Auditierungsverfahren und die Handlungsfelder des audit familiengerechte hochschule

Die Auditierung als familiengerechte hochschule

Die Universität Bremen nimmt seit 2007 am "audit familiengerechte hochschule" der beruf und familie gGmbH teil um sukzessive die Arbeits- und Studienbedingungen familiengerechter zu gestalten. 
Die Phasen des audits familiengerechte hochschule dauern jeweils drei Jahre, d. h., dass die Universität Bremen nach der ersten Zertifizierung im Jahr 2007 auch in den Jahren 2010 und 2013 als "familiengerecht" ausgezeichnet wurde. 
Zu Beginn einer jeden Phase wird in einer Zielvereinbarung festgehalten, welche Maßnahmen und Ziele in den folgenden drei Jahren umgesetzt bzw. erreicht werden sollen. Um die Universität im Ganzen familiengerechter zu gestalten beziehen diese sich auf neun verschiedene Handlungsfelder, welche unterschiedliche Schwerpunkte haben und verschiedene Gruppen von Universitätsangehörigen ansprechen. Eine erfolgreiche Re-Auditierung am Ende einer jeden Phase ist nur möglich, wenn diese zuvor gesetzten Ziele erreicht wurden.

Handlungsfeld 1: Forschungs-, Arbeits- und Studienzeit

Dieses Handlungsfeld zielt darauf ab, die Anforderungen des Berufes bzw. des Studiums mit den familiären Aufgaben vereinbaren zu können, sodass Flexibilität ein für dieses Handlungsfeld entscheidender Faktor ist.

  • Eine beispielhafte Maßnahme, welche sich an der Universität Bremen seit 2007 fortlaufend in Umsetzung befindet ist, das die zeitlichen Anforderungen eines Studiums oder des Berufs besser mit der Familie vereinbart werden können. Dies wird beispielsweise durch Handreichungen zur Flexibilisierung gefördert, die aufzeigen, wie familiengerecht gehandelt werden kann. 

Handlungsfeld 2: Forschungs-, Arbeits- und Studienorganisation

Dieses Handlungsfeld zielt auf die familiengerechte Gestaltung von Arbeits-, Forschungs- und Studienabläufen ab. Neben der flexiblen Gestaltung von Arbeitsabläufen und der Förderung von Teamarbeit spielen hierbei die Verantwortung der Führungskräfte für ihre Mitarbeiter_innen sowie das betriebliche Gesundheitsmanagement eine entscheidende Rolle, um das Arbeitsumfeld gemäß den Zielen des audit zu gestalten.

  • Eine in diesem Rahmen umgesetzt Maßnahme an der Universität Bremen war es, dass Besprechungszeiten klar, transparent und familiengerecht gestaltet werden.
  • Eine ebenfalls bereits umgesetzte Maßnahme ist der Ausbau des betrieblichen Gesundheitsmanagements, welcher u. A. mit der Schaffung des Referats "Gesundheit und Arbeitssicherheit" einherging. 

Handlungsfeld 3: Forschungs-, Arbeits- und Studienort

Auch die Ausgestaltung des Arbeits-, Forschungs- oder Studienortes kann einen positiven Einfluss auf die Vereinbarkeit von Beruf bzw. Studium und Familie haben. Faktoren hierfür ist bspw. die freie Wahl des Arbeitsortes.

  • Eine an der Universität Bremen umgesetzte Maßnahme ist es, dass die flexible Wahl des Arbeitsortes aus familiären Gründen individuell abgestimmt werden kann.

Handlungsfeld 4: Informations- und Kommunikationspolitik

Studierende und Beschäftigte sollen aktiv über die Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Beruf bzw. Studium und Familie informiert werden, denn dies erleichtert nicht nur ihnen die Vereinbarung beider Lebensbereiche, sondern schafft generell ein größeres Bewusstsein für die Thematik bei allen Universitätsangehörigen.

  • In diesem Rahmen gibt die Universität bspw. Öffentlichkeitsmaterialien für die verschiedenen Statusgruppen heraus, betreibt das Familienportal auf der Website der Universität und sorgt für eine universitätsweite Bekanntmachung und Vernetzung der Angebote und Maßnahmen. 

