Auf einen Espresso mit... Prof. Dr. Klaus Eickel

Geboren in Nordrhein-Westfalen, hinterließ Prof. Dr. Klaus Eickel seine ersten akademischen Spuren an der Ruhr-Universität Bochum. Dort absolvierte der Physiker sowohl sein Bachelor- als auch sein Masterstudium. Nach dem Studium verlagerte er seinen wissenschaftlichen Schwerpunkt auf die angewandte medizinische Forschung, insbesondere auf die Magnetresonanztomographie (MRT).
Bereits im Jahr 2013 entstand im Rahmen einer Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Digitale Medizin MEVIS der erste fachliche Kontakt zur Hansestadt Bremen. Vier Jahre später begann dann seine Promotionszeit an der Universität Bremen im Fachbereich 1 – Physik/Elektrotechnik.
Heute leitet Eickel in Teilzeit Projekte im Bereich der MRT-Methoden am Fraunhofer MEVIS. Sein Hauptaugenmerk liegt jedoch auf seiner Professur für Medical Computing an der Hochschule Bremerhaven, wo er Forschung, Lehre und akademische Verantwortung miteinander verbindet.
Herr Professor Eickel, wie verlief Ihr beruflicher Werdegang nach Promotion und Studium? War Ihnen schon früh klar, dass Sie in der Forschung bleiben möchten?
In der Endphase meiner Promotion und in den zwei darauffolgenden Jahren konnte ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich 1 – Physik/-Elektrotechnik der Universität Bremen vergleichsweise frei arbeiten. Der Wunsch, in der Wissenschaft zu bleiben, war bei mir schon früh vorhanden. Ich schätze die kreative Freiheit, die Offenheit für neue Ideen und die Möglichkeit, eigene Fragestellungen zu verfolgen.
Gleichzeitig ist eine wissenschaftliche Laufbahn nicht frei von Unsicherheiten. Wer nach Stabilität sucht, merkt schnell: Die Rahmenbedingungen sind nicht immer einfach. Es gab Phasen mit sehr knappen finanziellen Mitteln und durchaus auch schlaflose Nächte. Wissenschaft bedeutet eben auch, Verantwortung für den eigenen Weg zu übernehmen und aktiv Chancen zu suchen.
Diese Haltung hat sich bei mir ausgezahlt. Über einen Mobility-Award des Young European Research Universities Network erhielt ich 2020 die Möglichkeit, an der MaastrichtUniversity in den Niederlanden zu arbeiten. Parallel dazu wurde ich in das ProMentes aufgenommen, das berufsorientierte Mentoring-Programm der Universität Bremen. Beide Programme haben meinen Blick geweitet, mir wertvolle Impulse für meine berufliche Orientierung gegeben und mein Netzwerk nachhaltig gestärkt. Leider hat dann die COVID-19-Pandemie vieles auf den Kopf gestellt und so wurde ich kurzer Hand gezwungen, meine Prioritäten neu zu ordnen.
Gab es Personen, Lehrveranstaltungen oder Projekte an der Universität Bremen, die Ihren weiteren Weg besonders beeinflusst haben?
Besonders prägend für meinen weiteren Weg war mein Doktorvater und langjähriger Mentor Professor Matthias Günther. Er hat mich nicht nur fachlich begleitet, sondern mir vor allem eine Haltung vermittelt. Ich erlebe ihn auch heute noch bei der MEVIS als jemanden, der in Herausforderungen vor allem Chancen sieht, offen und klar kommuniziert und stets lösungsorientiert arbeitet. Was ihn für mich besonders auszeichnet, ist die hohe Wertschätzung, die er seinem Gegenüber entgegenbringt - unabhängig von Rolle oder Hierarchie.
Heute arbeiten Sie in Bremen und Bremerhaven. Wie sehen Sie den Wissenschaftsstandort Bremen persönlich
Ich mag Bremen und Bremerhaven und bin seit meinem Zuzug im Jahr 2013 überzeugter Bremer. Was mich sofort begeistert hat ist das Stadtbild: die vielen Fahrräder. Ich selbst bin leidenschaftlicher Radfahrer, und für mich ist das Radfahren weit mehr als Fortbewegung. Es ist Denk- und Informationszeit. Auf dem Fahrrad höre ich Podcasts, sortiere Gedanken oder lasse sie einfach treiben und oft entstehen genau dort neue Ideen.
Bremen und auch Bremerhaven sind für mich auch Städte der kurzen Wege: geografisch, aber auch im Arbeitsalltag. Wissenschaft, Wirtschaft und persönliche Netzwerke sind nah beieinander, Austausch ist unkompliziert, Zusammenarbeit entsteht schnell. Das empfinde ich als große Stärke des Standorts.
Besonders spannend finde ich aktuell die spürbaren Anstrengungen Bremens, sich weiterzuentwickeln und wieder stärker exzellente Akzente zu setzen. Mein persönliches Highlight ist dabei die renommierte internationale Konferenz, die International Joint Conference on Artificial Intelligence, die im August nach Bremen kommt. Hier bin ich Teil des lokalen Organisationsteams. Diese Ausrichtung ist definitiv ein starkes Signal für den Wissenschaftsstandort Bremen.
Wie wichtig war und ist für Ihre Arbeit die enge Vernetzung zwischen Universität Bremen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und regionalen Akteuren?
Die enge Vernetzung ist für meine Arbeit essentiell. Als Physiker komme ich aus einer klassischen Grundlagendisziplin, in der der unmittelbare Anwendungsbezug zunächst nicht im Vordergrund steht. Spätestens seit meiner Promotionszeit und der Arbeit in der medizinischen Bildgebung hat sich das jedoch grundlegend geändert. Hier, wie bei vielen medizinlastigen Themen, beantwortet sich die Frage nach dem „Wozu man das braucht?“ fast automatisch.
