Edition

Heinrich August Marschner: Lucretia. Große ernsthafte Oper in 2 Akten

Nach genau 200 Jahren soll Marschners Lucretia, eine große ernsthafte Oper nach einem Libretto von August Eckschlager, wiederaufgeführt werden. Diese nur in einer Quelle vollständig überlieferte Oper wurde hierfür von Evelyn Reisch und Ulrich Tadday ediert. Auf Grundlage dieser Erstausgabe wird im Herbst 2027 die konzertante Wiederaufführung am Badischen Staatstheater in Karlsruhe stattfinden, welche vom SWR mitgeschnitten und vom Label CPO veröffentlicht wird.


Titelseite der Partitur

Ausschnitt aus der Partitur

Kontakt

Prof. Dr. Ulrich Tadday
Raum: GW2 A 4393
Telefon: +49 (0)421 218 67760
E-Mail: tadday[at]uni-bremen.de

Evelyn Reisch
E-Mail: reisch[at]uni-bremen.de

 

Sekretariat

Angelika Strunk

Raum: GW2 A 4398
Telefon: +49 (0421) 218-67750
Email: astrunk[at]uni-bremen.de

 

Öffentliche Vorstellung der Edition

Die Edition wird im Rahmen der interdisziplinären Tagung Lucretia: Schändung. Tod. Umsturz. (31. Mai - 03. Juni 2026) vorgestellt.

Zeit: Dienstag, 2. Juni 2026, 17.15 - 18.15 h 

Ort:  Raum 60001-60003, Forum am Domshof, Domshof 26, 28195 Bremen

 

Vortrag

Evelyn Reisch und Ulrich Tadday: „Wer Leben höher als die Freiheit schätzt, den mag der Dolch die feige Brust durchstoßen.“ Heinrich Marschners große ernsthafte Oper Lucretia. Öffentliche Vorstellung der Edition (Erstausgabe)

 

Musik

Ouverture de l’Opéra sérieux: Lucrèce arrangée pour le Pianoforté à quatre Mains par Ferd. Stegmayer composée par Henri Marschner, op. 67, Leipsic: Fr. Kistner, [1834].

Auf der Villa stillen Fluren, Duettino von Collatin und Lucretia aus der Oper Lucretia von Heinr. Marschner, Klavierauszug, Hannover: A. Nagel, 1836.

Alles Leiden dieser Erde, I. Akt, Nr. 8 Aria, Andante con espressione, Lucretia.

Ängstlich fühl’ das Herz ich schlagen, II. Akt, Nr. 12 Aria, Allegro agitato, Lucretia.

Zu düster Teure ist dein Blick, II. Akt, Recitativo zu Nr. 13 Aria, Andante, Collatin.

Du mein Glück, mein Alles, II. Akt, Nr. 13 Aria, Allegro risoluto, Collatin.

 

Stephanie Henke | Sopran
Clemens-C. Löschmann | Tenor
Nico A. Stabel | Klavier
Julia Jeske und Dennis Beitler | Klavier

 

Download: Programm

Quellenvergleich

Ein Vergleich der vollständig überlieferten Dresdener Kopistenabschrift mit dem sich in Berlin befindenden, nur im 1. Akt erhaltenen Autograph, zeigt unterschiedliche Arbeitsschichten am Notentext: Während S. 255 der Dresdener Quelle noch mit S. 165 aus Berlin übereinstimmt, ist die Streichung auf der folgenden Seite nicht mehr in der Dresdener Abschrift zu finden. 

Mus.ms.autogr. Marschner, H. 6 (Staatsbibliothek Berlin), S. 165
Mus.ms.autogr. Marschner, H. 6 (Staatsbibliothek Berlin), S. 166
Mus.4838-F-506 (SLUB Dresden), S. 255
Mus.4838-F-506 (SLUB Dresden), S. 256

August Eckschlager: Lucretia. Inhaltsangabe des Librettos (Kurzfassung)

(I,1)[1] Die Römer hoffen, dass sich Zeus‘ Zorn gegen den Tyrannen Tarquin richtet. Pontifex weiß mit Hinweis auf die Macht der Götter das Volk zu beschwichtigen und für sich zu gewinnen. (I, 2) Brutus warnt Pontifex, dass Tarquin nicht nur die Absicht verfolgt, ihn und andere Römer ermorden zu lassen, sondern sich bereits auf dem Wege befindet, Lucretias Hochzeit mit Collatin zu stören. Pontifex und Brutus beschließen Tarquin zu stürzen. (I, 3) Lucretia und Collatin erscheinen, um im Tempel der Juno den Bund der Ehe zu schließen. (I, 4) Pontifex segnet den Bund, doch schon eilt Brutus herbei, um vor dem herannahenden Tarquin zu warnen. (I, 5) Pontifex lässt den Tempel schließen. Er selbst, Brutus, Lucretius, Lucretia, und Collatin bleiben, alle anderen fliehen. (I, 6) Brutus eröffnet Collatin, dass Tarquin Lucretia entführen und ihn töten will. Collatin bekundet, sich Tarquin entgegenzustellen, um ihn zu töten. Lucretia gibt sich siegesgewiss. (I, Finale) Tarquin dringt in den Tempel ein, bedroht Pontifex und verlangt nach Lucretia, die mit Collatin erscheint. Tarquin bezichtigt Collatin der Feigheit. Collatin fordert Tarquin heraus, doch bevor es zum Kampf kommt, erscheint Brutus. Tarquins Wachen umstellen die Widersacher, um sie in den Kerker zu werfen. Lucretia, Collatin, Brutus, Lucretius, Pontifex, Ritter, Frauen, Priesterinnen und Priester, rufen daraufhin die Götter an.

(II, 2) Collatin, Brutus und Lucretius konnten entkommen. Collatin möchte vor dem Kampf Lucretia sehen. (II, 2) Lucretius und Brutus hingegen wollen zuerst gegen Tarquin zur Tat schreiten. Lucretia gibt sich opferbereit. (II, 3) Lucretius fordert Collatin auf, ihm zu folgen. Collatin will Lucretius Folge leisten (II 4), doch entscheidet sich um. Während Brutus und Lucretius losziehen, geht Collatin in Lucretias Gemach. (II, 5) Tarquin, wild entschlossen, sucht gewaltsam Zugang zu Lucretias Gemach. (II, 6) Tarquin und Collatin, der sich ihm entgegenstellt, fechten. (II, 7) Tarquin räumt Collatin aus dem Wege und bedrängt Lucretia. (II, 8) Diese gewinnt im Kampf die Oberhand und stellt Tarquin vor die Wahl. Indem sie sich selbst tötet, überlässt sie nicht Tarquin die Entscheidung. Tarquin flüchtet, Brutus verfolgt ihn mit Kriegern. (II, 9) Pontifex verkündet, Rom sei befreit und Tarquin geschlagen. Brutus und Collatin sollen die neuen Führer des Staates sein. Alle stimmen ein.

 


[1] Die römische Ziffer gibt den Akt, die arabische Zahl die Szene der Oper an.