Hintergrund

 

Hintergrund

Bereits in den neunziger Jahren wurde die hohe Anzahl an Ausbildungsabbrüchen - insbesondere im Handwerk - im Bundesland Bremen als ernsthaftes Problem erkannt. Im Zentrum für Arbeit und Politik (zap) der Universität Bremen wurde die Thematik aufgegriffen, um Ursachen und Hintergründe zu erforschen sowie ein praxisnahes Präventions- und Interventionsangebot zu entwickeln, das seit 1999 in dem Projekt Ausbildung - "Bleib dran!" umgesetzt und stetig optimiert wird.

Konzept der Prävention und frühzeitigen Intervention

Wesentliche Bestandteile des Ansatzes von Ausbildung - "Bleib dran!" sind das frühzeitige Erkennen und Bearbeiten von Problemlagen, die den erfolgreichen Verlauf der Berufsausbildung gefährden könnten. Vor diesem Hintergrund wurde ein differenziertes Konzept mit Maßnahmen der Prävention und Intervention auf verschiedenen Ebenen etabliert, die sich auf Ausbildungsberufe konzentrieren, in denen der Anteil der Abbrecher_innen besonders hoch ist.

Unter Prävention lassen sich im Unterstützungskonzept unterschiedliche ergänzende Angebote zusammenfassen, die sich einerseits direkt an die Auszubildenden richten und andererseits Multiplikatoren wie Berufsschullehrer_innen und Ausbilder_innen erreichen. Zu den Maßnahmen, die primär für Auszubildende zugeschnitten sind, gehören Start-up-Veranstaltungen in den Berufsschulen zum Ausbildungsbeginn und Unterrichtseinheiten zu den Themen "Konflikt" und "Konfliktbearbeitung". Für Berufsschullehrer_innen und betriebliche Ausbilder_innen wurden insbesondere in den Jahren, in denen sich das Projekt etablierte, Fortbildungsveranstaltungen angeboten. Die Intention präventiver Maßnahmen besteht darin, die Akteure in der beruflichen Ausbildung für mögliche Konfliktfelder und den lösungsorientierten Umgang mit Konflikten zu sensibilisieren.

Eng mit den präventiven Maßnahmen ist ein Beratungs- und Vermittlungsangebot verbunden, das die Möglichkeit bietet, bei Konflikten frühzeitig zu intervenieren. Das Beratungsangebot steht prinzipiell allen Ratsuchenden offen und kann in den Sprechzeiten an den kooperierenden Schulen sowie durch freie Terminvergabe in Anspruch genommen werden.

Anbindung der Konfliktberatung am Lernort Berufsschule

Bei Konflikten in der beruflichen Ausbildung und vor allem deren Früherkennung nehmen insbesondere die Berufsschulen als Lernorte sowie die Lehrkräfte als Mittler_innen bei der Prävention und Intervention eine wichtige Rolle ein. Um das Unterstützungsangebot effizient und nachhaltig zu gestalten, ist eine starke institutionelle Verankerung in den Beruflichen Schulen notwendig. Eine niedrige Abbruch- und Wiederholerquote ist zudem ein wichtiges Qualitätsmerkmal der Berufsschulen.

In der aktuellen Projektphase wird ein Konzept erarbeitet, das sich auf das Qualitätsmanagement an den beruflichen Schulen stützt, um die systematische Einbindung des Unterstützungsangebotes an den Schulstandorten zu intensivieren. Das von den Berufsschulen in Bremen genutzte Qualitätsmanagementmodell Q2E (Qualität durch Evaluation und Entwicklung) bietet dabei die Möglichkeit, entsprechende Qualitätsziele (Vermeidung von Ausbildungsabbrüchen durch Konfliktberatung und Vermittlung) zu definieren und deren Umsetzung zu steuern und zu überprüfen.

Einbindung in Netzwerke

Die Arbeit von "Bleib dran!" ist in den Arbeitsausschuss "Ausbildungsabbrecher_innen" in Bremen eingebunden, in dem Institutionen, die den Ausbildungsprozess umsetzen und begleiten, mitarbeiten. Vertreter_innen aus Betrieben, Handwerkskammer, Innungen, Berufsschulen, Behörden, Arbeitsamt, Träger der Jugendberufshilfe, Universität und Gewerkschaften tauschen sich regelmäßig zu ausbildungsrelevanten Themen aus.

Die neue Projektphase von "Bleib dran!" wird durch den Europäischen Sozialfonds (ESF), den Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen und die Arbeitnehmerkammer Bremen gefördert.