Aufkleber- und Plakataktion

Einführung in die Aufkleber von LoB

Begonnen hat das Projekt LoB mit großformatigen, runden Aufklebern in den Veranstaltungsräumlichkeiten der Universität Bremen. Eine Übersicht unserer Motive finden Sie hier.

In den letzten Jahren kamen weitere Motive hinzu, sodass wir nun 11 verschiedene Aufkleber zu diesem Projekt zählen können. Sie behandeln konkrete Situationen in Veranstaltungen, die sicher jede(r) von uns bereits erlebt hat. ... Das Klingeln von Mobiltelefonen, unzureichende Beleuchtung, das Fehlen der Folien vor Veranstaltungsbeginn... . Alle Motive geben in Wort und Bild einen Hinweis darauf, wie man die Lehrveranstaltung stattdessen barrierefrei gestalten kann. Dabei liegt die Verantwortung nicht nur bei den Lehrenden, sondern auch bei den Studierenden. 

Zusätzlich werden die Aussagen der einzelnen Aufkleber durch die Perspektiven von Betroffenen unterstützt. Die den Aufklebern zugrunde liegenden Intuitionen sind Texte sind folgend hier zu lesen (siehe unten). 

Plakataktion

Im WiSe 14/15 ist ein Plakat zur Verdeutlichung der Aussagen der Aufkleber entstanden. Es ist in jeder Tür eines Veranstaltungsraums zu finden und hat zum Ziel auf LoB und sein Ziel aufmerksam zu machen:

Sensibilisierung gegenüber einer barrierenfreien Didaktik, zu der jede(r) einen Beitrag leisten kann und auch soll - egal ob Studierende oder Lehrende.

Das Plakat dient zudem einer Übersicht über die ersten Aufkleber und deren Aussagen. Es bündelt die einzelnen Leitmotive unter dem Hauptmotto "Lernen ohne Barrieren" des ganzen Projektes. Darüber hinaus verweist das Plakat direkt auf weitere Informationen auf der Homepage der Universität Bremen. Ein zusätzlicher Pfad zu den weiteren Elementen des Projektes neben den QR-Codes der einzelnen Sticker. Durch die Platzierung an der Tür wird eine erhöhte Aufmerksamkeit gegenüber LoB erzielt. 

Bei Anregungen und Fragen stehen wir unter handicapnoSpam@uni-bremen.de zur Verfügung.

Aufklebermotiv: hellgelbe Darstellung einer Glühbirne. Slogan: Es werde Licht!

Es werde Licht!

„Den Boulevard, die Seminarräume, die Mensa ... – alles nehme ich wie ein unscharfes Bild wahr, pixelig und fast ohne scharfe Konturen. Man kann sich das Ganze in etwa wie das Schauen eines 3D Filmes ohne passende Brille vorstellen. Umrisse sind zu erkennen, manchmal schemenhaft, manchmal etwas deutlicher. Dennoch fehlen Bruchstücke, die man sich manchmal mühsam und mit viel Konzentration erarbeiten muss. Was mir hilft ist vor allem Helligkeit. Kontraste und Konturen kann ich so besser erkennen.“

Think about it!!!

Menschen mit Sehbehinderung, Hörproblemen, anderen krankheitsbedingten Sinnesbeeinträchtigungen, Konzentrationsschwierigkeiten brauchen gute Lichtverhältnisse. Deshalb:

  • Licht frühzeitig einschalten
  • Blendeffekte vermeiden
  • Tafelbild beleuchten
  • Klare Schriftkontraste bei Präsentationen
Aufklebermotiv: ein Becher mit der Bedruckung stud.ip, einer Onlineplattform für Dokumente. Slogan: skript ... to go

Script to Go

„Es ist ein regnerischer Tag, Semesterbeginn und ich sitze in einem überfüllten Hörsaal mit stickiger Luft und einem hohen Geräuschpegel. Meine Konzentration ist nicht wirklich grandios. Es fällt mir schwer, die Vorlesungsfolien zu lesen, da diese zu viele Punkte beinhalten. Ich bin mit Bauchschmerzen in die Uni gekommen, um die Vorlesung nicht zu verpassen. Das habe ich getan, weil ich weiß, das vom Lehrenden keine Skripte hochgeladen werden. Dies ist leider die Realität. Meine Krankheit hemmt meine Leistung während der Vorlesungszeit, das fehlende „Skript to Go“ hemmt meine Leistung während der Zeit, wo ich mich entfalten könnte. Es ist Zeit für ein Umdenken.“

Think about it!!!

