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Platform Governance and Copyright (H2020)

Verbundprojekt (2020 -2022)

Team: Prof. Dr. Christian Katzenbach, Adrian Kopps

Partner: HIIG, Scuola Superiore Sant’Anna (Italien), Universität Amsterdam (Niederlande)

Finanzierung: EU – Horizon 2020

Im Spannungsverhältnis zwischen Meinungsfreiheit und Urheberrecht spielen Social-Media-Plattformen eine wichtige Rolle. Dienste wie YouTube, Instagram und Facebook prüfen und löschen täglich Videos, Bilder und Texten von Millionen Nutzer*innen mit der Begründung, diese verstießen gegen Urheberrechte oder plattformeigenen Regeln: 

Damit greifen die Plattformen direkt in die nutzergenerierten Inhalte ein. Diese massive Beeinflussung des öffentlichen Diskurses ist (und bleibt) Auslöser globaler Auseinandersetzungen zwischen Plattformen, Regierungen, der Medienindustrie, Inhaltsproduzent*innen und Nutzer*innen.

Das Europaparlament hat 2019 eine umstrittene Urheberrechtsrichtlinie beschlossen mit die Ziel, das Urheberrecht der Europäischen Union an die Erfordernisse der digitalen Gesellschaft anzupassen und dabei auch das Machtgefälle zwischen Plattformen, Urheber*innen und Nutzer*innen zu verringern. Seitdem gibt es heftige Debatten über die genaue Umsetzung und die Folgen der Richtlinie. Insbesondere Artikel 17 (ehemals Artikel 13) hat zu Kontroversen geführt. Der Artikel macht Plattformen für die Inhalte verantwortlich, die sie zur Verfügung stellen, auch wenn diese nicht von den Plattformen selbst, sondern von Nutzer*innen veröffentlicht werden. Kritiker befürchten, dass Plattform vor diesem Hintergrund mehr noch als bislang automatische Filtersysteme einsetzen werden, die alle Inhalte blocken, die auch nur potentiell Urheberrechte verletzen – und damit öffentliche Debatten und kreative Inhalte massiv einschränken.

Das Projekt “Plattform-Governance und Urheberrecht” untersucht diese Wechselwirkungen aus zwei sich ergänzenden Perspektiven:

In der ersten Phase analysieren wir die Governance-Strukturen, die Plattformen entwickelt haben, um ein Gleichgewicht zwischen Meinungsfreiheit und der Kontrolle von Online-Inhalten zu erreichen: Wie funktionieren die Algorithmen, die Inhalte evaluieren? Welche Regeln nutzen Plattformen, um sowohl diese Algorithmen als auch das Verhalten von Nutzer*innen zu regulieren? Wie passen sich Plattformen dem öffentlichen Druck und gesetzlichen Vorgaben an?

In der zweiten Phase des Projekts untersuchen wir Folgen dieser Governance-Strukturen: Wie verändern sie das Informationsumfeld von Plattformen? Wie werden sie von Urheber*innen und Nutzer*innen verstanden und umgesetzt? Beschränken Artikel 17 und andere Bestimmungen der EU-Richtlinie die Vielfalt von Online-Inhalten? 

Die Erforschung dieser Fragen kann zeigen, ob die EU-Richtlinie die Vielfalt und Verfügbarkeit von Wissen und Kultur verändert. Um Antworten zu finden, führen wir umfangreiche Dokumentenanalysen durch, setzen digitale Methoden ein und befragen verschiedenste Akteure. 

Im Rahmen des HIIG-Forschungsschwerpunkts zu Plattform-Governance und europäischer Plattformökonomie baut das Projekt auf früheren Studien zur Meinungsfreiheit in quasi-öffentlichen Räumen und zur empirischen Urheberrechtsforschung auf.

Das Projekt ist Teil von reCreating Europe, einer europaweiten Initiative zur Erforschung des digitalen Urheberrechts, die vom EU-Rahmenprogramm Horizon 2020 finanziert wird. Zu den wichtigsten Partnern gehören neben dem HIIG unter anderem die Scuola Superiore Sant’Anna (Italien) und die Universität Amsterdam (Niederlande). 

Weitere Informationen sind hier abzurufen. 

: Prof. Dr. Christian Katzenbach
Prof. Dr.

Christian Katzenbach

Einrichtung Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung (ZeMKI)

Gebäude/Raum: LINZ6 60120
Telefon: +49 (0) 421 218 676 29
E-Mail: katzenbachprotect me ?!uni-bremenprotect me ?!.de