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Studentische Lernformate: Schreibkompetenz durch Peer-Coaching

In den Geistes- und Kulturwissenschaften dient (wissenschaftliches) Schreiben als Instrument zum Denken und Lernen; Sprache in Wort und Text sind Kommunikationsformen und vermitteln Erkenntnisse. Da Schreiben mehr ist, als die bloße Übersetzung von Wissen, braucht es im Studium besondere Aufmerksamkeit. Im Zuge der Projekte ForstA und ForstAintegriert konnte der Fachbereich Bewegungen initiieren, um auch in Zukunft Schreibkompetenzen zu fördern. Mit ForstA wurde von Beginn der Förderung im Jahr 2012 mit studentischen Schreibcoaches gearbeitet. In Form regelmäßiger Workshops wurden im Peerverfahren Schreibthemen ausgetauscht, Prozesse erzeugt, didaktische Materialien erprobt und weitergegeben. Mit ForstAintegriert standen seit 2017 vermehrt finanzielle Mittel zur Verfügung; das Peerverfahren konnte strukturell vertieft und die Ausbildung in der Studierwerkstatt modifiziert werden. Engagierte studentische Schreibcoaches haben ihr erworbenes Wissen an verschiedenen Instituten in unterschiedlichen Modulen mit BA-Studierenden geteilt. Peerverfahren wurden in laufende Veranstaltungen implementiert, Workshops konzipiert und individuelles Peercoaching kontinuierlich durchgeführt. Mit den Angeboten der "Kollektiven Schreibwoche" oder des "Offene Schreibateliers" wurden mit studentischen Coaches Schreibräume zum Austausch und zur Unterstützung individueller Schreibprozesse entwickelt und realisiert. Konzeption, Organisation, Koordination und Umsetzung der verschiedenen Angebote bedeutete hohen Aufwand; so können nicht alle Formate weiter umgesetzt und finanziert werden. Diese waren jedoch eine wichtige Erfahrung, um perspektivisch Veränderungen und Verstetigungen vorzunehmen. Insgesamt konnten mit ForstA und ForstAintegriert Schreibprozesse sichtbar, Orte des Austausches realisierbar und Schreibprobleme verhandelbar werden.

Es war nie leicht, Studierende anzusprechen oder Verzahnungen mit Lehrenden herzustellen. Befragungen, Gespräche und Erfahrungen zeigten dennoch, dass Lehrende wie Studierende offene Fragen und Probleme in akademischen Schreibprozessen bestätigen. So konnten wir im Verlauf des Projektes lernen, welche Themen relevant sind, worin sich Probleme zeigen und wie wichtig es ist, akademische Literaltiät nicht als „stille Voraussetzung“, sondern als ständiges Übungsfeld zu begreifen.

Perspektivisch ist die Etablierung einer allgemeinen „Schreibsensibilität“ der Lehrenden und Lernenden förderlich, um rhetorische Veränderungen zu realisieren. Eine in der wissenschaftlichen Lehre integrierte Vermittlung von Techniken durch Lehrende stellt eine zeitliche Überforderung dar. So wäre die Vernetzung zwischen Lehrenden und der Schreibberatung am Fachbereich ein Ziel. Fachspezifische Schreibberatung soll Studierende in ihren Prozessen unterstützen. Zudem ist es vorgesehen, die Kommunikation der Studierenden untereinander zu fördern und "Foren" zu realisieren, in denen studentische Texte zugänglich gemacht werden und Diskurse entstehen. Gezielte Peer-Angebote, wie das „Offene Schreibatelier“ und die „Kollektive Schreibwoche sollen modifiziert und verstetigt werden.

Ausgewählte M 4-Projekte aus ForstA und ForstAintegriert am Fachbereich Kulturwissenschaften:

2015 bis 2020

Workshops "Von Studierende für Studierende". EineAuswahl

Uni Einmaleins. Studienkompetenzen Peer to Peer: Ausloten der „neuen“ Rolle als Student*in im Wissenschaftssystem. Die im Peer erarbeiteten Schwerpunkte lagen in Motivation, Zeitmanagement und Organisation. Präsentation und Formen des (wissenschaftlichen) Schreibens wurden als Instrumente des Studiums angesprochen.

Techniken und kreative Prozesse des Schreibens – (selbstständig) wissenschaftlich Arbeiten: Ein Workshop zum wissenschaftlichen Schreiben als Instrument zum Denken und Lernen; als Kommunikationsform und als Medium zur Erkenntnisvermittlung. Im Peerverfahren wurden individuelle Schreibstrategien analysiert, initiiert und gemeinsam reflektiert. Die Angebote wurden der Vorlesungszeit vor- und nachgeschaltet. Haus- und BA-Arbeiten konnten direkt in den Workshop eingebunden werden.

Gemeinsam statt einsam – ‚genüsslich‘ Themen erarbeiten und in der Gruppe präsentieren:Ein Workshop mit den Schwerpunkten Portfolio (Exzerpt, Protokoll, Exposé) und Referate/Poster. Das Konzept basierte auf der Idee eines Begleitprogramms zur Unterstützung relevanter Themen während der Vorlesungszeit: Zusammenfassung von Texten, deren Präsentation, Vorträgen/Referaten, Exzerpieren, Poster, ästhetische Formen der (Wissens-)Vermittlung.