Menschen mit chronischen Erkrankungen/Behinderungen haben oft Probleme mit der Konzentrationsfähigkeit, müssen vielleicht zwischendurch den Raum verlassen oder können an manchen Tagen gar nicht an der Veranstaltung teilnehmen und brauchen deshalb die Möglichkeit, sich die Inhalte alternativ anzueignen. Deshalb:

  • Vorlesungsskripte zum Nacharbeiten zugänglich machen.
  • Printversionen zur Verfügung stellen
  • Powerpointpräsentationen zum Nachbereiten zur Verfügung stellen.
  • Aufzeichnungen durch das Zentrum für Multimedia in der Lehre (ZMML) zulassen
  • Literaturhinweise zum Nachbereiten geben
Aufklebermotiv: knallrote Darstellung vieler Megaphone. Slogan: Klar Laut Deutlich

Klar Laut Deutlich

„Der Vortrag, der vorne an der Tafel gehalten wird, ist sicher spannend. Aber genau kann ich das nicht sagen, weil ich kein Wort verstehe. Das erste Mal wird „LAUTER!“ in den Saal gerufen und tatsächlich, einen Moment wird mit festerer, lauterer Stimme gesprochen, das Nuscheln lässt nach und auch in den hinteren Reihen wird die Lage entspannter, da man endlich versteht, was vermittelt werden soll.

Allerdings nur für kurze Zeit.

Dann wird die Stimme des Vortragenden wieder leiser, man versteht nicht mehr, was gesagt wird und man müsste eigentlich erneut darauf aufmerksam machen, dass nicht überall im Raum verstanden wird, was vorne gesagt wird, aber man traut sich kaum, weil man den Vortragenden nicht noch weiter verunsichern will. Warum nicht gleich klarer, lauter, deutlicher? Das würde es für alle nur einfacher machen.“

Think about it!!!

Menschen mit Hörbehinderung, Tinnitus, Blutdruckproblemen, Sehbehinderung, krankheitsbedingten Sinneseinschränkungen haben oft Probleme mit akustischer Wahrnehmung. Deshalb:

  • Deutlich artikulieren
  • Klare langsame Sprache
  • Mit dem Gesicht zum Publikum sprechen
  • Hin- und Herlaufen vermeiden
  • Kernaussagen akustisch betonen
Aufklebermotiv: Darstellung eines Hörgerätes. Slogan: ... in Ruhe zuhören ...

...in Ruhe zuhören...

„Gerade in die Keksdose herein gekommen und Platz genommen. Neben mir schauen sich meine Kommilitonen neue Youtube Videos an, hinter mir streitet eine Studentin mit ihrem Partner via Telefon. Begleitet werden wir von Rascheln, Kugelschreiberklicken, starken Rufen und sonstigen „hin und her“ Rück-Geräuschen sowie einem leichten „Taschenwühlen“. Ich bin am Ende. Ich kann nicht mehr. Ich kann mich nicht auf die Anfangsworte des Dozenten konzentrieren. Ich sehe seine Lippen auch nicht, sodass ich total orientierungslos bin. Es schießen mir tausend Gedanken durch den Kopf? Soll ich die „Youtuber“ neben mir ansprechen? Oder dem Mädel hinter mir sagen, dass es reicht? Soll ich zum Dozenten gehen oder mich einfach neben den Dozenten stellen? Ich weiß es nicht. Ich fühle mich hilflos. Mein Hörgerät musste ich deaktivieren, da die Geräuschekulisse zu unterschiedlich war und gleichzeitig stattfand. Kummer und ein Gefühl der Leere aber auch eine verachtende Wut erfüllen mich. Ich entschließe mich, erst in der nächsten Vorlesung mein Hörgerät anzuschalten. Vielleicht kann ich dort in Ruhe zuhören.“

Think about it!!!

Menschen mit Hörbeeinträchtigungen, krankheitsbedingten Konzentrationsstörungen, Sinnesbeeinträchtigungen werden durch Nebengeräusche in ihrer Aufnahmefähigkeit beeinträchtigt. Deshalb:

  • Pünktlich kommen
  • Handyton ausschalten
  • Stühlerücken vermeiden
  • Keine Zwischengespräche, Nebenbemerkungen
  • Redebeiträge laut und deutlich

 

 

Aufklebermotiv: Darstellung einer Stoppuhr mit bunten Abschnitten. Slogan: Studieren braucht Zeit

Studieren braucht Zeit

„Es gibt immer zu wenig Zeit und die auch noch zerstückelt. Seit dem Beginn meines Studiums jongliere ich Arzttermine, längere Therapien, Arbeit und einen Stundenplan, der sich nicht entscheiden will, was er sein möchte. 

Eher schulisch – „Sie müssen diese Veranstaltung und diese in genau dieser Reihenfolge nehmen – und vergessen Sie nicht unsere wöchentlichen Kleinaufgaben!“ oder eher frei -„Nehmen Sie einfach, was Sie interessiert – aber manchmal kommt der Kurs auch einfach nicht zustande und dann müssen Sie in der dritten Vorlesungswoche nochmal neu ihren Stundenplan sortieren!“

Die Mischung macht’s … auf jeden Fall schwierig sich auf die Inhalte des Studiums zu konzentrieren. Und dann auch noch in der Regelstudienzeit fertig werden müssen?“

Think about it!!!

