Was ist wissenschaftliches Schreiben?

Wissenschaftliches Schreiben gehört zum Studium dazu – unabhängig vom Fach. 

Ob Hausarbeit, Projektbericht, Reflexion oder Abschlussarbeit: In vielen Studiengängen ist Schreiben ein zentraler Bestandteil wissenschaftlichen Arbeitens. Dabei geht es nicht nur darum, Wissen wiederzugeben, sondern sich intensiv mit einem Thema auseinanderzusetzen und eigene Überlegungen nachvollziehbar darzustellen.

Auch in Zeiten Künstlicher Intelligenz bleibt wissenschaftliches Schreiben eine wichtige Kompetenz.

Auch wenn KI bei einzelnen Arbeitsschritten unterstützen kann, ersetzt sie nicht die eigenständige Auseinandersetzung mit einem Thema. Wissenschaftliches Schreiben hilft dabei, komplexe Fragestellungen systematisch zu bearbeiten, Informationen kritisch einzuordnen und eigene Argumente zu entwickeln. Schreiben wird so zu einem Werkzeug des Denkens: Ideen werden sortiert, Zusammenhänge werden sichtbar, Positionen werden geschärft.

Wissenschaftliches Schreiben ist eine besondere Form des Schreibens.

Im Kern bedeutet wissenschaftliches Schreiben, ein Thema auf Grundlage wissenschaftlicher Literatur, empirischer Daten oder eigener Untersuchungen zu analysieren und fundiert darzustellen. Ziel ist nicht, vorhandenes Wissen lediglich zusammenzufassen. Vielmehr setzen Sie sich mit bestehenden Erkenntnissen auseinander, beziehen diese auf eine eigene Fragestellung und entwickeln daraus neue Perspektiven oder Einsichten.

Wissenschaftliche Texte leisten damit einen Beitrag zu fachlichen Diskussionen – auch bereits im Kleinen! Schon eine Seminararbeit zeigt, dass Sie unterschiedliche Positionen verstehen, kritisch reflektieren und begründet argumentieren können.

Wissenschaftliche Texte richten sich meist an Lesende mit fachlichen Grundkenntnissen. Gleichzeitig gilt: Gute wissenschaftliche Texte sind verständlich geschrieben. Fachlichkeit und Klarheit schließen sich nicht aus!

Zu den wichtigsten Merkmalen wissenschaftlicher Texte gehören:

  • Eine klare Struktur: Einleitung, Hauptteil und Schluss folgen einer nachvollziehbaren Ordnung.
  • Eine schlüssige Argumentation: Aussagen werden begründet und auf eine konkrete Fragestellung bezogen.
  • Differenzierte Betrachtung: Unterschiedliche Perspektiven, Forschungsergebnisse und Positionen werden berücksichtigt.
  • Nachvollziehbarkeit und Objektivität: Gedankengänge und Ergebnisse werden transparent dargestellt und begründet.
  • Präzise Sprache: Fachbegriffe werden korrekt verwendet und verständlich erklärt.
  • Ein sachlich-analytischer Stil: Forschungsergebnisse werden beschrieben, eingeordnet und kritisch analysiert.
  • Bezug zum wissenschaftlichen Diskurs: Eigene Überlegungen werden mit bestehender Forschung verknüpft.
  • Korrektes Zitieren: Quellen werden nachvollziehbar und einheitlich angegeben – auch bei der Nutzung digitaler Hilfsmittel oder KI-gestützter Anwendungen.

❌ Wissenschaftliches Schreiben ist nicht:

  1. emotional oder subjektiv
    → Es vermeidet Ausdrücke wie „Ich finde das sehr interessant“ oder „Das ist einfach unglaublich“.
    → Statt dessen: „Die Ergebnisse deuten auf eine signifikante Korrelation hin.“
  2. Geschichtenerzählen oder narrativ
    → Es ist kein Roman oder Blogbeitrag.
    → Keine persönlichen Anekdoten, Metaphern oder dramatischen Spannungsbögen, sondern deskriptiv und informativ.
  3. ungenau oder vage formuliert
    → Keine Aussagen wie „vielleicht“ oder „irgendwie“.
    → Stattdessen: „Die Daten zeigen eine Tendenz (p < 0,05)“ – mit konkreten Angaben.
  4. informell oder locker
    → Keine Umgangssprache, Abkürzungen (außer standardisierten), Emojis oder lockere Formulierungen.
    → Beispiel: Nicht „Das hat echt gut funktioniert“, sondern „Die Methode erwies sich als effektiv.“
  5. vorurteilsbeladen oder ideologisch
    → Es beruht auf Belegen, nicht auf Überzeugungen oder Meinungen.
    → Keine Werturteile wie „Das ist falsch“ – stattdessen: „Die Hypothese konnte nicht bestätigt werden.“
  6. ohne Quellenangaben
    → Jede Aussage, die nicht allgemein bekannt ist, muss belegt werden.
    → Kein „Ich weiß, dass das so ist“ – stattdessen: „Laut Kruse (2020) …“
  7. unstrukturiert oder chaotisch
    → Kein freies Schreiben ohne Gliederung.
    → Wissenschaftliches Schreiben folgt klaren Strukturen: Einleitung, Methodik, Ergebnisse, Diskussion, Schlussfolgerung.
  8. zum Unterhalten oder beeindrucken
    → Es dient nicht der Unterhaltung, sondern der klaren, präzisen und nachvollziehbaren Vermittlung von Wissen.

Nun wissen Sie, was wissenschaftliches Schreiben (nicht) ist. Aber wie geht wissenschaftliches Schreiben?

Good to know...

Schreiben unterstützt das Denken.

„Kompetente Schreibende nutzen Schreiben zum kritischen Denken, steuern produktiv den eigenen Schreibprozess und kommunizieren entsprechend den Textkonventionen der jeweiligen Fachgemeinschaft angemessen.“ 

(Gesellschaft für Schreibdidaktik und Schreibforschung 2018: Positionspapier)

Schreiben unterstützt das Lernen. Studieren heißt, Fragen an (Fach-)Texte zu stellen.

„Eine vertiefende Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Themen beginnt mit aktiven Mitschriften in Seminaren. Ein forschend-fragender Umgang mit wissenschaftlichen Texten ist eine Basis des selbstständigen Schreibprozesses. Die Fähigkeit, akademische Texte zu lesen und zu schreiben, kann erst während des Studiums erworben werden.“ 

(Universität Bremen, Fachbereich 9, Schreibberatung, 2025)

Hilfsmittel unterstützen das wissenschaftliche Schreiben.

„Galt wissenschaftliches Arbeiten lange Zeit als Inbegriff von Kopfarbeit, so wird es heute von einem Netz digitaler Werkzeuge geprägt und ist zu einer Art intellektuellem Handwerk geworden.“ 

(Otto Kruse/Christian Rapp 2022: Digitalisierung des wissenschaftlichen Arbeitens: Bestandsaufnahme)