Forschung

Symbolic picture for personality research

Forschungsschwerpunkte

Wir interessieren uns dafür, wie Eigenschaften von Personen und Situationen sich über die Zeit wechselseitig beeinflussen, um menschliches Erleben und Verhalten zu vorherzusagen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Rolle von Emotionen in diesen Wechselwirkungen.

1. Was ist eine Emotion?

„Everyone knows what an emotion is, until asked to give a definition.“ (Fehr & Russell, 1984, S.464). Will man die Rolle von Emotionen in Wechselwirkungen aus Eigenschaften von Personen und Situationen verstehen, muss man zunächst herausfinden, was eine Emotion ist. Wie das Zitat nahelegt, wirkt die Antwort einfacher als sie ist. Wir schlagen vor, Emotionen als Prozesse zu verstehen, in denen Gefühle, Gedanken, Physiologie, Motivation und Expression einer Person sich gegenseitig beeinflussen und über die Zeit entfalten. Stellt man solche Prozesse visuell dar, sehen sie aus wie Netzwerke. Daher heißt der Ansatz auch Netzwerkansatz zu Emotionen. 

2. Soziale Funktionen von Emotionen

Emotionen helfen Menschen dabei, sozialen Chancen und Herausforderungen zu begegnen, d.h., sie haben soziale Funktionen. Über mehrere emotionale Interaktionen mehrerer Personen können über die Zeit gesellschaftliche Strukturen entstehen. Wir interessieren uns bspw. dafür, wie Neid zu sozialer Ungleichheit beiträgt, wie positive und negative Einstellungen gegenüber Personen affektive Polarisierung verursachen oder wie Scham und Schuld die Verbreitung von Korruption verringern können.

3. Formalisierung von Theorien

Emotionale Wechselwirkungen zwischen Personen und Situationen über längere Zeiträume lassen sich teils nur schwer empirisch untersuchen. Wir versuchen, zentrale Prozesse solcher Wechselwirkungen theoretisch zu beschreiben und anschließend durch formale Modelle in Simulationen zu ergründen. Bevorzugt nutzen wir agentenbasierte Modellierung und mathematische Modellierung.

4. Statistische Modellierung komplexer Daten

Die Untersuchung emotionaler Wechselwirkungen zwischen Personen und Situationen über die Zeit verlangt (a) die Verwendung von Studiendesigns, die dynamische Veränderungen erfassen können sowie (b) die Anwendung statistischer Verfahren, die den aus den Studiendesigns entstehenden komplexen Daten gerecht werden. Wir nutzen bevorzugt Experience Sampling Designs, um Daten zu den Wechselwirkungen zu sammeln. Zudem verwenden wir verschiedene statistische Verfahren zur Modellierung komplexer Daten und entwickeln diese weiter, u.a. Verfahren aus der Komplexitätsforschung (bspw. zur Bestimmung von Attraktoren). 

Forschungsprojekte

seit 2023DFG Sachbeihilfe „Development and validation of a formal theory of co-occurring emotions“, https://gepris.dfg.de/project/529674863?lang=en
2021 – 2026DFG Sachbeihilfe „The role of the parental care system in goal-directed maintenance“. Rolle: Co-PI, PI: Yael Ecker, https://gepris.dfg.de/project/465638666?lang=en
2016 – 2019DFG Forschungs- und Rückkehrstipendium „Keeping status: How superiors infer benign and malicious envy of subordinates and regulate it interpersonally“, https://gepris.dfg.de/project/325199698?lang=en