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Kompetenzbereich Digitale Methoden im Kontext

Digitale und vernetzte Medien durchdringen und bedingen zusehends mehr Bereiche des Lebens. Digitale Spuren haben ein enormes Potential, um gesellschaftliche Phänomene zu verstehen. Die Analyse der damit verbundenen kommunikativen, sozialen und technologischen Prozesse setzt eine umfassende Kenntnis der durch Digitalisierung erzeugten Datenquellen und der adäquaten Verfahren für ihre Erhebung, Nutzbarmachung und Auswertung voraus. Daten liegen nicht abstrakt vor. Ihre Kontexte und die grundlegenden methodologischen und erkenntnistheoretischen Themen müssen beachtet werden, um ausgehend von Daten Konzepte zu entwerfen, Forschungsfragen zu beantworten und wissenschaftliche Schlüsse zu ziehen.

Am ZeMKI werden digitale Methoden eingesetzt und weiterentwickelt, um Fragen der tiefgreifenden Mediatisierung, Digitalisierung und Datafizierung angemessen zu erforschen. Unter digitalen Methoden verstehen wir eine Reihe neuartiger, qualitativer wie quantitativer computergestützter Verfahren zur Analyse digitaler Spuren, wie sie zunehmend auch innerhalb der Kommunikations- und Medienforschung angewendet werden. Das umfasst die Nutzung kommerzieller Software und kommandozeilenbasierter Computerschnittstellen. Beispiele hierfür sind durch Crawler gestützte oder auf Programmierschnittstellen (APIs) basierende Netzwerkanalysen, das Textmining, der Einsatz von Maschinenlernverfahren und verschiedene Methoden der digitalen Ethnografie.

Solche Methoden gewinnen durch das Datenwachstum im Zuge der tiefgreifenden Mediatisierung, Digitalisierung und Datafizierung an Bedeutung. Diese Prozesse prägen und kennzeichnen Entwicklungen in verschiedenen Forschungsfeldern, die im Fokus der Forschung am ZeMKI stehen, wie beispielsweise Alltagsleben, Bildung, Politik, Populärkultur oder Religion. Digitale Methoden werden aber etablierte Erhebungs- und Auswertungsverfahren nicht ersetzen, sondern ergänzen und erweitern: Digitale Methoden erfassen die anhand digitaler Spuren beobachtbaren Aspekte des Nutzerverhaltens, von denen dann Inferenzschlüsse etwa im Hinblick auf Motive oder den subjektiven Sinn der jeweiligen Praktiken als auch die strukturellen und einstellungsbezogenen Aspekte von Kommunikationsprozessen und Akteuren gezogen werden können. Um die Validität solcher Schlussfolgerungen beurteilen zu können, ist die Integration und Triangulation erprobter qualitativer, kultur- und sozialwissenschaftlicher Methoden sowie bestehender quantitativ-schließender Verfahren mit innovativen digitalen Methoden notwendig. In solchen Methodenkombinationen liegt eine spezielle Expertise des ZeMKI. Ein besonderer Schwerpunkt des ZeMKI ist dabei auch die Entwicklung eigener Forschungssoftware. Außerdem erfordern die Erhebung und Nutzung digitaler Daten eine vertiefte Beschäftigung mit den ethischen Implikationen und den notwendigerweise zu treffenden forschungsethischen Vorkehrungen.

Leitfragen des Kompetenzbereichs Digitale Methoden im Kontext sind: Wie befördert die Beschäftigung mit digitalen Plattformen und Kommunikationsproessen die Integration von qualitativen und quantitativen Methoden der Geistes- und Sozialwissenschaften? Welche Arten von Kombinationen von digitalen mit etablierten empirischen Methoden können sich wie ergänzen? Wie können wir sicherstellen, dass theoriebasierte Fragen – und nicht die bloße Verfügbarkeit von Daten – unsere Einsichten in neue Phänomene steuern? Welche Lehrmethoden und Lehrpläne sind dazu geeignet, die notwendigen methodischen Fertigkeiten an Studierende und Forschende zu vermitteln? Wie lässt sich die zunehmende Automatisierung von Kommunikation mittels „communicative robots“ (bots, sprachbasierte digitale Assistenten etc.) erforschen?

Aktualisiert von: ZeMKI