01.11.2016
Autor/in: Eberhard Scholz
Mitteilung Nr.: 291

Wem gehören Künstliche Intelligenz und Robotik?

Bremer Universitäts-Gespräche mit strategischer Relevanz für unsere Gesellschaft

Nr. 291 / 01. November 2016 SC

Noch ist die Nachricht nicht überall durchgedrungen: IBM, Amazon, Google, Facebook und Microsoft, fünf der größten IT-Firmen der Welt, bildeten im September ein Konsortium, um in der Künstlichen Intelligenz (KI) – nach ihren eigenen Angaben - „einen signifikanten Schritt vorwärts zu machen“ und ethische und gesellschaftliche Auswirkungen der KI-Technologien zu erforschen. Das Konsortium, das sich  „Partnerschaft in der KI zum Wohle der Bevölkerung und Gesellschaft“ nennt, will die großen und schwierigen Probleme der heutigen Gesellschaft mittels KI-Technologien gemeinsam lösen.

Der japanische Telekom-Riese Softbank hatte sich bereits vor einem Jahr durch den Zukauf der französischen Firma Aldebaran die Technologie der humanoiden Roboter in sein Portfolio geholt. Diesen Sommer wurde für 29 Milliarden Euro der britische Chip-Designer ARM übernommen, um im Internet der Dinge aktiv zu werden. Außerdem hat das Unternehmen gemeinsam mit Saudi-Arabien vor wenigen Tagen mit 100 Milliarden Euro den weltgrößten Technologiefonds aufgelegt.

Warum ist dieser Zusammenschluss der IT Riesen aus den USA oder die japanisch-saudische Kooperation mit den einhergehenden hohen Investitionen in die KI und Robotik für uns in Europa, und auch für Bremen, das als ein bedeutsames Zentrum der KI und Robotik gilt, von größter wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Bedeutung?

Kombination von KI und Robotik ist gesellschaftlich richtungsweisend

Robotik und KI erleben zurzeit – nach einer langen Anlaufzeit in der Forschung – insbesondere durch kommerzielle Unternehmen eine Goldgräberstimmung. Autonome Fahrzeuge, Roboter, die mit Menschen zusammen arbeiten, die Analyse riesiger Bestände von Kundendaten, um nur einige Beispiele zu nennen, versprechen einen Boom neuartiger Produkte und Dienstleistungen. Märkte mit zweistelligen jährlichen Wachstumsraten sind entstanden, Investoren suchen händeringend Start-ups mit interessanten Ideen. In den USA und Asien beträgt das Venture Capital für Robotik und KI das Zehnfache dessen Deutschlands, wobei Universitäten dort häufig exklusiv für Unternehmen mit den größten Wachstumschancen arbeiten.

Die Bremer Universitäts-Gespräche (BUG) mit dem Thema „Cognition-enabled Robotics: Democratising a Disruptive Technology“ nehmen sich dieses brandaktuellen Topthemas an. Eine hochkarätig besetzte Runde von 40 Vertreterinnen und Vertretern aus der internationalen Wissenschaft und Wirtschaft wird am 10. und 11. November 2016 darüber beraten, mit welchen Aussichten wir noch konkurrieren können. Wie können unter solchen Voraussetzungen Wissenschaftler, kleine und mittelständische Unternehmen und die Forschungs- und Innovationspolitik ein Technologiefeld, das von hohen Investitionen geprägt wird, erfolgreich und nachhaltig mitgestalten? Sicher ist, dass die Kombination von Künstlicher Intelligenz und Robotik richtungsweisend für gesellschaftliche Entwicklungen sein wird: Während intelligente Roboter die internationalen Arbeitsmärkte tiefgreifend verändern, sind viele Fragen zur Zukunft der Arbeit, zu gesellschaftlichen Konsequenzen und letztlich auch zur Verteilung der Erlöse aus „Roboterarbeit“ noch völlig ungeklärt und werden kontrovers diskutiert.

Es wird ein offenes System für KI-basierte Robotik benötigt

Professor Michael Beetz, gemeinsam mit Professor Andreas Birk Koordinator der Konferenz, sieht die erfolgversprechendste Antwort auf die Konzentration der Forschung in den Händen weniger IT-Giganten im Aufbau einer Interessengemeinschaft von Forschern und Unternehmern, die offene Standards, Software nach dem Open-Source-Prinzip und einen möglichst großen Pool in verschiedensten Anwendungen flexibel einsetzbarer Verfahren entwickeln und sich gegenseitig zur Verfügung stellen. Ob Robotik in der Landwirtschaft oder unter Wasser, in der Offshore-Industrie, ob im produzierenden Gewerbe oder in der Pflege – „wir benötigen ein „Linux“ für die KI-basierte Robotik“, so der renommierte Professor an der Universität Bremen. Ähnlich dem Betriebssystem Linux, das von freiwilligen Software-Entwicklern in der Form frei zugänglicher Programmen realisiert wurde und sich in weiten Bereichen gegen kommerzielle Betriebssysteme durchgesetzt hat, sei es erforderlich, ein „offenes System auch für die KI-basierte Robotik“ zu entwickeln.

In den Bremer Universitäts-Gesprächen 2016 sollen dafür, so die Koordinatoren Michael Beetz und Andreas Birk, gemeinsame Strategien entwickelt und die Initiative für ein Netzwerk unterstützt werden. Ziel ist es, die Entwicklung von KI und Robotik zum Nutzen möglichst vieler Menschen als Gemeinschaftswerk zu organisieren und den Zugang zu den Informationen offen zu halten.

Hintergrund:

Die Bremer Universitäts-Gespräche finden dieses Jahr zum 29. Mal statt. Sie werden finanziert von der Wolfgang-Ritter-Stiftung. Die Koordination liegt in den Händen von Prof. Dr. Michael Beetz (Universität Bremen) und Prof. Dr. Andreas Birk (Jacobs University Bremen). Das Programm ist zu finden auf: www.uni-bremen.de/fileadmin/user_upload/single_sites/bug/BUG_2016/130951_programmheft_2016_v4.pdf [PDF] (137 KB) .

Die Grußworte halten Prof. Dr. Helge Bernd von Ahsen, Vorstandsmitglied der Wolfgang-Ritter-Stiftung und Prof. Dr. Eva Quante-Brandt, Bremer Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Verbraucherschutz.

Die Eröffnungsveranstaltung am 10. November 2016 um 18 Uhr mit dem Festvortrag „The Grammar of Action and Thought” von Prof. Dr. Yiannis Aloimonos, Institute for Advanced Computer Studies, University of Maryland (USA), in der Stadtwaage Bremen ist öffentlich. Die Teilnahme an der Konferenz am 11. November 2016 ist nur auf Einladung möglich.

Achtung Redaktionen: Die Teilnahme für die Medienvertreterinnen und -vertreter ist nach vorheriger Anmeldung (E-Mail: christina.jungnoSpam@vw.uni-bremen.de ) möglich. Die Organisatoren und Experten werden am 11. November 2016 auf Anfrage für Interviews zur Verfügung stehen.

Weitere Informationen:

Universität Bremen
Dr. Christina Jung
Tel.: 0421-218-60336
E-Mail: christina.jungnoSpam@vw.uni-bremen.de
www.uni-bremen.de/fileadmin/user_upload/single_sites/bug/BUG_2016/130951_programmheft_2016_v4.pdf [PDF] (137 KB)