Menschen mit chronischer Erkrankung oder Behinderung sind nicht gleichermaßen belastbar. Barrieren, Schmerzen, Konzentrationsstörungen, Arzt- oder Therapietermine, notwendige Ruhepausen kosten Energie und Zeit und unterbrechen den Studienalltag. Deshalb:

  • Studienmaterialien, Skripte zur Nachbereitung zur Verfügung stellen.
  • Prüfungsmarathon vermeiden
  • Verlängerung von Bearbeitungszeiträumen ermöglichen
  • Blocktermine meiden
  • Pausen einräumen
Aufklebermotiv: Darstellung eines Labyrinthes mit verschiedenen bunten Wegen und Ausgängen. Slogan: Didaktisch Divers Denken

Didaktisch Divers Denken

„Meine Gedanken sind fragmentiert, ein Mosaik von Ideen und Eindrücken. Manchmal chaotisch und überwältigend, dann wieder auch lebendig und energiegeladen, gelegentlich auch total überfordernd. Auf jeden Fall sind sie meine Gedanken und in den letzten Jahren konnte ich lernen, daraus meinen eigenen Lernrhythmus zu gestalten. Neue und unbekannte Inhalte sind für mich spannend, immer wieder das gleiche eher nicht förderlich für meine Konzentration. Mit einer Aufgabe ins kalte Wasser gestoßen zu werden, heißt für mich erst einmal entspannt arbeiten zu können. Es gibt ja keine Erwartungen, dass es gleich beim ersten Mal perfekt klappt. Routineaufgaben verunsichern mich da eher.“

Think about it!!!

Menschen denken und lernen unterschiedlich. Deshalb:  

  •  Methodenvielfalt in der Lehre
  •  Flexible Lernmethoden anbieten 
  •  Sensibel sein gegenüber „Andersartigkeiten“
  •  Den eigenen Hintergrund reflektieren 
Aufklebermotiv: kleine Schrift auf grauem Hintergund. Slogan: Und es kommt doch auf die Größe an!

Und es kommt doch auf die Größe an...!

Jeder kennt dieses Gefühl: Man schaut nur kurz mit bloßen Auge in die Sonne und kurz darauf ist man immer noch geblendet. Woher das kommt? Nun, die Rezeptoren auf der Netzhaut haben für einen kurzen Augenblick sehr viel zu tun, doch nach einer Weile sieht man wieder alles wie gewohnt: Klar, scharf, ohne weiße Schleier.

Doch was ist, wenn dieser weiße Schleier sich nicht lichtet? Nun, mein Sichtfeld ist während der Schubphasen meiner MS ebenso eingeschränkt, auch ohne einen direkten Blick in die Sonne. Das Bild, wie ich es dann wahrnehme, ist durchzogen von großen, weißen Flecken, sodass ich nur lückenhaft das Geschehen um mich herum erspähen kann. Als Außenstehender kann man es nicht sehen, doch genau dieses Sehen aus meinen Augen heraus, ist das, was mich dann daran hindert Foliensätze in Vorlesungen wahrzunehmen, gerade dann, wenn die Schrift sehr klein ist und/oder der Kontrast schlecht gewählt wurde.“

Think about it!!!

Menschen mit Sehbehinderung, Farbenblindheit, Konzentrationsstörungen, Sinnesbeeinträchtigung, Kreislaufproblemen brauchen ein gut lesbares Schriftbild. Deshalb:

  • Klare Präsentationen (z.B. Schrifttypen ohne Schnörkel, keine Kursivschrift)
  • Kein Schriften-/Farbenmix
  • Klare Farbkontraste (z.B. dunkle Schrift auf weißem Grund)
  • Nur wenige Kernaussagen pro Folie
  • Fließtext auf Folien vermeiden
  • Tafelbild strukturieren
Aufklebermotiv: Darstellung eines Luftzuges auf blauem Hintergrund. Slogan: Frische Luft Gedanken

Frische Luft Gedanken

“Es ist warm. Stickig. Ich kann mich nicht konzentrieren, ringe nach Luft. Staubtrocken fährt es durch meine Lungen. Die Sonne erreicht ihren Zenit, ich müsste weiter, schaffe es jedoch nicht. Vor mir verschwimmt alles, ist da etwa eine Quelle? Ich sehne mich nach dem kühlen Nass. Ich nehme ein Schluck Wasser, meinen letzten und ergebe mich meinem Schicksal. Da öffnet der Dozent die Fenster, angenehm kühle Luft streicht durch den Saal. Ich schrecke auf, mein Wüstentraum verfliegt. Ich atme tief ein, endlich Luft, und kann mich wieder auf das Hier und Jetzt konzentrieren."

Think about it!!!

Menschen mit krankheitsbedingten Aufmerksamkeitsstörungen, chronischen Schmerzerkrankungen, Konzentrationsproblemen haben oft eine eingeschränkte Aufnahmefähigkeit. Deshalb:

  • Vor Veranstaltungsbeginn stoßlüften
  • In Pausen Fenster öffnen
  • Essensgeruch in Veranstaltungsräumen vermeiden