Digi-Spotlights

Transferpaket
Die Publikation versteht sich als Ideengeber für die universitäre Lehre in der Lehrerbildung in Gestalt eines sogenannten Transferpakets. Sie berichtet über Ergebnisse des Teilprojekts „Spotlights-Lehre“ des Projekts „Schnittstellen gestalten – Lehrerbildung entlang des Leitbildes des Reflective Practitioner an der Universität Bremen“ in der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“.
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Varieties of English in Foreign Language Teacher Education — digital
Ausgangslage und Problemaufriss
Das Teilprojekt greift aus fachwissenschaftlicher Perspektive ein inhaltliches Desiderat in der Ausbildung von Englischlehrkräften an der Schnittstelle von Sprachwissenschaft und Fremdsprachendidaktik auf und setzt dabei zugleich an einer zentralen und umwälzenden Entwicklung an, die alle Disziplinen des Fachs betrifft: die Herausbildung anglophoner Gesellschaften im Zuge der Ausbreitung und Diversifizierung des Englischen während des 20. Jahrhunderts, und die Etablierung der englischen Sprache als globale ‚lingua franca‘ des 21. Jahrhunderts. Für die universitäre Ausbildung von Englischlehrkräften, die überwiegend selbst keine Muttersprachler:innen des Englischen sind, sowie für den schulischen Englischunterricht stellt sich damit die Frage nach der zu verwendenden Standardvarietät bzw. -varietäten und in welcher Weise die sprachliche Vielfalt des Englischen im Studium sowie deren Implikationen für den schulischen Englischunterricht angemessen thematisiert werden können.
Hinzu kommt mit Blick auf die Zielsetzung des Teilprojekts „Digi-Spotlights“ die in den Philologien traditionell nebeneinander bestehende Disziplinenvielfalt, die von Lehramtsstudierenden oftmals als unzusammenhängend und wenig aufeinander bezogen erfahren wird. Trotz einiger Initiativen, die eine engere sowie systematischere Verzahnung von Sprachwissenschaft und Fachdidaktik anstreben und auch auf ausbildungspraktischer Ebene einfordern, werden in der universitären Ausbildung von Englischlehrkräften in Deutschland bislang kaum Lehrveranstaltungen angeboten, in denen sprachwissenschaftliche und fremdsprachendidaktische Inhalte und Fragestellungen systematisch curricular verbunden werden.
Lehrkonzept an der Schnittstelle von Sprachwissenschaft, Fremdsprachendidaktik und Unterrichtspraxis
Um die oben beschriebenen Desiderata aufzugreifen wurde ein Lehrkonzept für die universitäre Ausbildung von Englischlehrkräften entwickelt, das sprachwissenschaftliche, fremdsprachen-didaktische und unterrichtspraktische Elemente in drei Schritten in Form eines integrierten Konzepts miteinander verzahnt. Das Konzept besteht aus zwei inhaltlich aneinander gekoppelten Seminaren und einer anschließenden schulischen Praxisphase:
- Phase 1 (fachwissenschaftliches Seminar): fachwissenschaftliche Aufbereitung zentraler Konzepte und Modelle zum Themenkomplex “World Englishes”; eingehende Beschreibung der sprachlichen Besonderheiten und des soziolinguistischen Kontexts einiger exemplarisch ausgewählter Varietäten; Aufzeigen der Relevanz dieser für den Englischunterricht;
- Phase 2 (fachdidaktisches Seminar): didaktische Problematisierung und Reflexion; Möglichkeiten der Anbindung an die Curricula; Sichtung und kritische Evaluation existierender Lehr- und Lernmaterialien; Entwicklung von Unterrichtsentwürfen und neuer Lehr- und Lernmaterialien;
- Phase 3 (schulische Praxisphase): Durchführung von Unterrichtsprojekten und Erprobung von Lehr- und Lernmaterialien in Zusammenarbeit mit Partnerschulen; anschließende Evaluation und Begleitforschung.
Die Entwicklung des Konzepts wird ausführlich beschrieben in: Callies, M., Haase, H. & Hehner, S. (2022). An integrated approach to introducing TEIL in language teacher education at the interface of linguistics, language education and teaching practice. In M. Callies, S. Hehner, P. Meer, & M. Westphal (Hg.), Glocalising Teaching English as an International Language: New perspectives for teaching and teacher education in Germany. London und New York: Routledge, 9-27.
Das Konzept beruht grundlegend auf der Verzahnung sprachwissenschaftlicher Inhalte, fremdsprachendidaktischer Reflexion und Aufbereitung sowie der Entwicklung und Erprobung von Unterrichtsprojekten in der Schulpraxis. Angehende Englischlehrkräfte entwickeln dabei ein Bewusstsein für die Relevanz der Thematik auch über Schulcurricula hinaus. Das Projekt trägt zusätzlich zur Stärkung der Identifizierung mit dem Studienfach durch Reflexion über die eigene Sprachlernbiographie sowie eine Schärfung des Selbstverständnisses als fachliche Expert:in bei. Entscheidend für die Vernetzung und das nachhaltige Gelingen des Veranstaltungskonzepts ist dabei die echte inhaltliche und curricular-strukturelle Verknüpfung von Fachwissenschaft und Fachdidaktik sowie Theorie und Praxis an beiden Lernorten (Universität und Schule). Der unterrichtspraktischen Komponente kommt daher eine besondere Bedeutung zu, wenngleich dies für die Studierenden eine erhebliche Mehrarbeit bedeutet. Die Stärkung von Praxisbezügen im Studium hat sich dabei als entscheidender Katalysator für die Initiierung einer reflexiven Handlungspraxis erwiesen.
