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Mediengenerationen

Die kommunikative Konstruktion von Vergemeinschaftung in mediatisierten Welten

Leitung: Prof. Dr. Andreas Hepp

ZeMKI Lab "Medienkultur und Globalisierung"

Gefördert durch die DFG

Laufzeit: 2014 - 2018

Mit fortschreitender Mediatisierung und insbesondere dem Mediatisierungsschub der Digitalisierung entstehen immer vielfältigere Möglichkeiten, Vergemeinschaftung mittels Medien herzustellen und zu erleben. Nachdem in den ersten beiden Phasen des Schwerpunktprogramms "Mediatisierte Welten" der Fokus der Forschung bereits auf junge (16 bis 30 Jahre) und ältere Menschen (nach Renteneintritt, ab 60 Jahre) gerichtet worden ist, liegt das Hauptaugenmerk in der dritten Förderphase nun auf Menschen der mittleren Altersgruppe zwischen 31 und 59 Jahren. Ziel des Projekts ist es, die alltagsweltlichen kommunikativen Vernetzungspraktiken dieser Menschen mittleren Alters im Hinblick darauf zu untersuchen, welche (neuen) mediatisierten Vergemeinschaftungshorizonte über die Aneignung (auch digitaler) Medien entstehen. Auf dieser Basis werden die medienbezogenen Herausforderungen untersucht, mit denen sich Menschen mittleren Alters im Hinblick auf Vergemeinschaftungsprozesse konfrontiert sehen. Gegenstand ist dabei ihre kommunikative Grenzziehung, ihre kommunikative Mobilität und ihre kommunikative Partizipation.

Im Rahmen des Schwerpunktprogramms 1505 "Mediatisierte Welten" beschäftigtsich das Projekt mit der kommunikativen Vernetzung und Gemeinschaftsbildung. Der methodische Zugriff erfolgt mittelseiner kontextualisierten Kommunikationsnetzwerkanalyse, die qualitative Interviews, offene Netzwerkzeichnungen und Medientagebücher kombiniert. Nachdem in den ersten beiden Förderphasen je 60 jüngere (16 bis 30 Jahre) und ältere (im Ruhestand und zwischen 60 und 88 Jahre alt) Menschen interviewt worden sind, stehen in der dritten Förderphase (2014 bis 2016) die Mittelalten (zwischen 31 und 59 Jahre) im Fokus der Untersuchung.Ziel des Projekts sind generationsspezifsche Aussagen über die Rolle von Medien bei der Konstruktion mediatisierter Vergemeinschaftungshorizonte - verstanden als das Gesamt der Gemeinschaften, denen sich ein Individuum zugehörig fühlt. Unser Kernargument ist dabei ein Verständnis von Mediengeneration als Prozessbegriff. Mediengeneration defnieren wir als Verdichtung einer oder mehrerer Altersgruppen, die in ihrer Medienaneignung einen spezifschen Erfahrungsraum von Mediatisierung teilen. Darüber hinaus zeichnet sich eine Mediengeneration durch ein Selbstverständnis als solche aus, das sich auf die eigene Medienbiografe stützt.

Die Prozessperspektive ergibt sich einerseits dadurch, dass im Lebenslauf verschiedene Erfahrungen bezogen auf bestimmte Lebensphasen gemacht werden. Andererseits zeichnet sich die mediengenerationelle Selbstpositionierung durch ein fortlaufendes "Doing" aus. An dieser Defnition sind drei Punkte von besonderer Bedeutung: Erstens besagt die Medienbezogenheit, dass sich unsere Aussagen ausschließlich auf die für eine Generation charakteristischen Medienerfahrungen beziehen und nicht auf ihren Erfahrungsraum insgesamt. Zweitens beinhaltet die mediengenerationelle Spezifk, dass unterschiedliche Mediengenerationen nicht mit homogenen Aneignungsweisen gleichzusetzen sind. Vielmehr stehen sie für Gesamtkonstellationen von Aneignungspraktiken, die im Biographieverlauf typische Mustervon Veränderungen aufweisen. Drittens schließlich steht die mediengenerationelle Positionierung für das Vorhandensein einer kollektiv geteilten Perspektive aufdie je eigene Mediengeneration. Das bedeutet, dass sich die Angehörigen einer Mediengeneration selbst gegenüber anderen Medien generationen positionieren. Vor dem Hintergrund jeweils prägender Medienumgebungen in der Kindheit bzw. Jugend sowie unterschiedlicher Biographiephasen beim Einsetzen des Mediatisierungsschubs der Digitalisierung können wir somit mindestens drei Mediengenerationen unterscheiden: die "digitale Mediengeneration", die "sekundär digitale Mediengeneration" und die "massenmediale Mediengeneration". Dabei zeigt unser Datenmaterial, dass die Rolle der Medien für die Gemeinschaftsbildung jeweils variiert. So greifen jüngere Menschen für ihre kommunikative Vernetzung auf eine größere Vielfalt an Medien zurück als ältere. Demgegenüber weisen die Älteren im Vergleich größere Unterschiede hinsichtlich der Zusammensetzung ihrer vergemeinschaftungsrelevanten Medienrepertoires auf. Diese reichen von klassischen (Fernsehen, Zeitung,Radio und Festnetztelefon) bis hin zu umfassend digitalen Medienrepertoires. Insgesamt zeigen unsere Ergebnisse, dass Mediatisierung nicht einfach eine eindimensionale Transformation des Gemeinschaftslebens zur Folge hat. So nutzen bspw. auch Mitglieder der digitalen Mediengeneration 'neue Medien', um sich in herkömmlichen Vergemeinschaftungshorizonten zu vernetzen. Der Mediatisierungsschub der Digitalisierung hat somit durch alle Mediengenerationen hinweg einen fundamentalen Einfluss auf die Art und Weise,wie Gemeinschaftsleben kommunikativ hergestellt wird. Die mediatisierten Vergemeinschaftungshorizonte selbst bleiben dabei allerdings überraschend stabil.

: Prof. Dr. Andreas Hepp
Prof. Dr.

Andreas Hepp

Einrichtung Historische Publizistik, Kommunikations- und Medienwissenschaft (IPKM),
Einrichtung Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung (ZeMKI)

Gebäude/Raum: LINZ4
Telefon: +49 (0) 421 218 676 20
E-Mail: andreas.hepp[at]uni-bremenprotect me ?!.de

Aktualisiert von: Florian Maier