(AKAD14) Ästhetik des Films

Um die Frage nach der Kunstwürdigkeit des Filmes beantworten zu können, beginnt Rudolf Arnheim in seinem Buch „Film als Kunst“ aus dem Jahre 1932 mit der Beschreibung einer Eigenschaft des Films, die als grundlegend für dessen Ästhetik verstanden werden kann: „Der Film also bietet, ebenso wie das Theater, eine partielle Illusion. Er vermittelt bis zu einer gewissen Grade den Eindruck wirklichen Lebens […]. Andererseits aber ist er so stark bildmäßig, wie die Bühne es nie sein kann.“ Nur durch diese Bildhaftigkeit kann für Arnheim ein Film zum Kunstwerk werden. Diese Bildhaftigkeit deutlich werden zu lassen, hat der Film verschiedene Möglichkeiten: eine ist die Montage, eine weitere die Gestaltung der einzelnen Einstellungen zu Bildern (innere Montage) und eine dritte die konzeptionelle Gestaltung des Films.

Die beiden ersten Verfahren (Montage und innere Montage) beheben die Abhängigkeit des Films von seinem dokumentarischen Bildmaterial jedoch nicht vollständig: „Die photographische Technik des Films, primär abbildend, verschafft dem zur Subjektivität fremden Objekt mehr an Eigengeltung als die ästhetisch autonomen Verfahrungsweisen; das ist im geschichtlichen Zug der Kunst das retardierende Moment des Films. Selbst wo er die Objekte […] auflöst und modifiziert, ist die Auflösung nicht vollständig. Sie erlaubt daher auch keine absolute Konstruktion; die Elemente, in die zerlegt wird, behalten etwas Dinghaftes […] Kraft dieser Differenz ragt die Gesellschaft ganz anders, weit unmittelbarer vom Objekt her, in den Film hinein als in avancierte Malerei oder Literatur.“ (T.W. Adorno, 1967)

Bei der dritten Möglichkeit, der konzeptionellen Gestaltung des Films, entstünde erst in der Vorstellung des Betrachters aus dem dokumentarischen Material der Film. Dabei würde im Prozess des entstehenden Filmes durch die Formgebung das dokumentarische Material seine Unmittelbarkeit verlieren: es würde, nach einem Gedanken Friedrich Schillers, durch die Form vertilgt: „Darin also besteht das eigentliche Kunstgeheimniß des Meisters, daß er den Stoff durch die Form vertilgt“.

Semiotisch betrachtet, müsste ein Film also, um ästhetisch autonom zu werden, mit den verschiedenen Sprachen oder Codes eines Films (zum Beispiel der Mimik, Bewegung oder Beleuchtung) wie mit Material umgehen, über das er formgebend und dabei seine eigene Sprache bildend verfügt: „Aber mit der Konstruktion des Zusammenhangs von diversen Codes beginnt die filmische Erfindung, und mit der Erfindung beginnt der Film seine Rede.“
 

In dem Seminar werden Texte zur Ästhetik des Films besprochen und an Beispielen aus der Geschichte der Filmkunst veranschaulicht. Gezeigt werden Filme von Alain Resnais, Vittorio de Sica, Federico Fellini, Jacques Tati, Aki Kaurismäki, Jim Jarmusch, Theo Angelopoulos und Chantal Akerman.


Dozent:             Dr. Karl Heinz Wölke

Termine:           dienstags,  13.10.2026 - 26.01.2027

Zeit:                  16:00 (s.t.) bis 17:30 Uhr

Veranstaltungsart:   hybrid, in Präsenz (Akademie, Raum B 0660) oder wahlweise Online-Teilnahme

Hinweis:   Teilnehmerbegrenzung: 40 Personen in Präsenz

Kontakt

Wir sind für Sie da:

Nicole Lehmkuhl
Maike Truschinski
Jaroslaw Wasik

Büro:
Zentralbereich / Raum B0670
Bibliothekstraße 2A

Sprechzeiten:
Mo - Fr 10:00 - 12:00 Uhr

Telefon: 0421- 218 61 616
Telefax: 0421 - 218 98 61 616
eMail: seniorenprotect me ?!uni-bremenprotect me ?!.de

Sie möchten sich anmelden?

[Zur Online-Anmeldung]