen Prozessen zu fördern. Dies umfasst auch die Einbindung von Bürgerwissenschaften (Citizen Science), die Mitwirkung an offenen Innovations­prozessen (Open Innovation), die Stärkung der Datenkompetenz in der Gesellschaft sowie die Zusammenarbeit mit gesellschaftlichen Akteur:innen.

Die Wissenschaftler:innen der Universität Bremen sind verantwortlich für die Einhaltung der Open-Science-Policy unter den hier definierten Rahmenbedingungen. Die Universität unterstützt sie mit den unter 3. genannten Maßnahmen und Strukturen. Die Umsetzung von Open Science an der Universität Bremen erfolgt dabei unter Einhaltung rechtlicher und etwaiger vertraglicher Rahmenbedingungen. Sie erfolgt unter der Wahrung der Wissenschaftsfreiheit und ist eng mit ethischen Standards verbunden, die nach dem Prinzip „so offen wie möglich, so geschlossen wie nötig“ abgewogen werden sollten.
Rechtliche Rahmenbedingungen

Bei der Veröffentlichung wissenschaftlicher Prozesse und Ergebnisse ist die Einhaltung rechtlicher und etwaiger vertraglicher Standards von höchster Priorität. Alle Praktiken von Open Science müssen im Einklang mit den geltenden gesetzlichen Regelungen stehen. Dies betrifft unter anderem den Schutz personenbezogener Daten und der Persönlichkeitsrechte, des geistigen Eigentums, sowie die Regelungen des Außenwirtschaftsgesetzes, beispielsweise im Falle möglicher Dual-Use-Güter.

Ethische Prinzipien

Zur Abwägung möglicher Effekte offener Forschungsdaten sollen die CARE-Prinzipien Kollektiver Nutzen, Recht auf Kontrolle, Verantwortung, Ethik (Collective Benefit, Authority to Control, Responsibility, Ethics; https://www.gida-global.org/care) als Orientierung dienen. Für den Umgang mit großen Datenmengen, besonders im Bereich Data Science, sollten Wissenschaftler:innen die Prinzipien Fairness, Genauigkeit (Accuracy), Vertraulichkeit (Confidentiality) und Transparenz (FACT, https://redasci.org/) berücksichtigen. Als leitendes Dokument für den Zugang zu For- schungsinfrastrukturen kann die Europäische Charta für den Zugang zu Forschungsinfrastrukturen zugrunde gelegt werden.

Nutzer:innenkreis

In der Abwägung möglicher Effekte und Risiken offener Wissenschaft können Überlegungen zum potentiellen Nutzer:innenkreis entscheidend sein. Die Universität Bremen unterstützt vor diesem Hintergrund auch eine nur teilweise Veröffentlichung wissenschaftlicher Produkte und Prozesse.

Nachhaltigkeit

In Übereinstimmung mit ihrem Leitbild verpflichtet sich die Universität Bremen, Open Science in einer Weise umzusetzen, die ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltig ist. Die langfristige Zugänglichkeit wissenschaftlicher Produkte soll daher den verantwortungsvollen Umgang mit diesen Ressourcen einbeziehen.

Chancengleichheit und Zugänglichkeit

Die Universität Bremen setzt sich dafür ein, dass alle Mitglieder der Gesellschaft, unabhängig von sozialen, ökonomischen oder kulturellen Hintergründen, Zugang zu Forschungsprozessen und wissenschaftlichen Erkenntnissen erhalten. Die Barrierefreiheit ist ein zentraler Bestandteil dieser Politik.

Fächerkultur

Die Universität Bremen erkennt an, dass Praktiken von Open Science fächerspezifischen Standards und Entwicklungen folgen. Wie Open Science in den einzelnen Dimensionen im Detail umgesetzt wird, sollte daher in den einzelnen Fächern unter Berücksichtigung ethischer, rechtlicher, datenschutzrechtlicher und sozialer Anforderungen regelmäßig diskutiert werden.

Um die Prinzipien von Open Science effektiv umzusetzen, stellt die Universität Bremen folgende Maßnahmen und Ressourcen zur Verfügung:
Infrastruktur und Service

Die Universität bietet digitale Infrastrukturen sowie Werkzeuge zur Dokumentation und Nachverfolgung wissenschaftlicher Prozesse. Sie unterstützt im Bereich des Open Access gemeinsam mit der SuUB durch Repositorien für Open Access, Beratung und finanzielle Förderung. Diese Infrastrukturen werden kontinuierlich weiterentwickelt, um den aktuellen und zukünftigen Anforderungen der Wissenschaft gerecht zu werden.

Lehre, Fortbildung und Beratung

Um die Mitglieder der Universität Bremen bei der Umsetzung von Open Science zu unterstützen, bietet die Universität ein Fortbildungs- und Beratungsangebot für Forschende, Lehrende, Studierende und das wissenschaftsunterstützende Personal an. Dazu gehören Workshops, individuelle Beratungen und Online-Ressourcen, die sich mit verschiedenen Aspekten von Open Science auseinandersetzen. Diese Angebote werden durch Expert:innen für die oben genannten Handlungsfelder aus zentralen und dezentralen universitären Einheiten geschaffen und gewährleisten eine
Verankerung der Prinzipien und Methoden von Open Science in Forschung, Lehre und Transfer.

Anreize und Anerkennung

Die Universität Bremen setzt sich dafür ein, die Aktivitäten von Wissenschaftler:innen im Bereich von Open Science anzuerkennen und zu würdigen. Dies umfasst die Berücksichtigung von Open-Science-Aktivitäten bei der Evaluation wissenschaftlicher Leistung, in Auswahlverfahren sowie die Vergabe von spezifischen Auszeichnungen und Fördermitteln.

Zusammenarbeit und Netzwerke

Die Universität Bremen fördert die Vernetzung und Zusammenarbeit innerhalb der internationalen Open-Science-Community, im Besonderen in den internationalen Universitätsnetzwerken der Universität Bremen. Dies umfasst die Teilnahme an Konsortien, Projekten und Initiativen, die den Austausch von Wissen und die Entwicklung gemeinsamer Standards und Best Practices vorantreiben.

Handreichungen

Für die einzelnen Handlungsfelder von Open Science können bei Bedarf konkrete Handreichungen und Richtlinien erstellt werden. Diese werden auf geeignete Weise in die Universität kommuniziert und werden zusammen mit aktuellen weiterführenden Informationen für alle Mitglieder der Universität bereitgestellt.

Strukturelle Verantwortung

Der Open-Science-Beirat der Universität begleitet die Umsetzung von Open Science in allen Handlungsfeldern, gibt Empfehlungen für operative Aspekte, koordiniert die Kompetenzentwicklung für Open Science, und entwickelt bei Bedarf konkrete Handreichungen. Er begleitet darüber hinaus die nationalen und internationalen Entwicklungen des Feldes. Mitglieder des Open-Science-Beirates sind unter anderem Expert:innen für die oben genannten Handlungsfelder aus zentralen und dezentralen universitären Einheiten. Ein Mitglied des Rektorates übernimmt den Vorsitz des Open-Science-Beirates.

Die Open-Science-Policy der Universität Bremen wird regelmäßig mit Blick auf wissenschaftliche und wissenschaftspolitische Entwicklungen evaluiert und bei Bedarf angepasst, um auf sich wandelnde Anforderungen und Herausforderungen reagieren zu können. Die Universität verpflichtet sich dazu, die Fortschritte in der Umsetzung von Open Science kontinuierlich zu überprüfen und anzupassen. Der Open-Science-Beirat ist dafür verantwortlich, diese Schritte zu begleiten.