Implementierung studentischer Schreibcoaches in laufende Seminare konzipiert und koordiniert durch Fachlehrende in Zusammenarbeit mit der Studierwerkstatt

2014 bis 2020

Institut für Ethnologie und Kulturwissenschaft: Modulübergreifender Studentischer Schreibcoach/Tutor*in (Schreibtutorium) im BA zur Qualifikation kulturwissenschaftlicher Schreibtechniken als offenes Angebot in verschiedenen Schreibformen und zur Unterstützung der Erarbeitung wissenschaftlicher Arbeiten innerhalb schreibintensiver Module und deren Seminare. Peercoaching zur Unterstützung in Schreibprozessen und bei der Verknüpfung eigens erhobener Daten mit theoretischen Aspekten.

Institut für Religionswissenschaften und Religionspädagogik: Unterstützung durchStudentische Schreibcoaches in den ersten Semestern: „Wie schreibe ich eine wissenschaftliche Hausarbeit?“, zur „Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten“ und zur Erstellung von Protokollen, Handouts, Hausarbeiten, Literaturverzeichnisse etc.

Institut für historische Publizistik Kommunikations- und Medienwissenschaften: Studentisches Schreibcoaching zur Unterstützung der Seminarteilnehmer*innen im Finden und Formulieren von Forschungsfragen, der Ausformulierung von Beobachtungsprotokollen sowie der Formulierung von Fragen für Interviewleitfäden.

Institut für Philosophie: Zur Etablierung einer Schreibroutine ohne Leistungsdruck, wurden im Rahmen des Moduls „Einführung in die Geschichte der Philosophie“ kleinere Schreibübungen in den Tutorien etabliert. Tutor*innen haben in der Studierwerkstatt zusätzlich eine Ausbildung zum „Peer-to-Peer-Schreibcoach“ erhalten. „Wissenschaftliches Arbeiten“, das bisher für das erste Studienjahr empfohlen wurde, wird zukünftig im zweiten Studienjahr absolviert. Die während der Vorlesungszeit verfassten Texte werden nicht benotet, sondern dienen als Gesprächsgrundlage im Tutorium, in dem gemeinsam darüber diskutiert wird, woran es liegt, dass ein Text gelungen wirkt.

Implementierung studentischer Schreibcoaches in laufende Seminare konzipiert und koordiniert durch die Schreibwerkstatt des Fachbereichs in Zusammenarbeit mit der Studierwerkstatt

2018 bis 2020

Lehrende aller Institute wurde das Angebot gemacht, über die dezentrale Schreibwerkstatt Schreibcoaches für eine oder zwei Einheiten in laufende Seminare zu implementieren. In individueller Zusammenarbeit mit der studentischen Coach, den Lehrenden, der Schreib- und der Studierwerkstatt wurden Schwerpunkte im Rahmen des akademischen Präsentierens und Schreibens, der Vermittlung von Schreibstrategien, Reflexionen des Schreibverhaltens/der Schreibtypen pointiert in verschiedene Seminare integriert.

Fachliche und Überfachliche Kooperationsprojekte

2019/2020

"Kollektive Schreibwoche" :Mit diesem Format wurden Raum und Zeit für studentische Schreibprojekte angeboten. Eine Woche lang gab es morgendlich 10minütige Impulsübungen und am Nachmittag eine gemeinsame Schlussrunde. Täglich wurden Kurzworkshops zum Lesen, Schreiben, Strukturieren und formalen Aspekten wissenschaftlichen Arbeitens angeboten.

"Offenes Schreibatelier" :Schreibatelier Kunst – Medien – Ästhetische BildungEin Pilotprojekt zur Etablierung eines offenen Ateliers mit kleinen Impulsübungen und der Möglichkeit studentische Schreibberatung vor Ort in Anspruch zu nehmen.

Die Erfolge waren qualitativ. Einzelnen wurde in ihren Schreibprozessen erheblich geholfen. Die Studierendenzahl blieb gering, trotz Flyer, Plakaten, Homepage. Dennoch sollen beide Formate weiter ausgearbeitet werden, da wir glauben, dass ein kontinuierliches Angebot Orientierung gibt und nach und nach besser wahrgenommen wird. Das offene Atelier wurde für die Fachbereiche 9 und 10 geöffnet. Aktuell wird das Format des gemeinsamen Schreibens im "offenen Schreibatelier" am FB 10 angeboten und sehr gut angenommen.

Konzeption und Realisierung des "Schreibportals der Geistes-, Kultur- und Sprachwissenschaften"

2019/2020

Als "Projektzusammenführung" und "Abschluss" gab es den Gedanken, eine digitale Plattform zu gestalten, mit der Schreibangebote gebündelt und universitäre Institutionen des Schreibens versammelt werden. Darin verankert ist ein "kleiner Ratgeber" entstanden. Studierenden und Lehrenden werden Einführungen und Materialien zu verschiedene Phasen des Schreibens zur Verfügung gestellt, Leitfäden aller Institute und Studiengänge sind konzentriert und Kontaktpersonen sind "übersichtlich" einsehbar. Die Konzeption und Realisierung des  Schreibportals der Geistes- Kultur- und Sprachwissenschaften ist in enger Zusammenarbeit mit studentischen Coaches, Lehrenden des Fachbereichs sowie Kolleg*innen der Studierwerkstatt und Staats- und Universitätsbibliothek Bremen entstanden. Der darin verortete Chat für die Kommunikation mit studentischen Schreibcoaches ist gegenwärtig inaktiv, die Arbeit mit studentischen Coaches muss erst wiederaufgenommen werden. Eine Ausschreibung läuft: "Wir suchen eine/n Studentische/n Schreibcoach"