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Zeitalter der Extreme

Das 20. Jahrhundert in Originaldokumenten – „Aus den Akten auf die Bühne“ bringt historische Quellen zum Sprechen!

Zwei Weltkriege, Flucht, Migration und Abschiebung, die „neue Frau“ in der Weimarer Republik, Unternehmenspleiten und Bankencrash, Frauen als Täterinnen und Opfer im Nationalsozialismus, die Last des kolonialen Erbes, Antikommunismus und Berufsverbote in der Zeit des Kalten Krieges...

Die szenischen Lesungen von Originaldokumenten laden zu einer Reise durch das Zeitalter der Extreme aus der Perspektive der Hansestadt Bremen ein.

Anlässlich des 10-jährigen Bestehens der bundesweit einmaligen Kooperation zwischen Forschung, Lehre und Theater präsentiert die bremer shakespeare company alle bisherigen 11 Aufführungen von „Aus den Akten auf die Bühne“.

Alle szenischen Lesungen aus 10 Jahren vom 1. November bis 19. Dezember 2017. Die Lesungen finden zum Teil an historischen Originalschauplätzen statt!

Tickets
Telefon: 0421/500 333 (Mo-Fr 15-18 Uhr)
bremer shakespeare company
Ticketstand im Foyer der Stadtbibliothek, Am Wall 201, 28195 Bremen
Di, Do, Fr 12-18 Uhr, Mi 13-18 (Pause: 14-15 Uhr), Sa 12-16 Uhr (durchgehend)
BTZ Bremer Touristik Zentrale, Tel. 0421/30 800 10
Nordwest Ticket, Weser-Kurier im Pressehaus, Tel. 0421/36 36 36

Preise
13 € / erm. 6 €
Die Abendkasse öffnet 1 Stunde vor Beginn der Vorstellung.

Termine

Mittwoch, 1. November, 19.30 Uhr im Theater am Leibnizplatz
Bremen: Eine Stadt der Kolonien?
Einrichtung Text/Szene: Peter Lüchinger. Mit: Peter Lüchinger, Petra-Janina Schultz, Erik Roßbander, Markus Seuß.
Die Lesung dokumentiert rund 100 Jahre koloniale Vergangenheit Bremens. Welche Interessen führten Männer und Frauen nach Afrika? Wie begegneten sie den Menschen in den Kolonien und auf welche Haltung trafen Afrikaner/innen in der Hansestadt? Wie veränderte sich Bremen nach 1919 durch den Verlust der Kolonien?

Freitag, 3. November, 19.30 Uhr im Schwurgerichtssaal, Landgericht Bremen
Grund der Ausweisung: Lästiger Ausländer
Einrichtung Text/Szene: Peter Lüchinger. Mit: Peter Lüchinger, Michael Meyer, Erik Roßbander, Petra-Janina Schultz, Markus Seuß.
Die Behörden reduzierten in den 1920er Jahren die Biographie des Ausländers auf die „Lästigkeit“. Die Faktoren, mit denen „Lästigkeit“ konstruiert wurde: Kriminelle Delikte, politische Gesinnung, Rasse, unsittlicher Lebenswandel. Aus dem Blickwinkel der Betroffenen sind andere Lesarten möglich.

Mittwoch, 8. November, 19.30 Uhr im Wallsaal, Stadtbibliothek Bremen
„Ich will Dir so ein bisschen die Wahrheit schreiben“
Einrichtung Text/Szene: Peter Lüchinger. Mit: Peter Lüchinger.
Die Briefe des Bremer Kaufmanns und Bataillonsfotografen Hermann Gieschen (1902-1951) dokumentieren den Alltag und die verbrecherischen Aktionen des Bremer Polizeibataillons 105 in der Sowjetunion und den Niederlanden.

Montag, 13. November, 19.30 Uhr im Schwurgerichtssaal, Landgericht
Was verstehen wir Frauen schon von Politik?”
Entnazifizierung „ganz normaler“ Frauen in Bremen (1947-1951)

Einrichtung Text/Szene: Peter Lüchinger. Mit: Svea Auerbach, Peter Lüchinger, Michael Meyer, Petra-Janina Schultz, Erika Spalke.
In der historischen Forschung wurde die Entnazifizierung von Frauen bislang wenig berücksichtigt. Wie erklärten und verteidigten Frauen ihr Handeln und wie wurden ihre Aktivitäten von den Spruchkammern bewertet?


Mittwoch, 22. November, 19.30 Uhr im Theater am Leibnizplatz

Eine Stadt im Krieg: Bremen 1914-1918
Einrichtung Text/Szene: Peter Lüchinger. Mit: Christian Bergmann, Peter Lüchinger, Theresa Rose, Petra-Janina Schultz, Markus Seuß.
„Plötzlich, wie über Nacht, ist das Gespenst eines Völkerkrieges zwischen den großen europäischen Nationen aufgetaucht. - Ein Weltkrieg. Weiß man, was das bedeutet?“ fragt am 28. Juli 1914 die Bremer Bürgerzeitung. Originaldokumente zeigen wie der Krieg in der Stadt allgegenwärtig ist und alle Bereiche des Lebens in Bremen durchdringt.