Die Schaffung curricularer Kohärenz und die Übertragbarkeit des Konzepts auf andere plurizentrische Sprachen wird ausführlich beschrieben in: Callies, M. & Hehner, S. (2023). Pluricentric languages in university teacher education: Towards increased curricular coherence. In M. Callies & S. Hehner (Hg.), Pluricentric Languages and Language Education. Pedagogical Implications and Innovative Approaches to Language Teaching. New York: Routledge, 202–216.
Mit Beginn des Wintersemesters 2023/24 wird durch eine Änderung der Modulstruktur im M.Ed. Englisch die curriculare Verstetigung des Lehrkonzepts erreicht werden. Im neu geschaffenen Vernetzungsmoduls “LINK” (3. Semester), das allen Fachwissenschaften offensteht, werden fachwissenschaftliche und fachdidaktische Seminare und Inhalte systematisch aufeinander bezogen.
Der Transfer von Projektergebnissen findet sowohl international auf der Ebene der Varietäten des Englischen als auch im Hinblick auf die Übertragung auf andere Philologien plurizentrischer Sprachen statt:
1) Austausch und Vernetzung mit anderen Standorten in Deutschland und weltweit
[Partner im internationalen Netzwerk ELINET]
elinet.org.uk/about/our-team
[Sammelband “Glocalising Teaching English as an International Language”]
www.taylorfrancis.com/books/edit/10.4324/9781003090106/glocalising-teaching-english-international-language-marcus-callies-stefanie-hehner-philipp-meer-michael-westphal
2) Übertragung auf andere Philologien plurizentrischer Sprachen (Spanisch, Französisch, Portugiesisch, Niederländisch, Deutsch)
[Symposium “Pluricentric languages and foreign language teaching”]
blogs.uni-bremen.de/pluricentriclanguages/
[Sammelband “Pluricentric Languages and Language Education”]
www.taylorfrancis.com/books/oa-edit/10.4324/9781003248552/pluricentric-languages-language-education-marcus-callies-stefanie-hehner
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Spotlight-Y-Digimath
Ausgangslage und Problemaufriss
Der Übergang von der Schule in die Hochschule ist für viele Studierende der Mathematik schwierig, da sie die universitäre Fachwissenschaft sowohl aufgrund ihrer inhaltlichen Ausrichtung als auch aufgrund ihrer epistemologischen Praktiken (z. B. Vollstedt et al. 2014; Bauer, Müller-Hill, Weber 2020) von der Schulmathematik entfernt wahrnehmen. Nach dem Studium wird es wiederum als große Herausforderung gesehen, das gelernte fachliche Wissen für den Schulunterricht zu nutzen.
Durch die curriculare Verzahnung und inhaltliche Vernetzung von Fachwissenschaft und Fachdidaktik in diesem Modellprojekt wird die fachliche Kompetenz für die Schule vertieft und die fachliche Identität der zukünftigen Lehrkräfte gestärkt, indem modellhaft das Anwenden von Fachwissen zur Konstruktion von Lernumgebungen für Schülerinnen und Schüler aus Leistungs- und guten Grundkursen eingesetzt wird.
Konkret wurde das sogenannte „Y-Modell“ als Lehrkonzept für die Veranstaltung zur Funktionentheorie entwickelt und erprobt, in dem eine Fachvorlesung nach zwei Dritteln der Zeit in zwei Y-Zweige aufgeteilt wird: Der Lehramtszweig bereitet durch professionsspezifisches Fachwissen in Kombination mit einer parallel laufenden Didaktikveranstaltung die Konstruktion von Lernumgebungen zum Inhalt der Vorlesung vor. Diese Lernumgebungen werden für Schülerinnen und Schüler entwickelt und mit ihnen an einem Tag für eXperimentelle Mathematik in der SII (XMaSII) eingesetzt.
In Bezug auf die Zielsetzung des Gesamtprojekts „Schnittstellen gestalten“, Lehrkräfte als „reflective practitioner“ auszubilden, klären und reflektieren die Studierenden fachwissenschaftliche und fachdidaktische Fragestellungen sowie die Rolle, in der sie sich selbst wahrnehmen, in geleiteten e-Portfolios auf der Plattform p:ier.
Die Inhalte, die die Studierenden in ihrer Lernumgebung dargestellt haben, bleiben im Vergleich zum Fachwissen zu den Grundbegriffen der Funktionentheorie länger verfügbar. Das Zusammenbringen von fachwissenschaftlichen und fachdidaktischen Ideen geschieht vielfach verdeckt: Mehrere Studierende benutzen zwar fachdidaktische Ideen, um ihre Lernumgebungen zu gestalten und zu beschreiben, äußern jedoch umgekehrt, dass sie diese Ideen oft gar nicht explizit nutzen würden.
