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Forschungssoftware

  • MedTAG & MedSORT

    Die ZeMKI Forschungssoftware

Das ZeMKI ist auch mit der Entwicklung von Software zur Unterstützung der Forschung in Bezug auf Mediennutzung und Medienhandeln befasst. Zurzeit liegt der Schwerpunkt auf der Weiterentwicklung von zwei mobilen Anwendungen und webbasierten Instrumenten zur Sammlung und Analyse von medienübergreifenden Nutzungsdaten. Zum einen ist dies die Medientagebuch-App MedTag, zum anderen MedSort, eine APP für Q Method Sortierstudien. Beide Antwendungen existieren bereits als Prototypen und werden in verschiedenen Forschungsprojekten getestet.

MedTAG

MedTAG

MedTag ist ein Softwaresystem zur Erfassung, Auswertung und Visualisierung teilstandardisierter Medientagebuchdaten.

Dabei dient die MedTag-App zur digitalen Dokumentation der Mediennutzung per Smartphone. Mit MedTag-Analyze steht eine browser-basierte Plattform zur Verfügung, auf der diese Daten dann tiefergehend analysiert und zueinander in Beziehung gesetzt werden können. Damit ermöglicht MedTag-Analyze schließlich eine grafische Darstellung der kontextualisierten Mediennutzungsdaten im Zeitverlauf.

Das Grundprinzip des Medientagebuchs liegt darin begründet, Medienaneignung in ihrer Vielfalt in einem bestimmten Zeitraum zu erfassen und sichtbar zu machen. Dazu werden Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur Beobachtung und Dokumentation ihrer eigenen Praktiken medienvermittelter Kommunikation angeregt. Neben den basalen zeitlichen und medienbezogenen Daten, die Aufschluss darüber geben, wann welche Medien genutzt werden, können je nach Bedarf zusätzliche Kontextinformationen z. B. hinsichtlich spezifischer räumlicher, personeller oder inhaltlicher Aspekte miterhoben werden. Die eingegebenen Daten können im Anschluss analytisch aufbereitet und visualisiert werden. Als Resultat lassen sich Medienaneignungsprozesse im Verlauf abbilden, wodurch die Muster kommunikativer Vernetzung sichtbar werden.

MedSORT

MedSort ist ein grafisches Interface für das digitale Design, die Durchführung und das Datenmanagement von Q-Sort Studien. Die App ist für Android Tablets optimiert. MedSort basiert auf der App qResearch, die Studierende der Informatik an der Universität Bremen im Rahmen eines BA-Projekts entwickelt haben (http://eresearch.informatik.uni-bremen.de). MedSort verbindet klassisch standardisierte Q-Sortierstudien mit verschiedenen Elementen qualitativer Datenerhebung.

Zentrale Merkmale von MedSort sind das intuitive Handling der zu sortierenden Gegenstände aufseiten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie die Möglichkeit, grafische Items wie Fotografien oder andere Bilder zu verwenden (siehe Abbildung). Bezüglich des Layouts standardisierter Sortierungen bietet MedSort die Möglichkeit, die Pyramide an die Anforderungen der jeweiligen Studie anzupassen und entsprechende Items anzulegen. Ferner können Fragebögen vor und nach den Sortiervorgang geschaltet werden. Datensätze können problemlos zusammengeführt und für die statistische Analyse per SPSS oder PQMETHOD exportiert werden. Im Bereich qualitativer Datenerhebung besteht die Möglichkeit Interviewmitschnitte und Notizen anzufertigen. Darüber hinaus werden die Schritte jedes einzelnen Sortiervorgangs in einem ausführlichen Logging dokumentiert und auf übersichtliche Art und Weise dargestellt. Zusammengenommen erlauben diese Funktionalitäten detaillierte Analysen sowohl des Sortierergebnisses als auch der Bedeutungsherstellung während des Sortierprozesses.

    Als Alternative zur papierbasierten Erfassung von Medientagebuchdaten lässt sich die MedTag-App aus dem Web herunterladen und auf ein Smartphone installieren (aktuell werden Android und iOS unterstützt). Der Vorteil liegt in der mobilen und lebensweltnahen Art und Weise der Datenerfassung. So haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, ihre zum Teil auch mobile Mediennutzung unterwegs und unmittelbar eingeben zu können.

