20.11.2014
Autor/in: Karla Götz
Mitteilung Nr.: 14008

Kennen Sie schon... die Mittagskonzerte im Theatersaal?

Universitätsmusikdirektorin Dr. Susanne Gläß und Jan-Hendrik von Stemm haben die Mittagskonzerte im Theatersaal zu einer „Marke“ gemacht.

Die Pianistin Minako Schneegass am Bösendorfer Flügel, einem im Norden Deutschlands seltenen, wertvollen Tasteninstrument.

Erfolgreiche Kooperation mit „Songs and Whispers“: Aireene Espiritu und Tom Corbett von der amerikanischen Westküste sind im Theatersaal zu Gast.

Nach dem Willen der beiden Verantwortlichen sollen sie wie „eine Marke wahrgenommen werden“ – die kostenlosen Mittagskonzerte im Theatersaal neben der Mensa. Das ist vollständig geglückt. Längst sind die musischen Pausen, die Momente des Schwelgens, des Sich-aus-dem-Alltag-Katapultierens eine Institution geworden. Von 12.30 Uhr bis 12.55 Uhr an 14 Dienstagen pro Semester füllt ein andächtiges Publikum die durchgesessenen blauen Klappstühle des Saales.

Dr. Susanne Gläß, die Universitätsmusikdirektorin, hat die Idee einst aus England importiert. „Lunch Concerts hießen dort die niedrigschwelligen Angebote zur Mittagszeit“, sagt sie. „In England haben die Menschen ja ein unbefangenes, sehr persönliches Verhältnis zu klassischer Musik. Aber ich dachte, warum nicht auch hier, an der Universität Bremen?“ Kurzentschlossen nannte sie die Reihe „Mittagskonzerte“. Begonnen hat sie 2000 bis 2003 mit der ersten Staffel im Bibliothekssaal neben der SuUB. Das Kleinod der Konzerte war und ist der in Österreich hergestellte Bösendorfer Flügel, ein Tasteninstrument, das im norddeutschen Raum eher selten ist. Steinway-Flügel sind hier die Platzhirsche auf den Konzertbühnen. Die kostbare Anschaffung – von der Mariann Steegmann Stiftung ermöglicht – führte zunächst ein Schattendasein in einem Raum im 4. Stock des GW2. „Sogar für Unterrichtszwecke war der Flügel zu heilig“, sagt Susanne Gläß.

Viele Anfragen von Künstlerinnen und Künstlern

Im Bibliothekssaal konnte er dann glänzen bis  zum Umbau der Bibliothek, die den Raum für eine Zwischennutzung brauchte. Susanne Gläß gab nicht auf und machte sich auf die Suche nach einem geeigneten Raum. Sie fand den Theatersaal, den sie schelmisch „naturbelassen“ nennt – aber: „Er hat eine wundervolle Akustik, besonders für elektrisch verstärkte Musik, hier wurden bereits drei CD’s aufgenommen“. Und so konnte die Erfolgsreihe 2005 weitergehen und zu einer Marke werden. Wesentlich dafür sorgt Jan-Hendrik von Stemm. Der studierte Theologe und Sänger im Unichor hat die Mittagskonzerte zu seiner Sache gemacht. „Ich habe viele Anfragen von Leuten, die auftreten möchten: Musikstudierende und musikalisch engagierte Studierende aus allen Fachbereichen der Uni, aktive und  ehemalige Uniprofessoren und -professorinnen, sowie Pianisten und Pianistinnen, die mal auf dem Bösendorfer Flügel spielen wollen“, sagt er.

Folgenreiche Kooperation

2010 hat er eine Kooperation entwickelt, die sich als folgenreich erweisen sollte. Er arbeitet mit „Songs and Whispers“, einem weltweiten Musiknetzwerk mit Agentursitz in Bremen, zusammen. Das bringt internationale Musiker und Musikerinnen der Kategorie Singer / Songwriter in den naturbelassenen Theatersaal. In diesem Semester beispielsweise aus England, den USA und Australien. „Viele, die hier auftreten, nutzen das knapp halbstündige Mittagskonzert an der Uni als Teaser für ihre Abendveranstaltung“, sagt von Stemm. Das heißt, sie spielen sich vor einem aufmerksamen Publikum schon mal warm. Insgesamt teilen sich das Studentenwerk und die Universität Bremen die Kosten für die Reihe Mittagskonzert. Die reichen vom Unterhalt des Raumes bis zum Stimmen des Flügels zweimal im Jahr. Die Künstlerinnen und Künstler kommen sehr gerne und sind mit 50 Euro Aufwandsentschädigung zufrieden.

„Eine halbe Stunde in einer anderen Welt“

Das liegt auch am Publikum. Beim Konzert der exzellenten japanischen Pianistin Minako Schneegass, die in Stuhr lebt und sich auf internationalen Bühnen bewegt, sind fast alle 153 Plätze besetzt und es ist mucksmäuschenstill. Keiner isst was, obwohl das ausdrücklich erlaubt ist. „Best of Chopin“ heißt das Programm. Studierende, Angestellte und Gäste lehnen sich zurück, und schon perlt der Minutenwalzer opus 64 durch den Saal. „Genial“, sagt Vera Kolb, Technikerin im Fachbereich Geowissenschaften, „das ist sowas von entspannt“. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Anke Toltz versäumt sie kein Mittagskonzert. „Ich war eine halbe Stunde in einer anderen Welt“, bestätigt diese.