24.05.2017
Autor/in: Karla Götz
Mitteilung Nr.: 17002

Kennen Sie schon …die Bilderbuchbibliothek im GW2 ?

Dr. Tobias Kurwinkel (von links), Prof. Sven Nickel und Dr. Elisabeth Hollerweger koordinieren die Bibliothek.

Die Bilderbücher sind sorgfältig nach Motiven geordnet.

Professor Sven Nickel: „Bilderbücher vorzulesen, ist nicht zuletzt auch effektive Sprachbildung“.

Mehr als 1600 Bilderbücher, sorgfältig nach Motiven geordnet, stehen hier in den Regalen. Von Montag bis Donnerstag öffnet die Bilderbuchbibliothek im GW2 im Raum B 2.090 jeweils von 12 bis 13 Uhr ihre Tür.

Sie gehört zum Bremer Institut für Bilderbuchforschung (BIBF) des Fachbereichs Erziehungs-und Bildungswissenschaften, das 2005 von Dr. Matthias Duderstadt und Dr. Joachim Hering gegründet wurde. Am Anfang gleich eine gute Nachricht: Alle Angehörigen der Universität können in der Bibliothek vorbeischauen, in schönen Büchern blättern oder sich welche ausleihen.

Herzstück des Instituts

Vorrangig nutzen derzeit Studierende des Grundschullehramtes oder der Frühpädagogik dieses Angebot. „Die Bibliothek ist das Herzstück unseres Instituts und unser Kommunikationszentrum“ sagt Sven Nickel, Professor für Didaktik der Deutschen Sprache und Literatur im Elementar-/Primarbereich. Gemeinsam mit Dr. Elisabeth Hollerweger, Lektorin für Literaturdidaktik, und Dr. Tobias Kurwinkel, Leiter des Arbeitsbereichs Kinder- und Jugendmedien im Fachbereich Sprach-und Literaturwissenschaften, koordiniert er Bibliothek und Institut. Die Exemplare, die in die Regale aufgenommen werden, durchlaufen einen mehrstufigen Auswahlprozess. „Text und Bild müssen gleichermaßen die Geschichte erzählen, das Bild darf nicht nur Illustration oder Ornament sein“, nennt Kurwinkel ein Kriterium. Elisabeth Hollerweger, die den Bestand der Bilderbuchbibliothek auch für handlungsorientierte Projekte im Rahmen des Praxissemesters nutzt, bekräftigt: „Gerade im Zusammenspiel von Text und Bild entfalten sich Geschichten, die auf verschiedenen Ebenen erschlossen werden können.“ Um dieses Potential erfassen und in der praktischen Arbeit nutzen zu können, müssen die Studierenden aber zunächst selber lernen, visuell zu lesen, sich auf ungewohnte Bildstile fernab von Mainstream und Kaufhausbilderbuch einzulassen und dabei auch eigene Vorstellungen von Kindheit als Schonraum zu überwinden.

Adresse für Verlage

Nicht nur für die Studierenden, auch für Verlage ist die Bilderbuchbibliothek inzwischen eine interessante Adresse. So ist die – teilweise unaufgeforderte – Zusendung von Neuerscheinungen auf die Intention zurückzuführen, einerseits in KiTas und Schulen Verbreitung zu finden und andererseits in die engere Auswahl für den HUCKEPACK-Preis zu kommen. Dieser wird einmal im Jahr gemeinsam mit der Phantastischen Bibliothek Wetzlar verliehen und zeichnet Werke aus, die sich besonders dafür eignen, Kinder emotional zu stärken, sie also „Huckepack“ zu nehmen. Durch diesen Preis ist das Institut über die Universität hinaus bekannter geworden.

Aktuelle Themen

Das im Februar 2017 HUCKEPACK-preisgekrönte Buch „Klein“ der Schwedin Stina Wirsén handelt von Streit, häuslicher Gewalt und Vernachlässigung. Es zeigt, dass Bilderbücher sensibel auf aktuelle gesellschaftliche Themen reagieren. Beim Durchsehen der Regale findet sich ein breites Spektrum, das auch in den Seminaren aufgegriffen wird. Im letzten Semester hat sich Elisabeth Hollerweger beispielsweise mit Genderkonstruktionen, Fluchterzählungen und Umweltbilderbüchern beschäftigt. Ziel der Arbeit sei es, das Bilderbuch als besonders wertvolles und ergiebiges Medium für sprachlich-literarisches Lernen zu etablieren. „Bilderbücher vorzulesen, ist nicht zuletzt auch effektive Sprachbildung“ unterstreicht Sven Nickel.

Bilderbücher als Kunst

Das Institut hat mit seiner Bilderbuchbibliothek noch viel vor. So sind in Kooperation mit der Kunsthalle und der Stadtbibliothek die öffentlichen Bilderbuch-Dialoge ins Leben gerufen worden. Für diese werden renommierte Bilderbuchkünstler eingeladen, um Einblicke in ihre Arbeit zu geben. Erster hochrangiger Gast wird der Autor und Illustrator Nikolaus Heidelbach sein. Ein Künstler, dessen Bücher auch Erwachsene ansprechen. Als Sven Nickel ein Buch von ihm auf den Tisch legt, ist das Staunen über diese Kostbarkeit groß.