Handlungsfeld 5: Führungskompetenz

Wegen ihrer leitenden Funktion haben Führungskräfte einen entscheidenden Anteil daran, dass ein familiengerechtes Klima innerhalb der Universität herrscht, weshalb großen Wert darauf gelegt wird, dass Universitätsangehörige auf diesen Positionen um die Relevanz des Themas wissen und enstsprechend handeln.

  • Im Rahmen des audit familiengerechte Hochschule wurde so bspw. das Thema "familiengerechtes Führungshandeln" als Teil der Führungskräfte-Entwicklung etabliert und wird somit immer wieder in Workshops, Coachings und Fortbildungen thematisiert und an Beispielen konkretisiert. 
  • Außerdem wurde eine Handreichung für Führungskräfte zum Thema familiengerechtes Führungshandeln erstellt.

Handlungsfeld 6: Personalentwicklung

Sowohl bei der Einstellung neuer Mitarbeiter_innen als auch bei der Laufbahnplanung ist es nötig, dass die familiäre Situation berücksichtigt wird, damit die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gefördert werden kann. Dieser Anspruch gilt für alle Beschäftigten der Universität Bremen und wird auf unterschiedliche Art und Weise umgesetzt.

  • Bereits umgesetzt wurde ein Förderprogramm von Professor_innen mit Familie, welches u. A. Coachings und Workshops beinhaltet und auch die Vernetzung der Professor_innen untereinander fördert.
  • Fortlaufend umgesetzt wird die Förderung von in Teilzeit und befristet Beschäftigten Mitarbeiter_innen des nicht-akademischen Bereichs.

Handlungsfeld 7: Entgeltbestandteile und geldwerte Leistungen

Finanzielle und soziale Unterstützung von Studierenden und Mitarbeiter_innen mit Familienaufgaben tragen zur vereinfachten Vereinbarkeit von Familie und Beruf bzw. Studium bei. Diese Unterstützungen werden dem Bedarf der jeweiligen Statusgruppe angepasst.

  • In diesem Rahmen wurde ein Modell umgesetzt, welches Wissenschaftler_innen finanziell bei der Kinderbetreuung unterstützt, wenn sie an Tagungen teilnehmen.
  • Um die Betreuung der Kinder von Nicht-EU-Bürger_innen zu unterstützen, können diese stundenweise kostenfrei an zwei Einrichtungen auf dem Campus betreut werden.
  • Das Studentenwerk hat einen Sozialfonds für Studierende mit Familie in finanziellen Notlagen eingerichtet.

Handlungsfeld 8: Service für Familien

Die Infrastruktur hat entscheidende Auswirkungen darauf, wie gut Familie und Studium bzw. Beruf sich vereinbaren lassen. Neben einer dem Bedarf angemessen Kinderbetreuung gehören hierzu auch eine familiengerechte Gestaltung des Campus sowie Beratungsmöglichkeiten für Universitätsangehörige mit Familie.

  • In diesem Rahmen wurden einige familiengerechte Orte auf dem Campus eingerichtet, so bspw. Spieleecken in zentralen Beratungseinrichtungen und der Mensa sowie der Caféteria im GW2, außerdem ein Familienraum sowie Still- und Wickelmöglichkeiten.
  • Mit dem Bau eines neuen KiTa-Gebäudes war es möglich, zwei weitere Krippengruppen für die Kinder Beschäftigter und Studierender zu eröffnen. 

Handlungsfeld 9: Studium und wissenschaftliche Qualifizierung

Studierende und Beschäftigte am Beginn ihrer akademische Laufbahn sollen gezielt gefördert werden. Das Studium und die wissenschaftliche Qualifizierung für Universitätsangehörige mit Familie sollen somit erleichtert werden.

  • Um dies zu erreichen, hat die AG Familienfreundliches Studium Gespräche mit den Dekanaten aller Fachbereiche geführt, um sich über die Situation zu informieren und den Dekanaten Handlungsempfehlungen zur Vereinbarkeit von Studium und Familie zu übermitteln.
  • Für Promovierende mit Familie wurden geeignete Begleit- und Fördermaßnahmen entwickelt und umgesetzt.