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Stellungnahme der Leopoldina zur Rolle digitaler Technologien in der öffentlichen Kommunikation veröffentlicht

Neue Formen der digitalen Beteiligung am öffentlichen Diskurs fordert die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Dazu gehörten auch alternative Formen des Journalismus. An der öffentlichen Stellungnahme sind auch ZeMKI-Mitglieder beteiligt.

Demokratische Öffentlichkeiten haben sich mit den digitalen Medien grundlegen gewandelt. Neben den klassischen Rundfunk und die Presse sind digitale Plattformen getreten, durch die die bisherigen Massenmedien an ihrer Bedeutung eingebüßt haben. Vor allem die Lokal- und Regionalpresse ist unter extremen Druck und hat bisher den Anschluss ans Digitale kaum geschafft. Die Relevanz von Online-Plattformen für den öffentlichen Diskurs hat radikal zugenommen – mit Gefahren wie „Hassrede“, aber auch mit Potenzialen für digitale Partizipation.

Dabei spielten nur wenige große digitale Informations- und Kommunikationsplattformen eine zunehmend wichtige Rolle, sagen die Autorinnen und Autoren der Stellungnahme „Digitalisierung und Demokratie“. Die Stellungnahme stellt einerseits fest, dass die beträchtliche Macht solcher Anbieter „dringend einer rechtlichen Regulierung“ bedarf. Die bestehenden Ansätze zur Verpflichtung der Plattformen, unzulässige Inhalte zu löschen und die Kriterien, nach denen sie Beiträge auswählen und sortieren, transparent zu machen, „genügen noch nicht“.

Andererseits sollte man „Digitale Beteiligung ausbauen“: Eine staatlich geförderte, mindestens auf sechs Jahre angelegte Initiative sollte etabliert werden, um neue Formen digitaler Partizipation und darauf ausgerichtetem Journalismus zu unterstützen. Schwerpunkte sollten dabei alternative Plattformen und Pionier- und Non-Profit-Journalismus sein mit besonderem Augenmerk auf Lokal- und Regionaljournalismus sein, wie die Expertinnen und Experten schreiben.

Mitautor Professor Andreas Hepp, Sprecher des ZeMKI: „Digitalisierung bedeutet nicht nur Probleme, sondern eröffnet auch neue Chancen vor allem im Bereich der Beteiligung. Über digitale Plattformen könnten sich Bürgerinnen und Bürger ganz anders als bisher in öffentliche Diskurse einbringen.“ Um den aktuellen Herausforderungen zu begegnen, sei ein breit angelegtes staatliches Programm zur Förderung der Partizipation zentral. Es sollte die Forschung zu sowie Entwicklung und Etablierung von neuen partizipativen digitalen Plattformen ebenso unterstützen wie den Pionierjournalismus, insbesondere im Bereich des Lokalen und Regionalen.

Umfangreicher Maßnahmenkatalog

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler empfehlen in ihrem Papier insgesamt 23 Maßnahmen. Sie reichen von der Stärkung der Digital- und Medienkompetenz der Bevölkerung über das Sicherstellen eines zivilen Diskurses bis zum erleichterten Zugang auf die Datenbestände der Plattformen für die Forschung. Auch das Internetangebot des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sollte gestärkt und weiter ausgebaut werden.

Professor Andreas Breiter vom ZeMKI und Chief Digital Officer (CDO) der Universität Bremen, der ebenfalls an der Stellungnahme mitgeschrieben hat, hebt besonders die Maßnahmen hervor, die darauf abzielen, die Digitalkompetenzen in Kita, Schule und Hochschule bis Weiterbildung auszubauen: „Insbesondere die hervorgehobene Bedeutung der Datenkompetenz und ihre Förderung in schulischen und außerschulischen Bildungskontexten halte ich für ein wichtiges Signal zur Stärkung der gesellschaftlichen Teilhabe.“ 

19 Autor:innen aus drei Ländern

Das Papier wurde gemeinsam von der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, der Akademie der Technikwissenschaften acatech und der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften verfasst. Die 19 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stammen aus Deutschland, den Niederlanden und Österreich.

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina bearbeitet unabhängig von wirtschaftlichen oder politischen Interessen wichtige gesellschaftliche Zukunftsthemen aus wissenschaftlicher Sicht, vermittelt die Ergebnisse der Politik und der Öffentlichkeit und vertritt diese Themen national wie international.

Die Stellungnahme im Volltext: https://www.leopoldina.org/publikationen/detailansicht/publication/digitalisierung-und-demokratie-2021/ 

Pressemitteilung der Leopoldina: https://www.leopoldina.org/presse-1/nachrichten/stellungnahme-digitalisierung-und-demokratie/

Aktualisiert von: ZeMKI