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Geschlechtergerechte Vielfalt

Grundlage für diesen Schwerpunkt der Zentralen Frauenbeauftragten ist das Paradigma der Intersektionalität. Es bezeichnet die Wechselwirkungen, d.h. interdependenten Kategorien /Konfigurationen (vgl. Gutiérrez Rodríguez 1996; Walgenbach 2017), von in sich heterogen strukturiert konzeptualisierten Kategorien (z.B. Klasse, Geschlecht, Rasse, Körper, Alter, Sexualität, Nation et_cet_era) und bezieht sich ausschließlich auf die Analyse von ungleichheitsgenerierenden Macht- bzw. Herrschaftsverhältnisse, symbolischer Repräsentationen und Identitätskonstruktionen (vgl. Winker/Degele 2010; Lenz 2010; Chebout 2011; Soziologiemagazin 2013). Die Frage nach dem Verhältnis, der Vielfalt der Kategorien, deren Gewichtung und Analyseebenen treibt das Feld um. Hier wurden/werden und sollen notwendige Präzisierungen und Konkretisierungen vorgenommen werden, um Beliebigkeit zu vermeiden (Winker/Degele 2010). Auf der anderen Seite orientiert sich Diversität an Differenzkategorien/-linien, d.h. vielfältigen Unterscheidungen in Organisationen, und deren Verhältnisbestimmung (vgl. Krell 2004). Die Vielzahl an Differenzkategorien/-linien ist dabei offen erweiterbar, z.B. Leistungsheterogenität, Fachkompetenz, Gender, Sexualität, Race/Hautfarbe, Ethnizität, Nationalität/Staat, Kultur, Klasse, Gesundheit, Alter, Sesshaftigkeit/Herkunft, Besitz, Nord-Süd/Ost-West, Religion, gesellschaftlicher Entwicklungsstand (modern/traditionell) (vgl. Lutz/Wenning 2001). Zu fragen ist dabei immer auf welche Art von Diversität abgestellt wird, welches Verständnis von Diversität herangezogen wird und welche Differenzkategorien/-linien im jeweiligen Kontext konstruiert werden. Die Verhältnisbestimmung der Differenzkategorien/-linien, die mit den einzelnen Differenzkategorien/-linien verbundene Reichweite der Diskriminierungen und die zugrunde liegenden Ursachen sind je nach Kontext zu konzeptualisieren und konkretisieren (vgl. Bührmann/Schönwälder 2017).

Im Kontext der Universität Bremen wird ein umfassendes Diversity Management betrieben. Diversitätsaspekte werden in allen Konzepten, Leitlinien sowie Maßnahmen in Lehre, Studium, Forschung und Verwaltung nachhaltig verankert.  

Für die Arbeit der Zentralen Frauenbeauftragten bedeuten die oben dargestellten Konzepte, dass Maßnahmen nicht auf die gesetzlich vorgegebene Frauenförderung anzuwenden sind, ohne ihre Wechselwirkungen mit anderen interdependenten Kategorien zu beachten. Deshalb fokussiert dieser Arbeitsschwerpunkt der Zentralen Frauenbeauftragten auf intra- (interdependente) kategoriale Komplexität (vgl. McCall 2005; Walgenbach 2017). Aktuell sind Fragen der Vermittlung und der Wechselwirkungen von interdependenten Kategorien im Brennpunkt der Arbeit der Zentralen Frauenbeauftragten an der Universität Bremen.

 

Die Zentrale Frauenbeauftragte unterstützt die Universität Bremen in diesem Schwerpunkt wie folgt:

Strong is the new PRETTY

"What a feminist economist looks like" (or something like that)."

Stephanie Seguino seeks to challenge stereotypes and neat categorizations. On her website she shows photographs of members of the International Association for Feminist Economics in New Paltz, NY for one day, during the June 2018 conference.

Zur Einführung eines Geschlechtervielfaltsgesetzes

Die Bremer Juristin Konstanze Plett hat dazu beigetragen, das Bundesverfassungsgericht von der Dringlichkeit der Anerkennung von Intersexualität zu überzeugen.

Positionspapier: Schutz und Akzeptanz von geschlechtlicher Vielfalt (21.September 2017, BMFSFJ)

Geschlechtervielfalt im Recht. Status quo und Entwicklung von Regelungsmodellen zur Anerkennung und zum Schutz von Geschlechtervielfalt (Althoff et al. 2017)

Entwurf eines Gesetzes zur Änderung der in das Geburtenregister einzutragenden Angaben (05.06.2018, Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat)

Stellungnahme des deutschen Juristinnenbundes zum Referentenentwurf des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat: Entwurf eines Gesetzes zur Änderung der in das Geburtenregister einzutragenden Angaben (Stand: 5. Juni 2018). 

Änderung des Personenstandsgesetz: Deutscher Bundestag, stenografscher Bericht 71. sitzung, Berlin, Donnerstag, den 13. Dezember 2018


 

Forum Wissenschaft 3/2018: 11.09.2018: Queerness und Wissenschaft. Zwischen Diskriminierung und Emanzipation