Detailansicht

ZeMKI-Forschungskolloquium mit Prof. Dr. Helen Manchester (University of Bristol, UK)

"Co-designing Sociodigital Ageing Futures", 14. Dezember 2022, 16:15 Uhr - 17:45 Uhr (CET), Linzer Str. 4, Raum 60.070, 28359 Bremen

Technologische Innovationen werden als zentraler Bestandteil unserer gesellschaftlichen Antworten auf die alternde Bevölkerung angesehen, aber die Vorstellung, dass "die Technologie uns retten wird", verkennt das reiche und vielfältige Leben älterer Menschen und berücksichtigt nicht die strukturellen Ungleichheiten. Als Reaktion darauf haben Wissenschaftler darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, die Zukunft als "im Entstehen begriffen" zu betrachten. Sie haben begonnen zu untersuchen, wie Praktiken der Mitgestaltung, an denen ältere Erwachsene und Praktiker neben Technologen und anderen beteiligt sind, Möglichkeiten bieten können, in die digitale Innovation einzugreifen und sie für zukünftige alternde Gesellschaften neu zu gestalten. Dieses Papier stützt sich auf Daten aus dem Projekt "Connecting through Culture as we Age", in dem untersucht wird, wie die Teilnahme an allen Formen von Kunst und Kultur, insbesondere an solchen, die digital zugänglich sind, das Wohlbefinden und das Gefühl der sozialen Verbundenheit im Alter beeinflussen kann. Wir arbeiten mit 20 Co-Forscher*innen im Alter von 60-75 Jahren zusammen, die entweder behindert oder sozioökonomisch oder rassisch benachteiligt sind. Die Mitforscher*innen wurden zu einem integrativen digitalen Innovationsprozess eingeladen, der darauf abzielte, ihre Stimmen, ihre Erfahrungen und ihr Fachwissen in den Mittelpunkt des Designprozesses zu stellen. Anhand der Daten aus diesem Projekt werde ich die Merkmale von Co-Design-Prozessen untersuchen, die eine integrativere technologische Innovation für eine gerechtere alternde Gesellschaft unterstützen könnten. Der Vortrag wird besonders auf die Machtverhältnisse eingehen, die die Verhandlungen über die Zukunft prägen, und die Frage stellen, inwieweit die Mitgestaltung einer alternden Zukunft Vorstellungen vom Altern schaffen kann, welche die gängigen Annahmen über sozial marginalisierte ältere Erwachsene in Frage stellen und verantwortungsvollere technologische Innovationen hervorbringen.

Helen Manchester ist Professorin für partizipative soziodigitale Zukünfte an der Universität Bristol. Helen interessiert sich für Partizipation, soziodigitale Zukünfte, Altern, Co-Design, soziale Vernetzung, Kultur und Kunst. Sie entwickelt methodisch innovative Forschungsansätze in Zusammenarbeit mit Künstlern*innen, Technologen*innen, Organisationen der Zivilgesellschaft und politischen Entscheidungsträgern*innen. Helen leitet derzeit das Projekt "Connecting through Culture as we Age: Digital Innovation for Healthy Ageing" und ist Co-I des ESRC Sociodigital Futures Centre. Zuvor hat sie eine Reihe von gemeinsam konzipierten Forschungsprojekten geleitet, die sich mit digitalen Technologien, materieller Kultur, Kunst und älteren Menschen befassen, darunter Tangible Memories: Community in care, Parlours of Wonder und Productive Margins: Isolation und Einsamkeit bei älteren Menschen. Ihre akademischen Arbeiten umfassen technologische Artefakte, Ausstellungen, soziale Aktionsgruppen und Performances. Sie war Mitherausgeberin einer Sonderausgabe des International Journal of Aging and Later Life (2022) mit dem Titel "Ageing with digital technologies: from theory to agency and practice" (Altern mit digitalen Technologien: von der Theorie zum Handeln und zur Praxis) und hat zahlreiche Artikel und Kapitel in den Bereichen Bildung, Soziotechnologie und kooperative Forschung veröffentlicht.

 

Aktualisiert von: ZeMKI