    Die intuitiv gestaltete Benutzeroberfläche der MedTag-App bietet nach dem Login im Wesentlichen zwei Funktionen: das Anlegen eines neuen Eintrags und das Aufrufen der bisherigen Einträge zur Überarbeitung oder Ergänzung. So fragt die Funktion „NEU“ zunächst nach der zeitlichen Ebene (Datum sowie Anfang und Ende des kommunikativen Aktes). Die Bestimmung des genutzten Mediums erfolgt durch eine mehrstufige, per Drop-Down-Menü gesteuerte Auswahlheuristik. Angaben bezüglich Ort und Kommunikationspartner sind ebenfalls vorstrukturiert, Angaben zum Inhalt des kommunikativen Austauschs können frei erfolgen. Nach jedem Eintrag wird der Datensatz mit dem Server synchronisiert.

    MedTag-Analyze ist eine browser-basierte Plattform, die sowohl die manuelle Erfas-sung von Medientagebüchern auf Papier als auch den Import von Datensätzen der MedTag-App erlaubt. Die Architektur von MedTag-Analyze ermöglicht eine betriebssystemübergreifende Anwendung ohne Installation.

    Hinsichtlich dem Anlegen von Projekten, Nutzern und der jeweiligen Rechtedistribution ist MedTag-Analyze grundlegend flexibel gestaltet. Darüber hinaus besteht einerseits die Option zur offenen Definition von Medien, andererseits die Definition spezifischer Enti-täten. Der zentrale analytische Prozess besteht darin, die einzelnen Mediennutzungsereignisse zu den definierten Entitäten in Beziehung zu setzen. Dabei lassen sich Medien wie auch Entitäten während des Analyseprozesses zu alternativen Sinneinheiten gruppieren.

    Im Kern der Plattform steht ein Visualisierungstool, das die Medien-Entitäts-Verknüpfungen im Zeitverlauf darstellt. Dabei bestehen auch hier vielfältige Optionen bezüglich der angezeigten Zeitintervalle, der Achsenbelegung sowie der Farbgebung und weiterer Aspete. Auf diese Weise fügt MedTag-Analyze die eingegebenen Daten visuell zusammen und ermöglicht so eine weiterführende Interpretation der spezifischen Aneignungsmuster von Medien im Alltag.

     

    MedTag App für iOS.

    MedTag App für Android

     

     

     

     

     

     

     

     

     

    Relevante Publikationen

    Ziel von MedTag ist es, als ein Softwaresystem die qualitative Netzwerkanalyse zu unterstützen. Dabei fügt sich MedTag in die folgenden methodischen Überlegungen ein:

    • Hasebrink, U. / Hepp, A. (2017): How to research cross-media practices? Investigating media repertoires and media ensembles. In: Convergence: The International Journal of Research into New Media Technologies, First published date: April-07-2017, doi:10.1177/1354856517700384.
    • Hepp, Andreas/Roitsch, Cindy/Berg, Matthias (2017): Kontextualisierte Kommunikationsnetzwerkanalyse: Qualitative Netzwerkanalyse in der Kommunikations- und Medienforschung am Beispiel der mediatisierten Vergemeinschaftungshorizonte junger Menschen. In: Hollstein, Betina/Straus, Florian (Hsg.): Qualitative Netzwerkanalyse: Konzepte, Methoden, Anwendungen. 2. Auflage. Wiesbaden: Springer VS, im Erscheinen.
    • Hepp, Andreas/Roitsch, Cindy/Berg, Matthias (2016): Investigating communication networks contextually: Qualitative network analysis as cross-media research. In: MedieKultur 32(60), 87-106.
    • Hepp, Andreas/Berg, Matthias/Roitsch, Cindy (2014): Mediatisierte Welten der Vergemeinschaftung: Kommunikative Vernetzung und das Gemeinschaftsleben junger Menschen. Wiesbaden: Springer VS.
    • Berg, Matthias/Düvel, Caroline (2012): Qualitative media diaries: An instrument for doing research from a mobile media ethnographic perspective. In: Interactions: Studies in Communication & Culture, 3 (1), S. 71-89.
    • Hepp, Andreas (2011a): Netzwerke, Kultur und Medientechnologie: Möglichkeiten einer kontextualisierten Netzkulturforschung. In: Hartmann, Maren/Wimmer, Jeffrey (Hrsg.): Digitale Medientechnologien. Wiesba-den: VS, S. 53-74.34.
    • Hepp, Andreas (2011b): Kommunikationsnetzwerke und kulturelle Verdichtungen: Theoretische und metho-dologische Überlegungen. In: Fuhse, Jan/Stegbauer, Christian (Hrsg.): Kultur und mediale Kommunikation in sozialen Netzwerken. Wiesbaden: VS, S. 13-29.
    • Hepp, Andreas/Berg, Matthias/Roitsch, Cindy (2011c): Mono-thematic and multi-thematic horizons of mediatized communitization: patterns of communicative networking and mediated belonging. In: Studies in Communication and Media, 1 (2), S. 3-34

    Relevante Publikationen

    Aktualisiert von: Denise Tansel