Für anwendungsnahe Forschung spielt in Deutschland die Fraunhofer-Gesellschaft eine zentrale Rolle. Das Fraunhofer MEVIS ist für mich ein Ort, an dem Wissenschaft und technologischer Fortschritt sehr unmittelbar Wirkung im Alltag entfalten können. Ohne der weniger anwendungsbezogenen Forschung ihren Wert absprechen zu wollen: Mich persönlich motiviert es sehr, nah an der Medizin zu arbeiten, oft auch nah an konkreten Schicksalen und Therapieerfolgen.
Die Gesundheitswirtschaft ist im Bremer Raum zwar nicht besonders groß, dennoch passiert hier mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Gerade durch Praxiselemente mit Studierenden der Hochschule Bremerhaven habe ich in den letzten Jahren zahlreiche Unternehmen und Akteure kennengelernt. Vieles geschieht dabei hanseatisch zurückhaltend, fast ein bisschen inkognito.
Was kann Bremen Ihrer Meinung nach jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bieten, das anderswo oft fehlt?
Nähe und Zugänglichkeit. Man braucht kein Auto, teils nicht einmal ein ÖPNV-Ticket, ein Fahrrad genügt. Gerade der Technologiepark ist über Jahre gewachsen und wächst weiter. Dadurch ergeben sich spannende Anschlussoptionen zwischen Universität, Forschung und Anwendung. Vielleicht nicht mit der schieren Größe internationaler Metropolen, dafür aber deutlich persönlicher.
Bremen ist stark im Netzwerken, und genau das halte ich für einen zentralen Soft Skill in der Wissenschaft, in der viele Projekte im Verbund entstehen. Mir persönlich hat Bremen sehr viel Vernetzung ermöglicht, schneller und direkter, als es in Großstädten mit langen Wegen und vielen Parallelstrukturen oft der Fall ist. Formate wie das „Start it Up! – Gründungswochenende Gesundheit“ oder das „Bremer Symposium AI in Health“ zeigen, wie gezielt hier Austausch entsteht und Mehrwert geschaffen wird.
Ihre Forschung bewegt sich an der Schnittstelle von Medizin und Digitalisierung. Was treibt Sie inhaltlich an?
Viele meiner Themen ergeben Sinn, zumindest in der Theorie. Ob ein bestimmtes Forschungsvorhaben tatsächlich einmal im medizinischen Alltag ankommt, ist oft schwer vorherzusagen und zugleich ein zentraler Teil der Forschung selbst. Mich motiviert der Gedanke, einen Beitrag dazu leisten zu können, das Gesundheitswesen auf hohem Niveau zu halten und es hoffentlich zukunftsfest zu machen.
Geprägt vom demografischen Wandel stehen wir vor großen Herausforderungen: Unser Gesundheitssystem ist komplex, moderne Medizin ebenfalls und sie ist teils auch teuer. Um eine bestmögliche Versorgung bei zugleich akzeptablen Kosten zu erreichen, führt kein Weg an der Digitalisierung vorbei. Der Realitätscheck, sei es als Patient in Arztpraxen oder im Austausch mit Studierenden, zeigt mir immer wieder, dass es in diesem Feld so schnell nicht langweilig wird und dass es noch sehr viel zu tun gibt.
Was wünschen Sie sich für den zukünftigen Umgang mit neuen Technologien in der Medizin?
„Die Deutschen“ sind meiner Wahrnehmung nach manchmal fast schon technologiescheu, zumindest, wenn es um Digitalisierung geht. Ich würde mir wünschen, dass das Faxgerät tatsächlich sehr bald nur noch in Museen steht und ausgedruckte Entlassungsbriefe oder Klebezettel im Impfausweis der Vergangenheit angehören.
Wir haben nach wie vor viele Prozesse, die schlicht nicht mehr zeitgemäß sind und unnötig Zeit und Geld kosten. Man denke nur an den letzten Versuch zurück, eine Arztpraxis telefonisch wegen eines Termins zu erreichen.
Wenn Sie heutigen Studierenden einen Rat mitgeben könnten – welcher wäre das?
Ich erlebe immer wieder Studierende, die ihr Studium vor allem als Last und Pflichterfüllung sehen. Ein Studium darf anstrengend und teils auch hart sein, aber an erster Stelle sollten für mich die Adjektive interessant, spannend und inspirierend stehen. Studierende haben es oft selbst in der Hand: Ein Studium ist keine Pflicht. Umso wichtiger ist es, den eigenen Weg und die Studienentscheidung immer wieder zu reflektieren.
Idealerweise nicht erst unmittelbar vor einer Prüfung oder dem Abschluss, sondern gerade in den ersten Semestern. Es gibt so viele spannende Themen und Studiengänge, dass sich für fast jede und jeden etwas Passendes finden lässt. Man muss nur bereit sein, gelegentlich die Komfortzone zu verlassen und über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Wichtig wäre auch Praxiserfahrungen neben dem Studium zu erwerben.
Wenn Sie auf Ihren bisherigen Weg zurückblicken: Wofür sind Sie besonders dankbar?
Vor allem für die Menschen, die ich kennenlernen durfte und von denen ich lernen konnte. Ich hatte dabei häufiger Glück als Pech, konnte zwischen Optionen wählen und den Mut aufbringen, Dinge zu wagen. Dafür bin ich sehr dankbar.