Explizite Strategien der Studierenden, um Fachwissenschaft und Fachdidaktik zu vernetzen, konnten festgestellt werden, wenn sich Studierende über Analogien zwischen ihren eigenen Lernerfahrungen (in der eigenen Schulzeit oder jetzt an der Universität) und denen ihrer zukünftigen Schülerinnen und Schülern bewusst werden. Genauso tritt Vernetzung auf, wenn Studierende den „fachlichen Kern“ eines Inhaltes in der Tiefe durchdringen, um ihn dann für Schülerinnen und Schüler zugänglich zu machen. Dabei nutzen sie vertieftes Fachwissen vom höheren Standpunkt, das sie in der Mathematikvorlesung erworben haben und nun authentisch und mathematisch integer für Schülerinnen und Schüler greifbar machen. Inwiefern die Vernetzung von Fachwissenschaft und Fachdidaktik im Denken und Handeln der Studierenden durch wechselseitige Bezüge zwischen dem lehramtsspezifischen Y-Teil der Funktionentheorie und dem Fachdidaktikseminar systematisch angebahnt wird, ist in Hanke & Schäfer (2020) nachzulesen.
Nahezu alle Studierenden, die am Projekt teilgenommen haben, betonen, dass die Praxiserfahrung für sie von großer Bedeutung ist, da sie nicht nur Material für eine unbekannte Lerngruppe erstellen, sondern auch konkret umsetzen. Das Projekt Spotlight-Y-Digimath begegnet also dem Bedürfnis der Studierenden nach konkreter Praxiserfahrung aus der Fachwissenschaft heraus. Die Studierenden können dadurch ihr eigenes Lehrerhandeln außerhalb von Schulpraktika reflektieren, um daraus für die Zukunft zu lernen.
Das im Projekt erfolgreich etablierte Y-Modell wurde im Rahmen des Moduls „Funktionentheorie“ (MGy4) im Curriculum in der Re-Akkreditierung des Studienganges verankert. Dies ist durch die Programmevaluation 2020 bestätigt worden. Ab 2022 ist der Einsatz des Y-Modells in der Funktionentheorie Bestandteil der aktuellen Prüfungsordnung im Studiengang Lehramt Mathematik für Gymnasium und Oberschule an der Universität Bremen.

DataSprints in der politikdidaktischen Lehrer*innenbildung
Ausgangslage und Problemaufriss
Sozialwissenschaftliche Erkenntnisse basieren zunehmend auf einem komplexer werdenden empirischen Datenfundament. Qualitative wie quantitative Sozialforschung falsifiziert und validiert Hypothesen auf Grundlage sozialwissenschaftlicher Datenmengen. Im sozialwissenschaftlichen Unterricht dagegen kommt dieses fachwissenschaftliche Verständnis einer sich ständig verändernden Daten- und Erkenntnislage nicht vollumfänglich an. Der Begriff der „Wahrheit“ stößt zunehmend an seine Grenzen. Zukünftige Lehrkräfte sollen daher auch fachdidaktisch
• zur Reflexion über das Entstehen von sozialwissenschaftlichen Erkenntnissen angeregt werden,
• Gemeinsamkeiten und Unterschiede in politikdidaktischen und -wissenschaftlichen Zugängen und Paradigmen wahrnehmen und reflektieren,
• die Grenzen der jeweiligen Fachkultur erweitern und wo möglich überwinden (Boundary Crossing),
• die Vorzüge inter- und transdisziplinärer Verfahrensweisen in der Lehrer*innenbildung unmittelbar erfahren.
Möglich werden soll dies durch das nachfolgend beschriebene Modellprojekt.
Zu einem festgelegten Oberthema entwickeln Studierende in kleinen Gruppen eigene Fragestellungen und bearbeiten diese mit Hilfe sozialwissenschaftlicher Datensätze.
Das besondere, den Gruppen steht hierfür nur ein begrenzter zeitlicher Rahmen zur Verfügung (z.B. 24 Std. pro DataSprint). Diese methodisch initiierte zeitliche Verdichtung provoziert eine punktuelle Intensivierung der Arbeit im Sinne einer Polarisierung von Aufmerksamkeit. Heterogene Gruppen, die sich sowohl aus Studierenden mit fachwissenschaftlicher Orientierung als auch aus Lehramtsstudierenden zusammensetzen, arbeiten dabei gemeinsam an ebenfalls fachübergreifenden Datensätzen. Auf diesem Weg trägt das Modellprojekt DataSprint zur Verzahnung und Vernetzung von fachwissenschaftlichen und fachdidaktischen Inhalten im Rahmen des Politik-Lehramtsstudiums an der Universität Bremen bei.

Die Gruppen präsentieren ihr Arbeitsergebnis im Plenum. Als Endprodukt entstehen One-Pager, welche die Gruppenerkenntnisse mit dem Feedback aus dem Plenum verbinden und diese einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen.







