Historie

Gründungsvorstand 2006
Hela Bahr als Beisitzerin (Mitte), Henry Griepenstroh als 2. Stellvertretender, Vorsitzender (1. v. links), Andreas Kottisch als Schatzmeister (3. v. links), Prof. Wilfried Müller, damaliger Rektor der Universität Bremen (3. v. rechts) ohne Mandat, Dr.Tim Nesemann als Vorstandsvorsitzender (2. v. rechts), Dr. Katerina Vatsella als Schriftführerin (1. v. rechts), Michael Wolff als Beisitzer (2. v. links), Zion Yirga als 1. stellvertretende Vorsitzende (nicht auf dem Foto)

Alumni-Vereine: Netzwerke schaffen Verbindungen

Heute gehört es für viele neu gegründete Hochschulen und Fachbereich fast selbstverständlich dazu, von Anfang an ein Alumni-Netzwerk für die ersten Absolvent:innen mitzudenken. An der Universität Bremen war das lange Zeit kaum vorstellbar. In den ersten zwei Jahrzehnten nach ihrer Gründung passte die Idee eines Alumni-Vereins nur schwer zum Selbstverständnis der jungen Universität. Doch mit der Universität veränderten sich auch die Vorstellungen davon, was ein Netzwerk ehemaliger Studierender sein kann und welchen Wert es für die Gemeinschaft hat.

Zunächst galt es, mit einem grundlegenden Missverständnis aufzuräumen. Ein Alumni-Verein ist kein elitärer Zirkel, in dem Beziehungen dazu dienen, Einfluss oder Macht in öffentlichen Einrichtungen, Wissenschaft oder Unternehmen zu sichern. Ein modernes Alumni-Netzwerk funktioniert nach einem anderen Prinzip. Im Mittelpunkt stehen die Verbindung zur Universität und zu ihren Menschen, der Austausch zwischen Generationen sowie die Möglichkeit, die Universität und ihre Entwicklung zu unterstützen. Grundlage dafür sind Gleichberechtigung, Offenheit und Transparenz.

Ein Alumni-Verein an der Uni Bremen – zunächst undenkbar

Ein Alumni-Verein an der Universität Bremen? Für die Gründungsgeneration hätte diese Vorstellung vermutlich zunächst befremdlich geklungen. Ein Blick zurück in die hochpolitisierten 1970er Jahre zeigt, warum. Hätten Studierende damals die Gründung eines Alumni-Vereins vorgeschlagen, wäre die Idee vermutlich auf wenig Begeisterung gestoßen. Schon der Begriff wirkte fremd. „Alumni“ hat lateinische Wurzeln, und moderne Alumni-Organisationen waren insbesondere aus den USA bekannt. Beides schien nur schwer zu einer jungen Reformuniversität zu passen, die vieles bewusst anders machen wollte.

Auch die Idee, gezielt Verbindungen zwischen ehemaligen Studierenden und bereits etablierten Absolvent:innen aufzubauen, konnte schnell Misstrauen hervorrufen. Roch das nicht nach Seilschaften, politischen Verflechtungen oder traditionellen Verbindungen? Gerade im Umfeld der damals politisch links geprägten Universität Bremen hatten solche Vorstellungen wenig Platz.

Doch die Universität entwickelte sich weiter. Aus Studierenden wurden Absolvent:innen, aus Absolvent:innen wurden Wissenschaftler:innen , Unternehmer, Beschäftigte in Kultur, Verwaltung und Gesellschaft sowie engagierte Persönlichkeiten in vielen weiteren Bereichen. Mit den Jahren wuchs damit auch das Bedürfnis, Kontakte über das Studium hinaus zu erhalten und Menschen miteinander und mit ihrer Universität zu verbinden.

So entstand nach und nach ein neues Verständnis von Alumni-Arbeit. Nicht Herkunft, Status oder politische Überzeugungen sollten darüber entscheiden, wer dazugehört. Entscheidend war vielmehr die gemeinsame Verbindung zur Universität Bremen.


