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Promotionsprojekt Englisch

Anbahnung kulturellen Lernens mit Street Art in heterogenen Lerngruppen im Englischunterricht der Sek. I

Doktorandin: Larena Schäfer - Betreuerin: Prof.Dr. Sabine Doff

Das Promotionsvorhaben bildet das Englisch-Teilprojekt der Creative Unit "Fachbezogene Bildungsprozesse in Transformation". Entsprechend der Methodologie Design-Based Research soll ein kulturdidaktisches Lehr-Lernarrangement in zwei aufeinanderfolgenden Zyklen von Gestaltung, Durchführung, Analyse und Re-Design in zwei Inklusionsklassen des Jahrgangs 9 einer Bremer Oberschule erprobt werden. Im Sinne der Metapher des third space wird der Englischunterricht als hybrider Diskursraum verstanden, in dem unterschiedliche kulturelle Sphären aufeinandertreffen (vgl. Freitag-Hild 2010: 42f.). Die vielfältigen kulturellen Erfahrungen und Sichtweisen der Lernenden können in diskursiven Aushandlungsprozessen in den Unterricht einbezogen und die Rolle der Lernenden als kulturelle Handlungsträger dadurch gestärkt werden. Aus diesem Grund liegt der Fokus der Studie auf der Initiierung und Beschreibung dieser Prozesse. Es wird gefragt, mit Hilfe welcher Lerninhalte, Aufgabenformate und Unterstützungsmittel sich diskursive, kulturelle Aushandlungsprozesse in der Sek. I initiieren lassen. Ferner gilt es zu beschreiben, wie sich diese Prozesse gestalten und mit welchen eventuellen Hürden zu rechnen ist und was deren Ursachen sein können.

Das Projekt knüpft auf der Makro-Ebene an die Bremer Oberschulreform an. An der Oberschule lernen in der Sek. I I alle SchülerInnen gemeinsam in inklusiven Lerngruppen – eine Leistungsselektion erfolgt erst durch die Versetzungsentscheidung in die gymnasiale Oberstufe am Ende der Klasse 10. Um der großen Heterogenität der Lernenden in der Sek. I gerecht zu werden, gilt es Prinzipien der Individualisierung des Lernens (vgl. Hallet 2011) zu berücksichtigten. Dazu sollen individualisierende Aufgabenformate und Unterstützungsmittel (Scaffolding) in das Lehr-Lernarrangement integriert und evaluiert werden. Neben diesen schulischen Veränderungen greift das Projekt gesellschaftliche Entwicklungen auf, die die Perspektive auf kulturelle Lernprozesse und Lerninhalte beeinflussen. In Zeiten von Globalisierung, gewaltigen Reise- und Migrationsbewegungen und weltweiter Internetkommunikation wachsen SchülerInnen in sprachlich und kulturell diversifizierten Gesellschaften auf. Individuen können nicht länger in oder zwischen bestimmten Kulturen verortet werden, sondern zeichnen sich oftmals durch ihre kulturelle "Hybridität" (Foroutan 2013) aus. Im Bundesland Bremen beispielsweise hat der Bildungsbericht "Bildung – Migration – soziale Lage" von 2012 gezeigt, dass ein Großteil der Schülerschaft mehrsprachig aufwächst, woraus auch eine kulturelle Hybridität der Lernenden abgeleitet wird. Der Englischunterricht greift diese Veränderungen und ein hybrides Verständnis heutiger Lebenswelten bisher nur in unzureichender Weise auf (vgl. Hallet 2011: 19). Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit, eine "Pluralisierung des Inputmaterials" (Hallet 2011: 18) im Englischunterricht zu erreichen, die die gesellschaftliche Pluralisierung von kulturellen Sinn- und Deutungsangeboten abbildet und eine Auseinandersetzung damit ermöglicht. Street Art wird als ein geeignetes Medium gesehen, welches (sub)kulturelle, teils kontroverse Deutungsangebote beinhaltet und anhand dessen diskursive Aushandlungsprozesse ausgelöst werden können (vgl. Dausend 2014). Das Genre soll daher als kultureller Inhalt didaktisch spezifiziert werden, um dann dazugehörige kulturdidaktische Lernaufgaben zu konzipieren und zu erproben.

Literatur

Dausend, Henriette (2014), Transcultural Art: Mit Street Art transkulturelle Lernprozesse initiieren. In: Matz, Frauke et. al. (Hrsg.), Transkulturelles Lernen im Fremdsprachenunterricht. Theorie und Praxis. Frankfurt am Main: Peter Lang, 89–101.

Foroutan, Naika (2013), Hybride Identitäten. Normalisierung, Konfliktfaktoren und Ressourcen in postmigrantischen Gesellschaften. In: Brinkmann, Heinz Ulrich & Uslucan, Haci-Halil (Hrsg.): Dabeisein und Dazugehören. Integration in Deutschland. Wiesbaden: Springer VS, 85–99.

Freitag-Hild, Britta (2010), Theorie, Aufgabentypologie und Unterrichtspraxis inter- und transkultureller Literaturdidaktik. British Fictions of Migration im Fremdsprachenunterricht. Trier: Wissenschaftlicher Verlag Trier.

Hallet, Wolfgang (2011), Lernen fördern. Englisch. Kompetenzorientierter Unterricht in der Sekundarstufe 1. Seelze: Kallmeyer.

Aktualisiert von: Nina Sørensen