Donnerstag, 23. November, 19.30 im Theater am Leibnizplatz
Sonntag, 3. Dezember, 18.00 Uhr im Theater am Leibnizplatz
Dienstag, 19. Dezember, 19.30 Uhr im Theater am Leibnizplatz

Staatsschutz – Treuepflicht – Berufsverbot.
(K)ein abgeschlossenes Kapitel der westdeutschen Geschichte.

Einrichtung Text/Szene: Peter Lüchinger. Mit: Simon Elias, Peter Lüchinger, Erik Roßbander, Erika Spalke, Kathrin Steinweg.
Innere Sicherheit, Staatsschutz und Verfassungstreue sind zentrale Themen der öffentlichen Auseinandersetzung in den 1970er Jahren. Anhand von Dokumenten und Presseartikeln aus der Presse werden Ursachen und Folgen des Radikalenbeschlusses geschichtlich verortet.

Montag, 27. November, 19.30 Uhr im Theater am Leibnizplatz
Geflüchtet, unerwünscht, abgeschoben.
Vom Umgang mit „lästigen Ausländern“ in der Weimarer Republik.

Einrichtung Text/Szene: Peter Lüchinger. Mit: Peter Lüchinger, Michael Meyer, Petra-Janina Schultz, Markus Seuß.
Der Flüchtlingsbewegung aus Osteuropa nach dem Ersten Weltkrieg begegneten weite Teile der deutschen Politik und Gesellschaft ablehnend: Lesung zum Umgang mit „lästigen Ausländern“ in den 1920er Jahren in Bremen.


Montag, 4. Dezember, 19.30 Uhr im Haus des Reichs/Finanzamt Bremen am Rudolf-Hilferding-Platz

Prunk und Pleite einer Unternehmerdynastie.
Der Konkurs der Nordwolle und die Bankenkrise 1931.

Einrichtung Text/Szene: Peter Lüchinger. Mit: Peter Lüchinger, Michael Meyer, Erik Roßbander, Petra-Janina Schultz, Markus Seuß.
Die Brüder Lahusen, Gründer der Nordwolle, werden auf dem Höhepunkt ihrer Macht am 17. Juli 1931 verhaftet. Zwei Jahre lang ermittelt die Reichsanwaltschaft wegen Untreue und Betrugs, der Prozess endet im August 1933 mit Haft- und Geldstrafen. Die Lesung zeichnet auch den Weg von G. Carl Lahusen nach seiner Haftentlassung nach.

Dienstag, 5. Dezember, 19.30 Uhr im Finanzamt am Rudolf-Hilferding-Platz
„Im Lager hat man auch mich zum Verbrecher gemacht“.
Margarete Ries: Vom „asozialen“ Häftling in Ravensbrück zum Kapo in Auschwitz

Einrichtung Text/Szene: Peter Lüchinger. Mit: Peter Lüchinger, Michael Meyer, Petra-Janina Schultz, Erika Spalke.
Margarete Ries soll als Kapo im KZ Auschwitz mehrere Häftlinge erschlagen haben. Wie erklärte Margarete Ries ihr Handeln? Das Haus des Reichs, damals Sitz der US-Militärregierung für Bremen, ist der Originalschauplatz der Verhöre von Margarete Ries.


Montag, 11. Dezember, 19.30 Uhr im Theater am Leibnizplatz

„Aus Gründen der inneren Sicherheit des Staates...“ Ausweisung, Verfolgung und Ermordung des Bremer Arbeiters Johann Geusendam (1886-1945)
Einrichtung Text/Szene: Peter Lüchinger. Mit: Svea Auerbach, Peter Lüchinger, Erik Roßbander, Petra-Janina Schultz, Markus Seuß.
Das Ausweisungsverfahren des Arbeiters Johann Geusendam beginnt noch im Kaiserreich (1909) und wird am Ende der Weimarer Republik (1931) vollzogen. Zwangsmigration, Verfolgung und Widerstand prägten das Leben Johann Geusendam. 1940 wurde er von der Gestapo verhaftet und durchlebte den Terror des NS-Strafsystems.

Montag, 18. Dezember, 19.30 Uhr im Schwurgerichtssaal, Landgericht
Wussten Sie, dass Ihre Tochter Herrenverkehr hatte?"
Der Fall Kolomak in Bremen

Einrichtung Text/Szene: Peter Lüchinger. Mit: Tim Lee, Peter Lüchinger, Petra-Janina Schultz, Markus Seuß, Erika Spalke.
Der größte Sittenskandal im Bremen der 1920er Jahre: der Prozess gegen die „Schustersfrau Elisabeth Kolomak“ wegen Kuppelei, begangen an ihrer 1924 verstorbenen Tochter Lisbeth, wurde im Juni 1927 eröffnet. Das Delikt der Kuppelei und der große Aufwand der Justiz - das passte für viele zeitgenössische Beobachter/innen nicht zusammen.