Damals wie heute: Streben nach Eigenständigkeit

Angeregt und angeschoben wurde das Bremer Alumni-Netzwerk vor gut zwanzig Jahren von dem damaligen Rektor der Universität, Professor Wilfried Müller (links auf dem Foto zusammen mit Dr. Tim Nesemann), unserem heutigen Ehrenvorsitzenden. Er hatte sich als Sozialwissenschaftler bei langen Forschungs- und Lehraufenthalten in den USA ein eigenes, unverfälschtes Bild der dortigen Alumni-Kultur machen können. Dieses Wissen ist dann in die Gründung des Bremer Alumni-Netzwerkes eingeflossen. Zum Selbstverständnis zählte dabei von Beginn an der Grundsatz der Eigenständigkeit. Alumni-Arbeit sollte nicht als administrative Abteilung der Universität geführt werden, sondern als eigenständiger Verein mit einer unabhängigen Struktur. An der Universität Bremen hat sich das hervorragend bewährt, insbesondere in  einer sehr konstruktiven und vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Universitätsleitung und Verein. Der Verein fördert die Universität durch vielfältige Aktivitäten. Die Universität fördert den Verein materiell, mit Personal und Räumlichkeiten.

 

 

Portrait Katerina Vatsella

Wissenschaft im Herzen: 20 Jahre Alumni der Universität Bremen e.V.

"2006 fand ich die Entscheidung des Rektors Wilfried Müller, den Alumni-Verein als künftig formal von der Uni unabhängige Institution zu sehen, anstelle einer internen Abteilung, sehr mutig und weitsichtig. Es gab damals schon länger innerhalb der Uni eine Alumni-Struktur organisiert durch Sigrid Schneider-Gerwien, der damaligen Geschäftsführerin, mit Veranstaltungen v.a. in den Fachbereichen, was ja auch heute noch funktioniert. Aber: sie hatten keine Außenwirkung. Die Idee von Wilfried Müller war, die Absolventen in einem eigenständigen Verein in der Stadtgesellschaft zu verankern. Und zwar um die Wahrnehmung der Uni in der Öffentlichkeit zu stärken, ihre Anliegen über Alumni bekannt und verständlich zu machen und so Unterstützung für ihre Ziele zu erreichen, in Lehre und Forschung.

Es gab in den 20 Jahren viele besondere Momente – ein bedeutender war natürlich unsere Gründung – das war ein tolles Aufbruchsgefühl, wir hatten ganz viele Ideen und erprobten ganz unterschiedliche Formate. Einige davon waren kurzfristige Experimente, andere haben sich gehalten, wie etwa besondere Vorträge oder das jährliche Sommerfest. Toll war auch das gemeinsame Feiern des Exzellenz-Titels und auch anderer Etappen der Uni und ihrer Institute, die wir auch thematisierten. 

Für mich, die anderswo studiert hatte und in Bremen “nur” promovierte und deshalb den Uni-Betrieb kaum kannte, war das eine wunderbare Möglichkeit meine zweite Uni besser kennenzulernen und auch Absolventen aus ganz anderen Fachbereichen zu begegnen. Das machte von Anfang an viel Spaß, das ist bis heute so geblieben! 

Ich wünsche dem Alumni-Verein, den ich über 20 Jahre begleiten durfte, dass er genauso stetig wächst, wie in den letzten Jahren und, wie bisher, immer eine engagierte Geschäftsführung und Vorstandsmitglieder mit vielen guten Ideen hat! Sie sollen ihn durch jeweils wechselnde Zeiten und Herausforderungen weiterbringen und dabei immer Chancen für seine Weiterentwicklung im Sinn der gemeinsamen Ziele wahrnehmen!" 

Katerina Vatsella, Gründungsmitglied Alumni der Universität Bremen e.V. 


Blick in die Zukunft

Der Verein steht heute finanziell auf eigenen Füßen. In den Anfangsjahren wurde er noch durch die großzügige Unterstützung mehrerer Bremer Unternehmen getragen. Inzwischen finanziert er sich nahezu ausschließlich aus den Beiträgen seiner Mitglieder und Fördermitglieder. Diese Entwicklung hat seine Unabhängigkeit gestärkt und neue Handlungsspielräume eröffnet. Zugleich wächst die Zahl der Mitglieder kontinuierlich.

Damit verfügen die Alumni über großes Potenzial, zu einem der größten Vereine der Hansestadt zu werden. Mit einer starken Gemeinschaft können sie den Wissenschaftsstandort Bremen und die Universität Bremen noch wirkungsvoller unterstützen und ihre Sichtbarkeit weit über die Region hinaus stärken.


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